Prominente gestehen: Öffentliches Aufwachsen verwirrend für das Leben!

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Von : Larissa Vogler

„In aller Öffentlichkeit erwachsen zu werden, war etwas verwirrend für unser Leben“

„Das Erwachsenwerden in der Öffentlichkeit war für unser Leben etwas verwirrend“

Die Musik der Schwestern Rebecca und Megan Lovell aus Nashville dreht sich um die Suche nach der eigenen Identität. Zusammen mit ihrer Band Larkin Poe, die bereits einen Grammy gewonnen hat, begeistern sie mit ihrem virtuosen Roots Rock nicht nur Fans, sondern auch prominente Persönlichkeiten wie den ehemaligen Beatle Ringo Starr.

Ursprünglich war geplant, dass das Interview mit Larkin Poe in ihrem Tonstudio stattfindet. Ein unerwarteter Wintereinbruch in Nashville machte dies jedoch unmöglich. Die beiden Schwestern, die nur wenige Autominuten voneinander entfernt wohnen, waren durch den starken Schneefall gezwungen, zu Hause zu bleiben und sich stattdessen über einen Videocall zu melden. Trotz der Umstände zeigten sie sich mit einem entspannten Lächeln, das erkennen ließ, dass ihre gute Laune ungetrübt blieb.

Larkin Poe wird derzeit als das führende Bluesrock-Duo der Welt angesehen. Noch nie zuvor gab es in der Geschichte dieses Musikgenres zwei Schwestern, die eine derartige musikalische Fähigkeit an den Tag legten. Die Songs, die sie unter ihrem eigenen Label Tricki Woo Records produzieren, beschreiben sie als amerikanischen Roots Rock ’n’ Roll. Aufgewachsen mit Bluegrass und Southern Rock, sind die Schwestern auch von Soul, Gospel, Folk und Classic Rock beeinflusst. Megan beeindruckt mit ihrer Virtuosität an der Lap-Steel-Gitarre und übernimmt den Harmoniegesang, während Rebecca die Akustik- und E-Gitarre spielt und die Lead-Stimme innehat. Die poetischen Texte der Lieder verfassen sie selbst. Am 24. Januar erscheint ihr neues Album „Bloom“, das in Zusammenarbeit mit Rebeccas Ehemann, dem Rockmusiker Tyler Bryant, entstanden ist und das sie als einen wichtigen Meilenstein auf ihrem kreativen Weg ansehen.

WELT: Wer von Ihnen ist derzeit die Glücklichere?

Megan Lovell: (lächelt) Das ist schwer zu sagen. Rebecca, was denkst du?

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Rebecca Lovell: (lächelt ebenfalls) Wir sind beide gleich glücklich. Mit „Bloom“ haben wir ein weiteres Kapitel unseres Lebens abgeschlossen, das Ergebnis harter und fokussierter Arbeit. Wir sind sehr gespannt auf die Reaktionen darauf und freuen uns darauf, ab dem 24. Januar wieder auf weltweite Tournee zu gehen, einschließlich drei Konzerten im Herbst in Deutschland, um die Menschen mit dem zu erfreuen, was wir am meisten lieben.

WELT: In Ihrem nun siebten Studioalbum haben Sie sich auf eine musikalische Reise begeben und eine Sammlung von Songs kreiert, die Selbstreflexion, das Streben nach Authentizität und eine tiefe Verbindung zu Ihren musikalischen Wurzeln widerspiegeln. Was hat Sie dabei angetrieben?

ML: Nachdem wir die 30 überschritten hatten, sprachen wir oft über Selbstreflexion, Selbstakzeptanz und die Wahrheit darüber, wer man wirklich ist. Gleichzeitig diskutierten wir darüber, wie man sich nicht zu sehr von äußeren Erwartungen beeinflussen lässt und Zufriedenheit am eigenen Standort findet. Diese Themen ließen uns nicht los, sodass wir uns intensiv mit der Selbstfindung auseinandersetzten. Wir beschlossen, wenn wir darüber Songs schreiben, dann müssen diese absolut ehrlich sein – genau so, wie wir uns fühlen. Nur so können wir eine echte Verbindung mit den Menschen herstellen.

WELT: Ihr Ziel war es also auch, sich im Trubel des Alltags zu finden und Ihre Fehler und Eigenheiten, die Sie ausmachen, voll und ganz zu akzeptieren. Ist Ihnen das gelungen?

RL: Ich bin sehr stolz auf die Verletzlichkeit und Ehrlichkeit, die wir mit den Songs ausdrücken konnten. Es brauchte viel Mut, sich der Welt so offen zu zeigen. Aber genau das wollten wir, weil nur so eine besondere Verbindung zwischen den Menschen entstehen kann. Und das ist es, was Megan und ich immer suchen.

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ML: Wenn wir auf Tour sind, Songs schreiben oder Alben produzieren, wollen wir diese Verbindung von Mensch zu Mensch herstellen. Das ist der Grund, warum wir Musik machen. Das ist unser Hauptanliegen. Und dafür ist die Kunst da. Ich glaube, dass wir das mit „Bloom“ erreicht haben.

WELT: Symbolisiert der Albumtitel „Bloom“ also Ihren erfolgreichen Selbstfindungsprozess?

ML: Ja, alles fühlt sich richtig an. Mit dem Körper, der uns gegeben wurde, bewohnen wir jetzt voll und ganz diese Erde.

RL: Es fühlt sich an, als hätten wir einen langen Weg zurückgelegt, der uns dorthin geführt hat, wo wir jetzt stehen. Wir fühlen uns ein wenig wie Spätzünder, sind jetzt aber im Einklang mit uns selbst und unseren Persönlichkeiten, sowohl als Menschen als auch als Musikerinnen.

WELT: Warum war dieser Prozess für Sie problematisch? Von außen betrachtet schien Ihr Leben in bester Ordnung zu sein. Sie erklommen die Erfolgsleiter ohne Skandale, werden respektvoll als die „kleinen Schwestern der Allman Brothers“ bezeichnet, und das Publikum liegt Ihnen zu Füßen. Sie werden nicht nur als Künstlerinnen verehrt.

RL: Der zusätzliche Druck, dabei beobachtet zu werden, wie man sich künstlerisch entwickelt und in aller Öffentlichkeit erwachsen wird, war ein verwirrender Umstand für unser Leben. Wir haben immer extrem hohe Erwartungen an uns selbst. Unser Ziel ist es, fantastische Musik zu machen und unseren Fans großartige Shows zu bieten. Auf dieser Reise waren wir immer kompromisslos zu uns selbst. Oft kam dann auch die Verwirrung dazu, dass man versucht, so zu sein, wie die Leute einen haben wollen, oder so zu sein, wie man glaubt, dass die Leute einen sehen wollen. Aber das führt nur zu einer weiteren Ebene der Verwirrung. Es gibt so viele gesellschaftliche Zwänge und Normen, die auf Menschen ausgeübt werden, und die es einem nicht leicht machen, zu verstehen, wer man selbst ist. Das Schreiben der Songs für „Bloom“ nach tiefgründigen Gesprächen ermöglichte es uns, Selbstakzeptanz und Selbstliebe zu finden.

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ML: Rebecca spricht mir aus dem Herzen. Ich fühle wie sie, weil wir in vielem seelenverwandt sind.

Zur Band:

Die Geschichte der US-Roots-Rockband begann mit den Lovell Sisters, einem Akustik-Trio aus Calhoun/Georgia. Gegründet haben es die Geschwister Megan, 35, Rebecca, 33, und Jessica, 37. Als Kinder erhielten sie Violin- und Klavierunterricht. Sie waren Mitglieder im Jugendorchester und sangen im Kirchenchor. Nach der Veröffentlichung von zwei Alben im Eigenverlag löste sich das Trio 2010 auf. Im selben Jahr formierten sich Rebecca und Megan, die in Nashville leben, als Larkin Poe neu. Ihr Bandname geht auf ihren Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater zurück, einen Cousin von Edgar Allan Poe. Im Jahr 2013 unterschrieben sie ihren ersten Plattenvertrag. Für ihr sechstes Studioalbum „Blood Harmony“ wurden sie im Vorjahr mit dem Grammy für das beste zeitgenössische Blues-Album ausgezeichnet. Rebecca ist seit Oktober 2019 mit dem Rocksänger und Gitarristen Tyler Bryant verheiratet.

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