Fuchs verbindet: wahre Freundschaft zwischen Mensch und Tier im Krieg

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Von : Jonas Reichert

Der Fuchs

                    Nach einer wahren Geschichte: Eine tierische Freundschaft in Zeiten des Krieges

Adrian Goigingers Kinodrama über eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem Soldaten und einem Fuchswelpen läuft am Pfingstsonntag im Ersten – und trifft damit auf ein Publikum, das nach neuen Zugängen zu Themen wie Verlust, Nähe und Menschlichkeit in Kriegszeiten sucht. Der Film basiert auf den Erinnerungen von Goigingers Urgroßvater und erzählt, wie ein wildes Tier einem gebrochenen Leben Halt gibt.

Aus dem Familienalbum auf die Leinwand

Geboren 1917, wuchs Franz in einer großen Bauernfamilie auf, bevor ihn frühe Enttäuschungen prägten. In Goigingers Film steht diese biografische Figur im Zentrum: Ein junger Mann, dem Kindesjahre Entbehrungen bescherten, findet kaum Halt bei Menschen – bis ihn ein kleiner Fuchs begleitet.

Die Regiearbeit ist kein fiktionales Kammerspiel, sondern beruht auf den Erzählungen des echten Franz Streitberger, der seine Erlebnisse an die Nachkommen weitergab und 2017 im hohen Alter verstarb. Für Goiginger war das Familienmaterial lange eine treibende Kraft: Die Beziehung zwischen Mensch und Tier wurde für ihn schon in der Jugend zu einer konkreten Filmidee.

Krieg, Nähe und Alltag – eine stille Erzählung

Im Jahr 1940 wird der Protagonist als Kurier an die Westfront eingezogen. Kurz vor dem Abmarsch entdeckt er im Wald einen verwaisten Fuchswelpen, pflegt ihn gesund und trägt das Tier fortan – heimlich und gegen alle Widerstände – durch den Kriegsalltag. Die gemeinsame Zeit, nur wenige Monate, verändert seine Perspektive: Was zunächst wie ein persönlicher Trost erscheint, erhält für ihn existenzielle Bedeutung.

Der Film verzichtet weitgehend auf pathetische Gesten. Stattdessen setzt Goiginger auf behutsame Beobachtungen: kleine Rituale, verweilende Kamerafahrten, das Verhältnis von Mensch und Natur als Gegenpol zur Brutalität des Krieges. So bleibt die Geschichte berührend, ohne in Überzeichnung zu verfallen.

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Dreharbeiten mit echten Füchsen

Die Rolle des Soldaten übernahm Simon Morzé. Zur Vorbereitung arbeitete er intensiv mit den Tieren: Mehrere Wochen Trainingszeit und viel Nähe sollten Hemmungen abbauen, damit die Szenen glaubwürdig wirken. Für die Produktion wurden zwei ausgewachsene Füchse und vier Welpen eingesetzt; die Dreharbeiten mussten sich immer wieder nach dem Verhalten der Tiere richten.

Wildtiere bleiben unberechenbar – das bedeutete Verzögerungen und improvisatorische Lösungen am Set. Gleichzeitig brachte gerade diese Unmittelbarkeit dem Film eine eigene Authentizität.

Die Kombination aus sorgfältiger Schauspielarbeit und dem Einsatz echter Tiere trug sich auch in der Auszeichnungsliste nieder: Morzé erhielt unter anderem den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller und wurde beim Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller geehrt. Der Film selbst gewann 2024 den Deutschen Filmpreis in Silber und wurde zuvor mit der Romy ausgezeichnet; zudem gab es mehrere Nominierungen beim österreichischen Filmpreis.

Goiginger setzt damit seine Linie fort: Schon sein Debüt und der Nachfolger behandelten persönliche Schicksale, zuletzt wandte er sich in „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“ erneut einem fiktionalen Stoff zu, bevor er sich mit „Vier minus drei“ wieder einer wahren Biografie zuwandte, die jüngst bei der Berlinale 2026 Premiere feierte.

Für Zuschauer heute hat der Film zwei Reize: Er bietet einen atmosphärischen Blick auf Alltag und Moral im Krieg und erinnert daran, wie kleine Bindungen Menschen durch extreme Situationen tragen können. Gerade in Zeiten, in denen Kriegserfahrungen wieder stärker in die öffentliche Wahrnehmung rücken, wirkt diese leise Erzählung relevant und aktuell.

Der Fuchs – So. 24.05. – ARD: 23.35 Uhr

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