Wieviel Homophobie steckt in uns allen – Fragen an Sven Florijan

16 Apr, 2021
Ein Artikel von: Kenny Deppe

Wie sehen Sebi und Sven Florijan die Aussagen von Prinz Marcus von Anhalt? Erleben sie derartiges auch in ihrem ganz normalen Alltag?

Dies ist der zweite Teil unserer Serie, in der wir uns nach dem Homophobie-Eklat bei Promis unter Palmen mit der Frage beschäftigen, wie weit die Ansichten von Prinz Marcus von Anhalt heute eigentlich noch verbreitet sind. Nach Markus Simons, haben wir auch Sven Florijan zu dem Thema befragt.
Sven und sein Mann Sebi haben sich natürlich auch angeschaut, was da auf SAT.1 geschehen ist. Svens Meinung: „Man muss ja nicht jeden mögen. Aber der Prinz? Weiß ich auch nicht… Ich glaube der hat mit sich selber ein Problem. Jeder hat seine Meinung, aber da hätte er sich zurückhalten können. Ich glaube, der hat sich damit auch keinen Gefallen getan.“

In ihrem Alltag erleben Sven und Sebi solche Anfeindungen zum Glück nicht. „Die Erfahrung machen wir gar nicht so. Manchmal gibt es ein paar Witze, aber nicht so, dass wir uns angegriffen fühlen. Da lachen wir dann drüber. Wir nehmen das gar nicht ernst“, erzählt Sven. Auch in Bad Rothenfelde, wo die beiden derzeit leben, werden sie so akzeptiert wie sie sind. „Auch auf dem Dorf sind alle sehr offen.“ Anfeindungen wie von Prinz Marcus, kennen sie nicht.

In Sebi und Svens Umfeld geht jeder ganz normal mit der Homosexualität der beiden um. Auch wenn er und Sebi neue Leute kennenlernen, ist das kein großes Thema. „Die Leute Fragen uns natürlich ‚Wie habt ihr euch kennengelernt?‘. Aber das ist wie bei heterosexuellen Paaren auch.“ Er fügt aber auch an: „Wir sind jetzt aber auch nicht so, dass wir uns in der Öffentlichkeit ablecken. Das finde ich fürchterlich. Das finde ich bei Heteropaaren auch nicht schön!“

Die Mallorquiner gehen aus seiner Erfahrung auch nicht anders mit gleichgeschlechtlichen Paaren um, als die Menschen in Deutschland. Auf die Frage, ob er da Unterschiede feststellt, antwortet Sven: „Unterschiede gibt es für uns nicht. Auch unsere mallorquinischen Nachbarn kennen uns und akzeptieren uns, im Gegenteil. Wir waren jetzt lange nicht da, aber die haben sich wahnsinnig gefreut, uns wieder zu sehen. Und es ist natürlich auch ein schönes Gefühl, endlich mal wieder zuhause zu sein, in den eigenen vier Wänden.“

Auf Mallorca sind er und sein Mann übrigens gerade, weil sie sich auf ihre Rückkehr zur nächsten Saison vorbereiten und ein neues Projekt in die Wege leiten. Da gibt es auch schon Fortschritte, aber Sven möchte noch nichts verraten. „Ich kann noch nicht sagen was kommt, aber wir machen auf jeden Fall was nächstes Jahr.“
Bis dahin werden er und Sebi aber noch in Deutschland bleiben, um zu arbeiten. „Wir sind Macher, wir wollen nicht anderen Leuten auf der Tasche liegen.“ Über gehässige Kommentare wie „Ja, ja. Zurück nach Deutschland, Hartz IV“, kann er nur lächeln. Sebi hat sogar einen Job im Gastgewerbe gefunden, obwohl die Branche besonders hart von der Corona-Krise getroffen ist und sie von Anfang an sagten, dass sie wieder zurück nach Mallorca gehen. Und Svens Imbiss „Pommesinsel“ läuft auch sehr gut. Dazu merkte er lachend an: „Einen Imbiss auf dem Dorf zu machen, ist schon verrückt. Wer hätte gedacht, dass das funktioniert?“

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