Viele Menschen setzen auf Liebe als das zentrale Fundament ihrer Partnerschaft – doch reicht das wirklich, um eine Ehe dauerhaft stabil zu halten? Aktuelle Forschungsergebnisse und die Erfahrung einer Paartherapeutin zeigen: Gefühle allein schaffen keine sichere Beziehung.
Eine Umfrage der Partnervermittlung Parship aus 2019 bestätigt, dass in Deutschland viele Paare das «Ich liebe dich» regelmäßig verwenden. Zugleich beobachten Therapeutinnen und Therapeuten immer wieder, dass Beziehungen trotz großer Zuneigung auseinandergehen.
Die Berliner Paartherapeutin und Psychologin Anna Wilitzki sagt: Manche Paare lieben einander tief, finden aber nicht zueinander, wenn es um Alltag, Konflikte und gegenseitiges Verstehen geht. Ihre Praxis zeigt, dass Verliebtheit und dauerhafte Nähe unterschiedliche Anforderungen stellen.
Die anfängliche Verliebtheit beruht stark auf biochemischen Prozessen: Glückshormone verstärken das Gefühl der Einheit, Studien aus den vergangenen Jahren belegen, dass Verliebte dazu neigen, ihren Partner zu idealisieren und Schwächen zunächst auszublenden. Wenn dieser «Rausch» nachlässt, treten Alltagsthemen deutlicher hervor.
Was in der Praxis häufig fehlt, ist die Fähigkeit, über eigene Wünsche zu sprechen und die Gefühle des anderen wirklich nachzuvollziehen. Ohne diese Gesprächsbereitschaft wächst mit der Zeit oft ein Gefühl von Einsamkeit innerhalb der Beziehung.
- Konfliktfähigkeit: Auseinandersetzungen als Chance sehen, nicht als Bedrohung.
- Empathie: Den anderen in seinen Gefühlen annehmen, auch wenn sie fremd erscheinen.
- Bedürfnisse kommunizieren: Regelmäßig klären, was jeder von der Partnerschaft erwartet.
- Gemeinsame Entwicklung: Raum lassen für individuelle Veränderungen und neue Lebensphasen.
- Zukunftsplanung: Konkrete Absprachen zu Familie, Arbeit und gemeinsamen Zielen treffen.
Wilitzki nennt als Schlüsselwort die Bereitschaft: Paare müssen bereit sein, auch unangenehme Themen anzusprechen und den anderen emotional zu begleiten. Das bedeutet konkret, bei Verlustängsten, unterschiedlichen Interessen oder wiederkehrenden Konflikten nicht auszuweichen, sondern aktiv daran zu arbeiten.
Gleichzeitig warnt sie vor zwei Extremen: Paare, die den Partner als selbstverständlich ansehen und dadurch nur noch oberflächlich zusammenleben, und Paare, die aus pragmatischen Gründen – etwa für die Kinder oder materielle Sicherheit – zusammenbleiben, obwohl die emotionale Verbindung erloschen ist. Beides führt langfristig zu Unzufriedenheit.
Fehlende Sicherheit, also die Erfahrung, auch mit eigenen Fehlern angenommen zu werden, untergräbt laut Wilitzki die Möglichkeit, eine echte Bindung aufzubauen. Wer nur für das Verliebtsein geliebt wird, findet keine stabile Basis für Nähe auf Dauer.
Kurz gesagt: Liebe ist notwendig, aber nicht hinreichend. Eine dauerhafte Partnerschaft braucht neben Zuneigung konkrete Kompetenzen und eine gemeinsame Arbeit an der Beziehung.
Wenn Paare Unterstützung suchen, kann Paartherapie helfen, Gesprächs- und Konfliktmuster zu verändern. Wilitzki selbst hat zu dem Thema ein Buch veröffentlicht, das Praxisbeispiele und Strategien für mehr Verbindlichkeit in Beziehungen zusammenführt.
Was Sie jetzt konkret tun können:
- Ein Gesprächsritual einführen (wöchentliche Check-ins).
- Kurzfristige Ziele formulieren (z. B. Rollenverteilung, gemeinsame Zeit).
- Bei wiederkehrenden Problemen frühzeitig professionelle Hilfe in Betracht ziehen.
Dieser Beitrag wurde erstmals im Mai 2024 veröffentlicht und fasst aktuelle Einsichten aus Forschung und therapeutischer Praxis zusammen, die für Paare heute relevant sind.
Ähnliche Artikel
- Offene Beziehung: so verhindern klare Regeln Eifersucht und Trennungen
- Sexverlangen ungleich: Schamspirale bedroht Beziehung, warnen Experten
- Liebesgerüchte um Stella Stegmann: Ist Sie Wieder in einer Neuen Beziehung?
- Ehepaare: überraschend einfache Regeln von Therapeuten für langanhaltendes Glück
- Beziehung retten: diese Signale zeigen, ob es noch Sinn macht

Johanna Feldner ist Paartherapeutin und bietet praktische Ratschläge, um Beziehungen stark und harmonisch zu halten. Sie glaubt, dass Kommunikation der Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft ist.
