Geschichte wiederholt sich: Ein ewiges Déjà-vu, leider!

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Von : Larissa Vogler

Geschichte wiederholt sich, leider

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Das Rad der Geschichte dreht sich erneut

Deutsche neigen dazu, den Nazi-Vergleich zu lieben, der fast immer unangebracht ist. Einst wurde dieser Vergleich von Helmut Kohl häufig verwendet, heute erlebt er ein Revival in vermeintlich fortschrittlichen Kreisen. Auch andere einst als rückständig angesehene Dinge werden wiederbelebt. Keine gute Entwicklung.

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Ein Kreisel in Winnenden, Baden-Württemberg. In seiner Mitte wildes Gras, ein verwilderter Hügel und Reste der Bundestagswahl. Auf einem riesigen SPD-Plakat ist Olaf Scholz abgebildet. Sein Oberkörper erscheint vor einer Deutschlandflagge. „Kanzler Für Made In Germany“ ist zu lesen. Jemand hat Scholz einen Hitlerbart aufgezeichnet.

Das Aufmalen eines Hitlerbarts auf Wahlplakate ist ein langjähriger, primitiver Klassiker des Vandalismus in Deutschland. Wenn man die Bundesrepublik während und kurz nach Wahlkämpfen durchquert, begegnet man diesem Phänomen überall – von Kotzendorf bis Todesfelde.

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Der Hitlerbart auf Wahlplakaten dient als universelle Kritik an der Macht. Unabhängig von Partei oder Geschlecht, im Wahlkampf tragen ihn alle – von Marie-Agnes Strack-Zimmermann bis Alice Weidel.

Man mag dies als geschichtsvergessen und naiv abtun. Generell ist ein Hitler-Vergleich meistens unangebracht, es sei denn, es geht tatsächlich um Hitler. Weder Olaf Scholz noch Alice Weidel oder andere Politiker sind wie Hitler. Zumindest bisher nicht. Doch wie oft gesagt wird, wiederholt sich die Geschichte immer wieder.

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Deutsche scheinen eine Vorliebe für Nazi-Vergleiche zu haben. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt der Schwarzgeldaffäre, verglich Helmut Kohl Aufrufe zum Spendenboykott der SPD mit dem Boykott jüdischer Geschäfte durch die Nazis. Zwei Jahre später soll er über den damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse gesagt haben: „Das ist der schlimmste Präsident seit Hermann Göring.“ Der „Spiegel“ nannte Kohl einst „Meister der Nazi-Vergleiche.“ In der heutigen politischen Debatte sind es junge, trendbewusste Stadtbewohner, die Mitglieder der CDU und FDP als Faschisten und die der AfD als Nazis bezeichnen.

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Was früher mit Konservativen und Reaktionären verbunden wurde, gilt heute als fortschrittlich. Nicht nur Nazi-Vergleiche. Vielweiberei, bekannt von Zurückgebliebenen wie dem Mormonengründer Joseph Smith, Islamisten und westdeutschen Swingern der 80er, wird heute in Großstädten als Polyamorie gefeiert und als unglaublich progressiv, fortschrittlich, sexpositiv oder sogar queer angesehen.

Ähnliches gilt für das Einmachen. Früher füllten Omas die Früchte des Sommers in Gläser, um sie für schlechte Zeiten zu konservieren. Heute wird das „fermentieren“ genannt und von Foodies das ganze Jahr über als neuester Schrei zelebriert. Früher verboten es Absolutisten in Frankreich, Schweine „Napoléon“, „Louis“ oder „Henri“ zu nennen, heute kämpfen digitale Hipster, Linke und Grüne gemeinsam gegen „Hass und Hetze“.

In diesem Sinne: Geschichte wiederholt sich tatsächlich. Es wäre jedoch fortschrittlicher, eigene Geschichte zu schreiben – am Kreisverkehr in Winnenden ebenso wie in urbanen Szenevierteln.

Unser Autor Frédéric Schwilden berichtet in seinen „Notizen aus der Provinz“ regelmäßig über das Leben dort – vom Kürbisfest in Muggendorf bis zur Kartoffel-Döner-Bratwurst in Schleswig-Holstein.

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