Die Renaissance der Wohnküche
Der Innenarchitekt Fabian Freytag betont, dass die Küche harmonisch in das Gesamtdesign der Wohnung integriert werden sollte. Er setzt sich für die Wiederbelebung der traditionellen Wohnküche ein – als eigenständiges Zimmer statt eines offenen Kochbereichs, der ins Wohnzimmer übergeht.
Mein Name ist Fabian Freytag, und ich bin seit zwei Jahrzehnten als Architekt tätig. In dieser Kolumne möchte ich Ihnen die Faszination von gutem Interiordesign näherbringen, die Geschichten dahinter erzählen und erfolgreiche Umsetzungen aufzeigen.
Ich finde viele Innenräume uninspiriert und langweilig. Mein Ziel ist es, das zu ändern. Dabei spielt sowohl das ästhetische als auch das finanzielle Element eine Rolle, denn gutes Design zahlt sich aus.
Willkommen zur fünften Folge meines „Behind the Scenes“-Tagebuchs der Innenarchitektur.
Küchen – das neue Herz des Hauses
Ich habe kürzlich Cornwall besucht – sehr empfehlenswert. In der Nebensaison ist es dort ruhig, mit beschränkter Auswahl an Restaurants und Läden, doch die englische Küche hat es mir angetan. Sunday Roast, Mr. Whippy (Softice), Scones mit Clotted Cream – alles, was aus dem Ofen kommt, schmeckt großartig.
In der „englischen Riviera“ gibt es viele Burgen, Landsitze und Herrenhäuser zu entdecken. Besonders beeindruckend fand ich das Lanhydrock House in Bodmin. Ursprünglich ein klösterlicher Bauernhof, wurde es zum Landsitz der Familie Robartes. Ein Großbrand am 4. April 1881 führte zu einem Wiederaufbau im viktorianischen Stil. Der Brand begann durch einen nicht isolierten Balken im Küchentrakt.
Die Innenarchitektur beeindruckte mich durch ihre Lebensfreude und Opulenz. Interessant ist, dass mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts eine Rückbesinnung auf handwerkliches Können stattfand, als Reaktion auf die Angst vor neuen Maschinen.
Ich musste schmunzeln, als ich das las. Befinden wir uns nicht wieder in einer ähnlichen Situation? Die künstliche Intelligenz übernimmt immer mehr Bereiche unseres Lebens, und wir versuchen, unser Zuhause so gemütlich wie möglich zu gestalten.
Zurück zur Küche: Das Küchenensemble im Lanhydrock House ist die beeindruckendste Großküche, die ich je gesehen habe. Für jede Zutat und jede Zubereitungsart gab es einen eigenen Bereich, voller kreativer und technischer Lösungen. Das Besondere: Das Haus ging nahtlos aus dem Familienbesitz in den National Trust über, sodass man durch eine Momentaufnahme der Vergangenheit wandelt, voller Patina und Gebrauchsspuren, die das Leben dort widerspiegeln. Und es zeigt sich: Qualität lohnt sich. Jedes Detail ist funktional, langlebige Materialien und gutes Design prägen das Bild.
Was bedeutet gute Gestaltung bei der Küche? Die Zeiten, in denen man sich einen kubistischen Koloss in die Wohnung stellt, sind vorbei. Die Küche muss Teil des Gesamtkonzepts sein. Ich beobachte, dass es offensichtlich gelungen ist, viele Menschen davon zu überzeugen, viel in ihre Küchen zu investieren – sei es Zeit oder Geld, unabhängig davon, ob tatsächlich gekocht wird oder nicht.
Das Problem mit minimalistischen Küchen ist, dass sie das Kochen nicht gut vertragen. Sobald das erste Gemüse geschnitten wird, herrscht Chaos, und die Designaltäre verlieren ihren Reiz.
Mein Tipp: Eine Küche vom Tischler. Es gibt viele Vorteile, aber der wichtigste ist, dass die Küche perfekt in den Raum passt. Ohne Lücken, ohne Kompromisse. Ein motivierter Tischler kann Wunder bewirken, oft zum gleichen Preis wie eine Standardküche. Natürlich steht auch der Interiordesigner zur Verfügung.
Ein neuer Trend ist die Rückkehr der Küche als eigenständiger Raum, manchmal mit einem Esstisch, was ich großartig finde. Sie trennt sich vom Wohnzimmer und wird kleingliedriger. Dies mag an Corona, Videocalls, Essensgerüchen oder dem Wunsch nach einer Trennung zwischen Privatem und Öffentlichem in der Wohnung liegen. (Spielen wir nicht alle ein bisschen Hotel?)
Ich begrüße diese Entwicklung. Eine Küche, am besten mit einer Insel und einem kleinen Nebenbereich (einer sogenannten „Backkitchen“), in dem man schnell die Teller verschwinden lassen kann oder ein Snickers frittieren kann. Die Küche mit Essplatz erlebt eine Renaissance. Sie war lange Zeit entweder rein funktional oder nur repräsentativ gefangen. Jetzt wird sie endlich wieder benutzt.
Ein Wort noch zur Nutzung: Denken Sie an Hochschränke! Alle Geräte sollten vom Boden weg und auf Augenhöhe sein: der Backofen, der Kühlschrank, der Geschirrspüler. Das erleichtert das Leben und sorgt für eine ergonomische Küchenarbeit.
Sagen Sie ja zu Naturstein. Sagen Sie ja zu Flecken. Ich habe seit einigen Jahren eine Arbeitsplatte aus Marmor in Orient Rosé – sie wird mit jeder Kochaktion schöner und erinnert mich mehr und mehr an eine Theke in einer Mailänder Bar.
Wichtig ist auch, dass sich die Küche ins gestalterische Konzept der gesamten Wohnung einfügt – Materialien, Farben und Oberflächen sollten sich mindestens doppeln, damit eine lesbare Logik entsteht. Und noch wichtiger: Die Küche darf richtig eingerichtet werden. Tischleuchten, Kunst an den Wänden, Bänke, Sideboards. Überlegen Sie, ob wirklich alles ein Küchenmöbel sein muss – oder ob es nicht auch eine Vitrine aus den 70ern sein kann.
Allgemein gilt:
Keine Schubladen-Kaskaden – man sollte nicht mehrere Schubladen aufmachen müssen, um an eine einzige zu gelangen.
Finger weg von zu vielen Küchengeräten – eigentlich kommen wir doch mit einem Kochfeld, einem Backofen und einem Kühlschrank bestens klar. Wer hat diesen absurden Trend mit den Heißluftfritteusen losgetreten? Moderne Öfen haben auch eine Umluftfunktion!
Investieren Sie lieber in eine schöne Siebträgermaschine – ohne digitalen Schnickschnack. Sie ist ein wirklich guter Freund in jeder Lebenslage. Auch optisch.
Und bitte, bitte: Wenn der Platz es erlaubt, denken Sie an eine Hausbar! Der gute Drink beim Kochen ist genauso wichtig wie die guten Zutaten. Wenn die Welt schon in Trümmern liegt, sollten wir doch wenigstens gut essen und gut trinken.
Freytags Fünf für eine wirklich gute Küche:
1. Küche als Teil des Gesamtkonzepts
Ihre Küche sollte sich nahtlos in die Gestaltung Ihrer Wohnung einfügen – gleiche Materialien, Farben und Oberflächen sorgen für eine logische und harmonische Einheit. Sie darf auch wohnlich sein: Kunst an den Wänden, Tischleuchten und Möbel, die nicht aus dem Küchenstudio stammen.
2. Tischlerküche statt Standardlösung
Eine maßgefertigte Küche vom Tischler passt sich perfekt dem Raum an – keine Lücken, keine Kompromisse, kein Plastik. Das kostet nicht mehr als eine Standardküche, sieht aber zehnmal besser aus und hält ewig.
3. Rückkehr zur echten Wohnküche
Die Küche wird wieder ein separater Raum – nicht mehr nur eine offene Designfläche zum Wohnzimmer. Eine Kochinsel mit zusätzlichem Bereich für das Chaos (eine sogenannte „Backkitchen“) sorgt für echten Komfort.
4. Geräte auf Augenhöhe & ehrliche Materialien
Hochschränke sind Gold wert: Backofen, Kühlschrank und Geschirrspüler sollten nicht mehr in Bodennähe sein. Und: Naturstein wie Marmor altert wunderschön, also keine Angst vor Patina – Flecken erzählen Geschichten.
5. Genuss gehört dazu: Hausbar einplanen
Ein guter Drink ist beim Kochen genauso wichtig wie gute Zutaten. Also: Platz für eine Hausbar schaffen – es gibt keinen Grund, auf Stil und Vergnügen zu verzichten.
Fabian Freytag ist ein mehrfach ausgezeichneter Interiordesigner und Architekt aus Berlin.
Fabian Freytag
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
