Berlin – „Das Ende der Pandemie – Der Tag der Freiheit“

2 Aug, 2020
Ein Artikel von: Dagmar Grabsch

Je nachdem wen man fragt, forderten am 01. August in Berlin zwischen 17.000 und 1,3 Mio. Menschen das Ende aller Corona Auflagen.

Eine Demo spaltet die Nation und auch ich habe viele Meinungen gelesen, einige Freunde aus der Facebookliste gestrichen und mir ein oder zweimal vor den Kopf geklatscht, als ich die Meinungen zur Demo las. Dabei geht es mir gar nicht um die großen Zahlen auf der einen – und die Gruppierungen auf der anderen Seite. Mir geht es um die Menschen hinter den Zahlen. Sie reden von Eigenverantwortung, haben das Gefühl, die Politik würde ihnen diese absprechen. Aber was ist mit ihrer Verantwortung anderen gegenüber? Arbeitskollegen, Freunden, Familie, Patienten, Kunden?

Da demonstrierten neben Esotherikern und Träumern, Leugnern und „Aluhutträgern“ auch Leute wie du und ich. Da stand Klaus mit seiner Trillerpfeife neben Altenpflegerin Kerstin und trällerte sie an. Auch Kerstin trug natürlich keine Maske.
Da gab es Sprechchöre unter Beteiligung von Menschen, die heute bei Kaffee und Kuchen auf einer Familienfeier sitzen. Sie küssen Oma und Opa zur Begrüßung und tun dies mit dem gleichen Selbstverständnis, mit dem sie gestern in Berlin ohne Maske für ihre Rechte eingetreten sind.
Auch Altenpflegerin Kerstin hat heute Sonntagsdienst auf ihrer Station, kümmert sich liebevoll um ihre Patienten.
Gar nicht reden will ich von all denen, die von der Demo aus zeitnah ihren Urlaub antreten – und dann im Fall der Fälle behaupten können, „hab ich mir auf Malle geholt“.

Freiheit ist ein hohes Gut. Da bin ich bei den Menschen in Berlin. Um Freiheit zu wahren, muss man allerdings auch verantwortungsbewusst mit ihr umgehen. Es ist eure Entscheidung, zu demonstrieren. Allerdings könntet ihr euch auch – nur eine Minute – für die Belange all derer interessieren, die immer noch mit dem Lockdown kämpfen. Künstler, Schauspieler, Schausteller und Wirte zum Beispiel. All die habt ihr gestern vergessen – und wenn es blöd läuft, erneut um Wochen zurückgeworfen.

Hoffen wir, dass es gut gegangen ist…

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