Erfahrungsbericht aus dem „Corona-Hotspot“…

24 Aug, 2020
Ein Artikel von: Kenny Deppe

Hier beginnt der Teil Mallorcas, an dem es die zweihöchste Zahl an Corona-Infizierten gibt.

Mallorca hat aktuell mehr neue Corona-Fälle, als je zuvor. Aber wie schaut es hier wirklich aus? Woher kommen die hohe Zahlen?

Raus aus der Haustür, 50 Meter nach rechts, 100 Meter nach links – ich stehe mitten im Herzen Palmas. Aber mehr noch, ich stehe auch an der Grenze zum “Gesundheitsbezirk Casa del Mar Ponent”, dem Teil Mallorcas, in dem es die zweithöchste Zahl an gemeldeten Corona-Infizierten gibt, nämlich 4,77 pro 1.000 Einwohnern. 800 Meter trennen mich noch von meinem Ziel, einem Supermarkt der auch nachts geöffnet hat.

Es ist etwa 21:30 Uhr, also schon dunkel – und: im Schatten der Dunkelheit herrscht verdammt viel „alte Normalität“! Von der „neuen Normalität“, sprich Abstand und Maske, ist nicht viel zu sehen. Einige Gruppen junger Erwachsener stehen dicht zusammen, die Masken am Kinn, Arm, oder irgendwo, wo man sie überhaupt nicht sieht. Die Köpfe stecken zusammen – wie sonst soll man gemeinsam auf das kleine Handy Display schauen?

Meine Neugier ist geweckt… 20 Minuten brauche ich für die insgesamt 1,6 Kilometer Strecke hin und zurück. Unterwegs begegnen mir 73 Menschen ohne Maske. Und ja, ich habe tatsächlich mitgezählt. Willkommen in der “neuen Nacht-Normalität”.

Über Sinn und Unsinn des Mund-Nasen-Schutzes bei ausreichend Abstand und noch dazu unter freiem Himmel, lässt sich sicherlich streiten. Pflicht ist das Ding aber trotzdem. Wer ohne Maske erwischt wird, muss mit einer 100 Euro Strafe rechnen. Sitzt das Geld doch noch so locker? Und was halten diese Leute dann erst von den Regeln, wenn sie sich nicht mehr auf der offenen Straße aufhalten? Wenn sie wirklich keiner mehr sieht?

Ich musste ganz spontan an Patricia Gómez, die balearische Gesundheitsministerin, denken. Sie sagte noch vor kurzem: „Wir können nicht so viele Partys veranstalten oder mit so vielen Gruppen von Menschen zusammen sein, die nicht aus unserem familiären Umfeld kommen“.
Was ich auf dem Weg zum Pizza-Regal gesehen hatte, deckte sich auch sehr gut mit dem, was Francina Armengol auf ihrem Twitter-Account veröffentlichte: „Das Profil der infizierten Personen hat sich geändert. […] 63% [der Infizierten] sind zwischen 20 und 49 Jahren alt“. Genau die Altersklasse also, die sich da ohne Maske auf der Straße traf.

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Ist da also tatsächlich was dran, dass 91% aller Ausbrüche auf den Balearen ihren Ursprung bei Personen haben, die hier leben? Ganz so abwegig kam es mir an dem Abend jedenfalls nicht mehr vor. Da spaziert man 20 Minuten durch den Teil Mallorcas, der die zweithöchsten Fallzahlen auf den Balearen hat – und sieht original die Dinge, vor denen die Regierung seit etwa einer Woche wieder massiv warnt. Keine zwei Monate nach dem Ende des dreimonatigen Alarmzustands. Keine Woche nachdem die Saison durch die Reisewarnung Deutschlands ihr vermutlich endgültiges Ende gefunden hat.
Der Schaden für die balearische Tourismusbranche wird übrigens auf 12,7 Milliarden Euro geschätzt. Stellt man diese Zahl dem Verhalten der Menschen gegenüber, bleiben einem ein Stück weit die Worte weg.

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