Die Saison 2021 – Corona-Ausweis, Allianz der Südländer, Existenzangst

29 Jan, 2021
Ein Artikel von: Kenny Deppe

Corona-Mutationen könnten 2021 für noch weniger Urlauber sorgen, als im vergangenen Jahr. Politik und Wirtschaft schalten in den Krisenmodus.

Die Aussichten für die kommende Urlaubssaison scheinen noch düsterer, als die im Jahr 2020. Die hochansteckenden Mutationen des Coronavirus sorgen auch innerhalb der Europäischen Union für erste Grenzschließungen. Erst gestern wurde die Grenze zwischen Portugal und Spanien geschlossen – Portugiesen dürfen ihr Land nicht mehr verlassen! Dänemark, Norwegen und Finnland lassen ohne triftigen Grund niemanden mehr ins Land.

Geht es nach Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer, sollen touristische Auslandsreisen für Deutsche dieses Jahr überhaupt nicht stattfinden. Diese Überlegungen hat man natürlich auch auf den Balearen vernommen. Gespräche über ein Pilotprojekt 2021 scheinen damit in weite Ferne zu rücken. Der balearische Tourismusminister Iago Negueruela geht daher nun einen Schritt weiter und will eine „Allianz der Südländer“ formen.

Sein Plan: Spanien, Portugal, Italien und Griechenland sollen in Brüssel gemeinsam auf eine EU-weite Regelung drängen, die andere Lösungen als Grenzschließungen und Quarantäne bietet. „Wir müssen auf europäischer Ebene daran arbeiten, wie Reisen aussehen sollen“, sagte Negueruela gestern, nach einem Treffen mit dem spanischen Staatssekretär für Tourismus.

Erreichen will Negueruela dies mit einem europäischen Corona-Ausweis. Dieser soll sowohl geimpften Personen, als auch Menschen mit negativem Testergebnis zertifizieren, dass sie Corona-frei sind. Für diese Menschen sollen touristische Reisen ermöglicht werden.

Untergangsstimmung bei den Hoteliers

Unter den Hoteliers wird die Stimmung inzwischen immer düsterer. Nahmen sie Spaniens Ministerpräsidenten Sánchez vor kurzem noch übel, dass dieser erst zum Ende des Sommers eine vollständige Erholung des Tourismus ankündigte, sprechen sie nun schon selbst vom zweiten Sommer ohne Tourismus und fordern eine Nachbesserung und Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021.

Gabriel Escarrer, der Geschäftsführer von Meliá Hotels International, sagt: „Spanien wird einen zweiten Sommer ohne Tourismus nicht überstehen“. Für ihn gibt es nur einen Ausweg: „Es ist unverzichtbar einen Fahrplan zu gestalten, der eine Impfkampagne an 24 Stunden am Tag und sieben Tagen die Woche beinhaltet“. Auch koordinierte Maßnahmen und Protokolle mit den Herkunftsländern der Touristen seien unabdingbar.

Jorge Marichal, der Präsident des spanischen Hotelierverbandes Cehat, zeichnet die Probleme der Tourismusbranche etwas deutlicher: „Unsere Aussichten sind nicht vielversprechend. Wir müssen an alle unsere Angestellten denken und wir dürfen keine Unternehmen zerstören“. Er geht aufgrund der aktuellen Situation nicht von einer kurzfristigen Verbesserung der Lage aus und fordert daher Änderungen beim spanischen Kurzarbeitergeld ERTE. Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten müssen aktuell 30% der Sozialversicherungsabgaben für ihre Mitarbeiter in ERTE zahlen. Marichal fordert nun, die Zahlungen an die Sozialversicherung vollständig auszusetzen und das Kurzarbeitergeld bis Ende 2021 zu verlängern.

Ein Blick auf die Zahl der Angestellten der großen Ketten verdeutlicht, welch großes Problem die derzeitige ERTE-Regelung darstellt. Meliá beschäftigt etwa 8.400 Menschen in Spanien und fast alle befinden sich in Kurzarbeit. „Kurzarbeit“ heißt in dem Fall, dass sie seit knapp 10 Monaten überhaupt nicht arbeiten.

Ein weiteres Problem der Regelung sieht Marchial darin, dass man bei Wiederaufnahme der Aktivität gezwungen ist, alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Wenn sich die Situation Schritt für Schritt bessert, werde man nicht in der Lage sein, die gleiche Zahl an Angestellten zu beschäftigen, wie in der Rekordsaison 2019. „Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass es durch die bloße Existenz eines Impfstoffs einen Knalleffekt gibt und die Hotels der spanischen Urlaubsregionen schlagartig wieder voll sind.“

Vom Optimismus, der allein schon durch die Planung des Pilotprojekts 2020 ausging, ist aktuell fast nichts mehr zu spüren. Was bleibt ist eine Unsicherheit, die fast noch erdrückender ist als im vergangenen Jahr.

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