Gefühle außerhalb der Beziehung: Psychologe fordert ehrliches Gespräch

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Von : Johanna Feldner

Gefühle außerhalb der Beziehung: Psychologe fordert ehrliches Gespräch

Neue Gefühle neben einem bestehenden Paarverhältnis sind keine Seltenheit – sie können aber massive Spannungen auslösen. Experten aus Psychologie und Paarberatung erklären, wann solche Verknalltheiten zur Belastung werden und welche konkreten Schritte Betroffene jetzt prüfen sollten.

Wann ein Schwarm gefährlich für die Partnerschaft wird

Verliebtsein ist zunächst ein normaler, oft intensiver Gefühlszustand. Das betont die Berliner Psychologin Ilka Hoffmann-Bisinger: Ein plötzlicher Funke sei an sich kein moralisches Versagen, sondern eine menschliche Reaktion.

Problematisch wird es jedoch, wenn die neue Verbindung die bestehende Beziehung aktiv untergräbt. Der Paartherapeut Boris Laaser warnt davor, sich vom anfänglichen Rausch leiten zu lassen: Hormonelle Reaktionen können kurzfristig Urteile trüben und Wunschvorstellungen verstärken.

Wesentliche Gefahrenquellen sind heimliche Zukunftspläne mit der fremden Person, spürbare emotionale Distanz zum Partner und gravierende Verhaltensänderungen – etwa plötzliches Überpflegen des Aussehens oder kaum noch gemeinsam geführte Gespräche. Solche Entwicklungen signalisieren, dass die Verknalltheit über eine vorübergehende Phase hinaus Auswirkungen auf die Beziehung haben kann.

Praktische Signale und erste Schritte

Warnzeichen Warum es problematisch ist Was Sie kurzfristig tun können
Geheime Pläne (Urlaub, Umzug) Bindet emotional an die neue Person und untergräbt Vertrauen Stopp: Abstand schaffen und Absichten prüfen
Emotionale Abwesenheit im Alltag Schafft Leere in der Partnerschaft; Kommunikation bricht zusammen Offenes Gespräch mit dem Partner suchen
Änderungen im Verhalten oder Aussehen Können auf Idealisierung oder Fluchtmotive hinweisen Reflektieren: In was habe ich mich verliebt?
Bleibende Zweifel an der Beziehung Zeigt ungelöste Bedürfnisse oder Unzufriedenheit Gemeinsame Paarberatung erwägen
Paar im klärenden Gespräch mit ruhiger Mimik
Ein offenes, sachliches Gespräch kann erste Spannungen lösen.

Wie Paare sinnvoll reagieren können

Laaser empfiehlt sorgfältige Abwägung statt impulsiver Entscheidungen: Zuerst prüfen, welche Folgen Trennung oder Verbleib haben würden. Wer handelt, sollte die Verantwortung für seine Wahl übernehmen – auch finanziell oder sozial.

Hoffmann-Bisinger rät dazu, die Situation als Anlass zur Selbstprüfung zu nutzen. Bleibt man in der Beziehung, kann man das Verliebtsein anerkennen, ohne es auszuleben; tritt jedoch Ernüchterung über die Partnerschaft auf, ist ehrliche Neuausrichtung nötig.

Konkrete Maßnahmen, die Experten empfehlen:

  • Distanz zur neuen Person schaffen, um Klarheit zu gewinnen.
  • Eigene Motive hinterfragen: Angst vor Einsamkeit, finanzielle Abhängigkeit oder gesellschaftlicher Druck?
  • Ein klärendes Gespräch mit dem Partner führen – ohne Vorwürfe, mit konkreten Beobachtungen.
  • Bei festgefahrenen Mustern professionelle Paartherapie in Anspruch nehmen.

Warum Fremdverliebtheit oft mit Idealisierung zusammenfällt

Laaser betont, dass Verliebtheit häufig mit Projektionen einhergeht: Wünsche und Sehnsüchte werden auf die neue Person übertragen, sodass sie eher als Symbol für etwas Fehlendes wahrgenommen wird. Dieses Zusammenspiel aus Fremdheit und Fantasie kann eine realistische Einschätzung verhindern.

Person steht nachdenklich an Fenster in Übergangsphase
Große Lebensveränderungen erhöhen die Anfälligkeit für neue Gefühle.

Deshalb ist die Frage entscheidend: Worin besteht das Objekt der Gefühle? Ist es die tatsächliche Person – oder das, was sie zu verkörpern scheint (Abenteuer, Anerkennung, Selbstbestätigung)?

Wer diese Unterscheidung vornimmt, gewinnt eine pragmatische Grundlage für eine weitere Entscheidung über die eigene Partnerschaft.

Lebensphasen, in denen Verknalltheiten besonders auftreten

Psychologische Beobachtungen zeigen: In Phasen großer persönlicher Veränderung – etwa Umbrüche im Job, Kinderwunschkonflikte oder andere Lebenskrisen – steigt die Anfälligkeit für neue emotionale Bindungen. Wenn das eigene Selbst in der Beziehung zurücktritt, wächst die Sehnsucht, sich neu zu erleben.

Solche Situationen sind nicht per se ein Urteil über die Partnerschaft, wohl aber ein Hinweis darauf, dass persönliche Bedürfnisse nicht genügend Raum finden. In diesen Momenten lohnt es sich, Prioritäten zu klären und gegebenenfalls Kompromisse neu zu verhandeln.

Abschließend: Keine schnellen Urteile, aber klare Verantwortung

Fremdverliebtheit ist kein „falscher“ Impuls, sagen die Expertinnen und Experten – wohl aber ein Signal, das Aufmerksamkeit verlangt. Entscheidend ist, ehrlich mit sich selbst zu sein, die Folgen des Handelns abzuwägen und die Verantwortung für die eigene Wahl zu übernehmen.

Wer sich in dieser Lage befindet, sollte bewusst prüfen, ob er aus Loyalität, Angst oder Gewohnheit bleibt – oder aus echter Überzeugung. Professionelle Beratung kann helfen, verborgene Muster aus der Kindheit zu erkennen und eine nachhaltige Entscheidung für oder gegen die Beziehung zu treffen.

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