Perfektion war gestern: Jetzt zählt das Ungeschönte als Stilmittel!

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Von : Larissa Vogler

Wo früher Perfektion glänzte, gilt heute das Ungeschönte als Stilmittel

Wo einst Perfektion dominierte, wird nun das Unverfälschte zelebriert

Die Ära der makellosen Inszenierungen auf Instagram weicht einer neuen, rauen Bildsprache, die als Reaktion auf den lange vorherrschenden Hochglanzstil aufkommt. Die Plattform rückt von der Perfektion ab und besinnt sich auf die Nähe, die sie einst auszeichnete. Bedeutet dies eine Rückkehr zu den Ursprüngen von Instagram?

Instagram startete im Jahr 2010 als ein Ort der Intimität unter Freunden, ein Platz, wo man auch ohne physische Nähe durch Bilder Verbindungen pflegen konnte. Ein spontanes Selfie oder ein Foto aus dem eigenen Garten wurden unkompliziert geteilt. Um die Gemütlichkeit zu verstärken, wurde oft ein Sepia-Filter verwendet, der mit seinem warmen Ton die Härten des Alltags milderte.

Als Instagram jedoch an Popularität gewann und sich auch als Plattform für Geschäftszwecke etablierte, verschwand die ursprüngliche Gemütlichkeit. Ein elitärer Snobismus setzte ein, der kein Erbarmen mit denen hatte, die sich noch an gemütliche Filter und unpassende Hashtags klammerten. Mitte der 2010er Jahre übernahmen Marketingagenturen und Influencer die Oberhand. Sie prägten einen Stil, der sich durch Hochglanz, Markenpräsentation und Selbstoptimierung auszeichnete und in seiner visuellen Perfektion eher an professionelle Netzwerke wie LinkedIn erinnerte.

Die Bildsprache wurde zunehmend professioneller und erinnerte an das Ambiente eines teuren Cafés in Berlin-Mitte, geprägt von glänzenden Oberflächen und einem Blendwerk des Erfolgs, das niemals alltägliche Blumenbilder zuließ. Die Persönlichkeit hinter der perfektionierten Fassade war nicht mehr greifbar.

Doch jetzt erlebt der Hochglanz eine bewusste „Verschmutzung“. Instagram und seine Nutzer kehren schrittweise zu ihren Wurzeln zurück. Auf der Plattform ist vermehrt die „OG“-Ästhetik zu beobachten, die den Charme der Anfangstage von Instagram wieder aufleben lässt.

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Ein Beispiel dafür ist Addison Rae, eine weltbekannte Influencerin und Musikerin, die im Juli unscharfe Blumenbilder ohne jegliche Inszenierung postete. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der allgemeinen Entwicklung der Plattform wider, wo „Casual Posting“, „Photo Dumps“ und die sogenannte „Low-Effort-Aesthetic“ zunehmend als neue Norm gelten. Selbst der Chef von Instagram, Adam Mosseri, betont, dass man den Fokus wieder mehr auf Freundschaften und private Verbindungen legen möchte.

Auch Justin Bieber teilte unbearbeitete Videos von sich auf einem Schwimmring in einem Tümpel und postete diese mehrere Tage hintereinander mit nur minimalen Unterschieden. Ebenso teilte er Selfies im unrasierten Zustand und schlecht gerahmte Bilder seiner lilafarbenen Schuhe. Warum noch den eigenen Feed kuratieren, wenn der Algorithmus auch Alltägliches belohnt? Instagram scheint den Weg zurück zu einem Netzwerk für Freunde zu suchen.

Die Achtlosigkeit wird zur Pose und passt in einen Sommer, der von einer allgemeinen Lustlosigkeit geprägt ist, sich in künstliche Performanz zu verstricken. Die großen, mitreißenden Kulturerzählungen blieben aus. Stattdessen wenden sich junge Menschen wieder den kleinen Alltagsmomenten zu, die Spontanität und echte Begegnungen versprechen, wie verschiedene Studien zeigen.

Dieses Thema wurde auch im WELT-Podcast „hyped“ behandelt.

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