Das YOLO in Cala Millor geht in die zweite Saison

22 Mai, 2021
Ein Artikel von: Kenny Deppe

Das Opening sollte eigentlich zu Beginn der generellen Ausgangssperre im März 2020 stattfinden. 2021 kämpfen Julia und Micha weiter für ihr neues Lokal.

Julia und Micha sind seit 15 Jahren ein Paar und trafen vor drei Jahren den Entschluss nach Mallorca zu ziehen. „Wir brauchten damals nur gutes WLAN, da Micha von Zuhause aus in seiner alten Firma arbeitete“, erzählt uns Julia. Sie selbst hat als Büroleiterin in einem Immobilienbüro und als Reiseleiterin bei TUI gearbeitet. Dass sie irgendwann auf Mallorca landen werden, wusste Julia, denn „Seitdem ich Micha kenne wollte er nach Mallorca ziehen und ein Lokal übernehmen. Für mich war einfach klar, es wird irgendwann so kommen.“
Und genau dieses Lokal haben sie Anfang 2020, kurz bevor weltweit die Corona-Krise für harte Lockdowns sorgte, in Cala Millor gefunden. Die Eröffnung sollte am 15. März 2020 sein – genau an dem Tag, an dem in ganz Spanien eine generelle Ausgangssperre verhängt wurde. „Punktlandung, würde ich sagen“, kommentiert Julia den damaligen Eröffnungstermin.

Das Lokal, das Julia und Micha in Cala Millor betreiben, ist das YOLO. „Ich sah im Facebook die Anzeige, das dass YOLO abgegeben wird. Als Gäste waren wir leider vorher nie dort.“ Trotzdem wollte Julia die Chance ergreifen. „Ich habe zu Micha gesagt, wir müssen uns das unbedingt ansehen gehen!“ Und so kam es dann auch. „Es war für uns perfekt. Genau wie wir uns es vorgestellt haben. Nicht zu groß und sehr hübsch und die Bewertungen sprachen auch für sich.“
Lange überlegen mussten die beiden nicht. „Nach der Besichtigung haben wir ca. drei Stunden überlegt und sofort zugeschlagen.“

Von da an ging alles ganz schnell. „Wir sprachen mit unserem Kumpel Alex, der schon viele Jahre als Koch auf Mallorca gearbeitet hat. Er sagte natürlich sofort zu. Am Valentinstag haben wir die Schlüssel bekommen und wir begannen mit Reinigungsarbeiten sowie Investitionen in die Küchengeräte und kauften neue Stühle für unsere Gäste. Wir hatten begonnen alles vorzubereiten und am 15. März war große Eröffnung mit Freibier, Freisekt und 40 Portionen Gulasch geplant.“ Doch statt Freibier und Gulasch gab es #quedateencasa (#bleibzuhause) und jede Menge Ungewissheit.

„Das Kühlhaus war komplett voll mit Obst, Gemüse, Fleisch usw… Dann wurden die Lockdownstimmen immer lauter und wir dachten nur ‚Oh nein, das darf nicht wahr sein.‘ Umso lauter die Stimmen wurden, umso weniger wurde unsere Hoffnung, dass alles wie geplant abläuft…“
Und die schwindende Hoffnung war berechtigt. „Wir hatten uns gewünscht wenigstens die Eröffnung zu haben denn wir hatten ja die 40 Portionen Gulasch für die Gäste vorbereitet und Freunde von uns aus Deutschland sind extra wegen der Eröffnung angereist… Am Ende mussten wir dann alles im Freundeskreis verteilen und einiges ist einfach im Müll gelandet. So viel konnte keiner Essen…“

Rein wirtschaftlich betrachtet, war das eigene Lokal bisher ein Reinfall. Mit Corona konnte keiner rechnen. Aber immerhin trägt sich das YOLO inzwischen. „Teilweise haben wir letztes Jahr die Entscheidung der Übernahme des YOLOs bereut, da wir seit der Übernahme kämpfen. Wir arbeiten kostendeckend und können alles, was das YOLO betrifft bezahlen, jedoch haben wir bis Stand heute noch keinen Cent verdient.“
Da kam sogar der Gedanke einfach aufzugeben. „Zwischenzeitlich haben wir versucht, das Yolo wieder abzugeben, da kein Ende in Sicht von Corona war.“ Doch Julia und Micha überlegten es sich anders. „So einfach komplett aufgeben kam für uns nicht infrage. Also verlängerten wir im Februar 2021 den Mietvertrag um ein weiteres Jahr.“

Traurig: „Durch weitere Umsatzeinbußen im November waren wir gezwungen das Personal zu entlassen. Wir überlegten, wie es weitergehen soll.“ Wenn man kein Personal mehr hat, muss man alles alleine bewältigen. Doch Julia stellte sich der Herausforderung. „Ich habe viel von unserem Koch gelernt und nun schwinge ich den Kochlöffel. Und was soll ich sagen, es passt perfekt!“
Micha ist glücklich im Service und Julia steht in der Küche. Aber auch ums Büro kümmert sie sich. „Ich bin Bürokauffrau und Diplom Betriebswirtin. Ganz klar, dass ich natürlich auch die vorbereitende Buchhaltung bei uns mache.“

Damit es für das YOLO weitergehen kann, braucht es für Julia nicht einmal viel. Klar, jeder wünscht sich eine richtige Saison, aber daran traut sich nach 15 harten Monaten Corona kaum einer zu glauben. Die Wünsche der beiden sind also sehr bescheiden. „Für dieses Jahr wünschen wir uns eine mindestens genauso laufende Saison wie letztes Jahr, denn dann hätten wir durch die Einsparung des Personals auch mal ein Gehalt und könnten unsere privaten Kosten decken.“
Nach der Übernahme des Lokals, der Einrichtung und der sehr kurzen und schwachen Saison 2020, muss auch langsam etwas geschehen, denn „auch unsere Ersparnisse von Michas Firmenverkauf gehen mal zu Ende“, verrät Julia zum Schluss.

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