Eine aktuelle Auswertung aus dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung verändert die Debatte um familiäre Betreuung: Demnach steht die regelmäßige Betreuung durch Großeltern offenbar in Zusammenhang mit einer leicht schlechteren Einschätzung der Kindergesundheit. Das Thema ist brisant, weil viele Familien weiterhin stark auf die Unterstützung von Oma und Opa angewiesen sind — und die Studie damit unmittelbare Folgen für Alltag und Planung hat.
Was die Studie konkret feststellt
Die Forschenden werteten Befragungen von Eltern zur mentalen und physischen Verfassung ihrer Kinder aus. Insgesamt lag die durchschnittliche Bewertung auf einer Skala von 1 bis 5 bei rund 4,4; Kinder, die regelmäßig von Großeltern betreut werden, wurden im Mittel mit etwa 4,16 bewertet. Statistisch ist das ein signifikanter, wenn auch kleiner Unterschied.
Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Grundschulkindern und stärker bei Jungen als bei Mädchen. Eine der Autorinnen, Petra Ziege, hält die Analyse für ausreichend, um von einem kausalen Zusammenhang zu sprechen — eine Einschätzung, die die Studienautorinnen öffentlich vertreten.
Mögliche Ursachen
Die Autorinnen nennen mehrere Mechanismen, die den Befund erklären könnten. Drei Punkte fallen besonders ins Gewicht:
- Lockerere Regeln bei der Bildschirmzeit: Großeltern neigen demnach dazu, entspannter mit Fernsehen, Smartphone und Tablet umzugehen.
- Weniger ganztägige Betreuung in Kita und Schule: Kinder, die häufiger bei Oma und Opa sind, verbringen seltener ganze Tage in institutionellen Angeboten, wo mehr Bewegung und organisierte Aktivitäten stattfinden.
- Wechselnde Bezugspersonen und Strukturdefizite: Mehrere Betreuungspersonen können im Alltag zu Instabilität führen — ein Faktor, der sich negativ auf Psyche und Verhalten auswirken kann.
Hinzu kommt, dass dieser Effekt eher bei jüngeren Großeltern auftritt, die oft noch im Erwerbsleben stehen und deshalb weniger Zeit für durchgängig betreuungsintensive Angebote haben.
Was Familien jetzt beachten können
Die Ergebnisse bedeuten nicht automatisch, dass Großeltern für Kinder schädlich sind — sie weisen auf mögliche Risiken hin, die sich aber steuern lassen. Praktische Maßnahmen, die Familien berücksichtigen sollten:
- Klare Absprachen zwischen Eltern und Großeltern zu Tagesablauf und Regeln
- Konkrete Vereinbarungen zur Bildschirmzeit und zu Schlaf- und Essenszeiten
- Gezielte Förderung von Bewegung: regelmäßige Außenspielzeiten und Aktivitäten
- Routinen schaffen, um Wechsel zwischen Betreuenden zu stabilisieren
- Wenn möglich, Großeltern in pädagogische Angebote einbinden oder kurze Trainings anbieten
- Alternativen abwägen: Ergänzende Betreuungsangebote oder Kita-Tage prüfen
Methodische Einordnung
Wichtig für die Einordnung: Die Studie basiert auf elterlichen Einschätzungen, nicht auf ärztlichen Befunden oder objektiven Gesundheitsmetriken. Solche subjektiven Daten können Verzerrungen enthalten — etwa durch die Wahrnehmung der Eltern oder unterschiedliche Erwartungen an Kinder. Die Autorinnen sehen dennoch Hinweise auf einen ursächlichen Effekt, fordern aber zugleich weiterführende Untersuchungen mit anderen Datenquellen.
Positiv zu vermerken ist, dass die Betreuung durch Großeltern auch Vorteile hat: Vor allem Mütter berichten in der Untersuchung von mehr Zufriedenheit mit Freizeit und Karriere, weil Großeltern Entlastung bringen. Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen den unmittelbaren Entlastungseffekten für Eltern und möglichen negativen Folgen für die Kinder.
Kurzfristig sollten Familien das Ergebnis als Anlass nehmen, Betreuungsregeln bewusst zu gestalten und regelmäßige Absprachen zu etablieren. Auf politischer Ebene verweist die Studie darauf, wie wichtig verlässliche und qualitativ hochwertige Betreuungsangebote sind — gerade dort, wo familiäre Hilfe allein nicht alle Risiken auffängt.
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Johanna Feldner ist Paartherapeutin und bietet praktische Ratschläge, um Beziehungen stark und harmonisch zu halten. Sie glaubt, dass Kommunikation der Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft ist.
