Sexuelle Vorlieben enthüllt: Sie genießt es wirklich, gut für sie!

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Von : Larissa Vogler

„Sie mag Sex in Wahrheit echt gern – gut für sie!“

„Offensichtlich genießt sie Sex wirklich – gut für sie!“

In den USA wird heftig darüber debattiert, welche Auswirkungen das Urteil im Prozess gegen Sean „Diddy“ Combs speziell für Männer hat. Die „Manosphere“, eine Bewegung mit stark antifeministischen Ansichten, fühlt sich dadurch möglicherweise gestärkt.

Als Sean „Diddy“ Combs sich in dieser Woche zum Urteilsspruch im Federal District Court in Lower Manhattan einfand, griff er nach Gottes Wort. Psalm 11 und Psalm 91 lagen aufgeschlagen vor ihm. „Denn der Herr ist gerecht und liebt Gerechtigkeit; die Frommen werden sein Antlitz schauen“, heißt es dort. „Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“  

Gottes Geleit, so mag Sean Combs am Ende seines achtwöchigen Prozesses denken, hat ihn vor einem harten Urteil geschützt. Tatsächlich bewahrte ihn sein hochkarätiges Juristenteam vor einer möglichen jahrzehntelangen Haftstrafe – und die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft die Jury nicht überzeugen konnte, den Angeklagten wegen der drei schwerwiegenden der fünf Vorwürfe zu verurteilen.

Die Jury befand den 55-jährigen Rap-Superstar am Mittwoch deshalb nur in zwei Fällen schuldig. Statt lebenslang drohen ihm nun möglicherweise nur zwei bis drei Jahre Gefängnis, von denen er bereits zehn Monate abgesessen hat. Die Verkündung des Strafmaßes wird für Anfang Oktober erwartet. 

Der Prozess in Downtown Manhattan hielt die Nation seit Anfang Mai in Atem. Im Zentrum stand die Frage, ob Combs wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Menschenhandels verurteilt werden kann. Zugleich mündeten die tagelangen Befragungen der beiden Zeuginnen, Ex-Freundinnen des Musikers, unvermeidlich in einer neu entfachten Debatte über „MeToo“ und die „Manosphere“, einer Bewegung von Männern, die ein regressives Verständnis von Maskulinität propagieren und zum Teil extrem frauenfeindliche Positionen vertreten. 

Sind die Frauen selbst schuld, wenn sie bei den extremen sexuellen Eskapaden eines steinreichen Mannes mitmachen, statt auszusteigen? Wo hört Sex im gegenseitigen Einvernehmen auf, und wo beginnt Nötigung? Reichen die rechtlichen Möglichkeiten aus, damit sich missbrauchte Frauen wehren können? Und fühlt sich eine wachsende Zahl von „Manosphere“-Männern durch den teilweisen Freispruch für Combs bestätigt, dass man mit Frauen machen kann, was man will?

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Färben ist im Gefängnis nicht gestattet

US-Sender, Zeitungen, aber auch Influencer und Fans hatten sich über acht Wochen im Morgengrauen vor dem Gerichtsgebäude eingefunden, um einen Platz im Saal zu bekommen. Von drinnen gab es weder Fernsehaufnahmen noch Fotos. Lediglich eine Gerichtszeichnerin hielt fest, wie der seit September inhaftierte Angeklagte aussieht. Eine Veränderung erstaunte Fans wie Medien. Combs einst pechschwarzes Haar ist nunmehr weißgrau. Färben ist im Gefängnis nicht gestattet. 

Seine Verteidigung machte aus der sichtbaren Alterung ihres Mandanten eine Tugend. Vor Gericht kleidete sich Combs auffallend schlicht in Sweatshirts und Jogginghosen. Psychologen mutmaßten in Interviews, dass er damit eine Nähe erzeugen wollte zu den zwölf Jurymitgliedern, von denen die Mehrzahl in seinem Alter oder älter war.

Auch seine fünf Kinder tauchten regelmäßig im Gerichtssaal auf und formten mit den Händen Herzen, wenn ihr Vater sich zu ihnen umdrehte. Einer seiner Söhne veröffentlichte kurz vor Urteilsverkündung gar einen Song. Titel: „Diddy Free“. Produzent: Kanye West, berüchtigt für seine antisemitischen Ausfälle und seine Verehrung für Donald Trump. 

Exzessive Partys und Gewaltausbrüche

Vom weltberühmten, knallharten Multimillionär im weißen Seidenanzug, behangen mit diamantenen Klunkern, sollte vor Gericht nichts zu sehen sein. Offenbar wollte Combs die Erinnerung an die Musikikone vergessen machen, die seit Ende der 90er-Jahre die globale Rap- und Hip-Hop-Szene beeinflusste. Und damit die Erinnerung an seinen exzessiven Lebensstil, seine legendären „White Parties“, zu deren Gästen Donald Trump und Leonardo DiCaprio gehörten. 

Nicht vergessen machen konnte Combs die Exzesse, wegen derer er vor Gericht stand. Vier Tage lang sagte seine Ex-Freundin aus, die Sängerin Cassie Ventura. Hochschwanger mit ihrem dritten Kind gab die 38-Jährige Details ihrer Beziehung preis. Sie lernte Combs als 19-Jährige kennen, elf Jahre sollte ihre Beziehung dauern. Ventura startete in dieser Zeit ihre eigene Karriere. In Combs Umfeld zu leben, gab ihr einen idealen Zugang zur Musikwelt – und machte sie zugleich abhängig von ihrem mächtigen Rapperfreund.

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Mit der Zeit verlangte Combs immer exzessivere sexuelle Dinge von ihr, die sie „Freak-offs“ (Ausflippereien) nannten. Er bestellte männliche Escorts in Hotels und schaute seiner Freundin zu, wie andere Männer Sex mit ihr hatten und in ihren Mund urinierten. Combs brachte Ventura auch dazu, Ecstasy und Ketamin zu nehmen. Und er wurde immer häufiger gewalttätig.  

Nach der Trennung 2018 reichte Ventura 2023 Zivilklage gegen ihren Ex ein. Schon am nächsten Tag gab es eine außergerichtliche Einigung. Doch dann wurde CNN ein Video aus dem Jahr 2016 zugespielt. Es zeigt, wie Ventura sich nach einem „Freak-off“ aus einem Hotelzimmer in Los Angeles schleicht. Combs stürmt hinter ihr her, schlägt sie zu Boden, tritt nach ihr und schleift sie dann über den Flur zurück Richtung Zimmer. Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen, die Combs dem Hotel für 50.000 US-Dollar abzukaufen versucht hatte, erhob die New Yorker Staatsanwaltschaft Anklage. 

Es sei sein „Lifestyle“ gewesen, Sexpartys zu feiern

Die zweite Zeugin, die unter dem Pseudonym Jane aussagte, war bis 2023 mit Combs zusammen und ebenfalls Teil der Sexorgien. Vor Gericht sagte sie aus, dass sie keinen Sex mit anderen Männern haben wollte. Als sie sich einmal verweigerte, würgte Combs sie, schlug ihr ins Gesicht und sagte: „Du wirst mir nicht meinen Abend ruinieren!“ Wie Ventura war sie finanziell abhängig von Combs. Zudem drohte er den Frauen, die Videos der Sex-Marathons zu veröffentlichen. 

Das Anwaltsteam des Angeklagten ging mit einer glasklaren Strategie in die Verhandlung. Ja, ihr Mandant sei gewalttätig. Er erkenne das an und habe schon vor langer Zeit Reue an den Tag gelegt. Es sei sein „Lifestyle“ gewesen, Sexpartys zu feiern, Drogen zu nehmen, und es habe ihn erregt, seine Freundinnen mit anderen Männern zu sehen. 

Marc Agnifilo, der das Schlussplädoyer für die Verteidigung hielt, machte sich regelrecht lustig über die Beweisführung der Staatsanwaltschaft. „Gott sei gedankt für das Spezialeinsatzkommando! Sie fanden das Astroglide, sie fanden das Babyöl“, kommentierte er Beweisstücke. Mehr als tausend Flaschen Babyöl und Gleitmittel hatten die Ermittler bei Durchsuchungen sichergestellt. Niemand habe Ventura zu den „Freak-offs“ gezwungen, sie habe Combs in Textnachrichten diese sogar vorgeschlagen. „Sie ist eine Frau, die Sex in Wahrheit echt gern mag – gut für sie!“ 

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Amerika fragt sich nun, was dieses Urteil bedeutet – für die Männer. „Die Popkultur liebt Märtyrer; sie liebt Comeback-Geschichten; einfach formuliert: Sie liebt Männer. In unserer aktuellen Ära der ,Broligarchie‘ kehren viele Männer, die während der #MeToo-Bewegung kulturell gemieden wurden, in den Vordergrund zurück und werden als rächende Außenseiter gefeiert“, schreibt das Magazin „The Atlantic“. 

Und für die Frauen. „Es gibt definitiv Teile der Gesellschaft, in denen alltägliche Gewalt gegen Frauen immer normaler wird. Die frauenfeindliche Ideologie der ,Manosphere‘ war einst eine Randbewegung im Internet“, sagt Mariel Barnes, die an der University of Wisconsin zu Gewalt in intimen Beziehungen forscht. Doch diese Ideen seien zunehmend zum Mainstream geworden. „Was sich in der entmenschlichenden Sprache gegenüber Frauen und der zunehmenden Belästigung und Gewalt, der sie ausgesetzt sind, zeigt.“ 

Der Prozess gegen Combs beweise, dass Frauen in Missbrauchsbeziehungen häufig beschuldigt würden, statt Unterstützung zu finden. Und „Opferbeschuldigung wie im Combs-Prozess ist auch für andere Frauen schädlich, die möglicherweise daran denken, ihre eigene Situation aufzugeben, weil sie sehen, wie andere Opfer schikaniert und beschuldigt werden.“  

Die Staatsanwaltschaft in New York gab nach dem aus ihrer Sicht enttäuschenden Urteil am Mittwoch ein vielsagendes Statement heraus. „Sexualverbrechen hinterlassen tiefe Narben bei den Opfern, und die beunruhigende Realität ist, dass Sexualverbrechen in vielen Bereichen unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind. Opfer erleiden herzzerreißende körperliche und seelische Misshandlungen, die zu bleibenden Traumata führen“, hieß es in der Mitteilung. „Die New Yorker und alle Amerikaner wollen, dass dieses Übel beendet und die Täter vor Gericht gestellt werden.“

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