Ina und Michael – Auswanderer helfen in der Krise

26 Mrz, 2021
Ein Artikel von: Kenny Deppe

Michael (links), Ina (zweite von links) und ihr Helfer-Team

In Paguera haben Ina und Michael ein Hilfsprojekt gestartet, das Familien auf der ganzen Insel hilft.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie greifen auf Mallorca immer weiter um sich. Mehr und mehr Familien stehen ohne Job da und können ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten. Aber auch die Hilfsbereitschaft wächst! Heute möchten wir euch Ina und Michael vorstellen, die in Paguera ein beeindruckendes Hilfsprojekt auf die Beine gestellt haben. Sie kümmern sich in erster Linie um Familien mit kleinen Kindern und Neugeborenen. Von Kleidung, über Babynahrung und Windeln, bis hin zu Wundsalben und Hygieneprodukten, verteilen sie alles, was die Familien brauchen. Dabei werden sie von ganz vielen Menschen aus dem Ort und Freunden und Bekannten unterstützt.

Für ihr Projekt konnten sie auch Katharina Schmidt vom Kartoffelhaus in Paguera begeistern. Als Ina sie fragte, ob sie das Kartoffelhaus für ihre Spendenaktion nutzen könnten, bekamen sie sofort grünes Licht. Hier befinden sich nun die Spenden und Hilfsgüter, die an die Familien verteilt werden müssen.

Michael erzählt mit hörbarem Engagement: „Wir versorgen Familien die Kinder haben, oder Neugeborene bekommen, dass sie Kleidung bekommen.“ Hierbei hat sich ein interessanter Kreislauf entwickelt. Wächst ein Kind aus der Kleidung heraus, bringen die Familien die Sachen zurück, so dass auch andere Kinder wieder etwas haben. „Das passiert von ganz alleine, ohne das wir was sagen.“

Was bei Kleidung geht, ist bei Nahrung und Hygieneprodukten natürlich nicht möglich. „Was ein großes Problem ist, ist Säuglingsernährung. Auch manchmal spezielle Ernährung, wenn die Kinder zum Beispiel Darmprobleme haben“, berichtet Michael. Weiter meint er: „Was auch ein großer Faktor geworden ist durch die Pandemie, dass Kinder die eigentlich schon trocken waren, wieder einnässen. Das ist psychologisch begründet, weil die den Stress nicht verarbeiten können. Die bekommen den Stress der Eltern natürlich mit.“ Daher gibt es vor allem Bedarf an einem: „Was wir brauchen sind Windeln und Hygieneartikel.“

Die meisten Hilfsbedürftigen kommen übrigens aus Palma! „Denen ist das peinlich, wenn sie in Palma zu einer Hilfsorganisation gehen und dort vielleicht erkannt werden. Deswegen kommen die dann eher zu uns“, erzählt Michael. „Wir haben auch eine Familie gehabt, die ist extra aus Port de Sóller gekommen. Das ist genau das Problem, die haben Angst erkannt zu werden. Das sind alles Geschäftsleute. Die kommen hierher, weil sie sich hier sicher fühlen.“

Da stellt sich uns natürlich die Frage, wie die Familien aus Sóller und Palma nach Paguera kommen. „Die Leute wissen, dass wir das immer samstags machen. Wir haben auch einen Fußballtrainer aus Calvià, der holt die Familien aus Palma. Der ist Trainer, ist engagiert im Fussicamp, der hat auch einen Job, aber der macht das.“
Anfangs fuhren Ina und Michael die Familien noch direkt an, aber das wurde mit der immer weiter wachsenden Zahl der Bedürftigen zu zeitintensiv. Ina erklärt uns: „Da haben wir gesagt, dass die Leute zu uns kommen sollen. Und das schaffen sie auch. Und wenn sie über 20 Ecken irgendwen kennen. Bis jetzt hat das wunderbar geklappt.“

Es wird aber nicht nur Unterstützung mit Sachspenden geleistet. Wenn es um Hilfe in rechtlichen Fragen geht, greifen Ina und Michael auf ihr Netzwerk zurück. Für Hilfe in Rechtsfragen werden die Familien an Anja Dauber vermittelt. „Die ist unsere Nummer 1, wenn es um rechtliche Fragen geht. Wir haben auch durch den sozialen Dienst ne super Unterstützung. Die sagen uns Bescheid wenn sie sehen, dass wir einspringen müssen. Und wir können Kontakt mit der Gemeinde aufnehmen, wenn wir meinen, dass da andere Hilfe benötigt wird, bei der Vereine nicht einspringen können.“

Auch wenn ihr Hilfsprojekt erst seit kurzem existiert, ist es inzwischen zu einer großen Organisation geworden, die immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb kümmert sich mittlerweile hauptsächlich Ina darum. Michael erklärt uns: „Ich habe irgendwann gemerkt, dass durch das viele Helfen die Umsatzzahlen zurückgegangen sind. Ich habe mich zu sehr aufs Helfen konzentriert, was ja kein Geld bringt. Das muss man ja ganz ehrlich sagen. Da haben wir gesagt ‚Okay, das trennen wir‘. Ina macht das jetzt komplett.“
Und Ina liebt ihre Aufgabe! „Es gibt nichts schöneres für mich, als das Leuchten der Kinderaugen zu sehen. Auch wie wir angefangen haben mit den Weihnachtsgeschenken, wo wir hingefahren sind und die Kinder am Spielen waren. Es gibt nichts schöneres“, erzählt sie. Michael ergänzt: „Man sieht auch bei den Kindern, wie ein Schalter umgelegt wird. Wenn sie merken ‚Oh, ich darf jetzt wieder lachen‘. Das geht einem auch nahe. Kinder müssen spielen. Die dürfen sich freuen, das ist so wichtig! Da merkt man auch wie wertvoll die Arbeit ist.“

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