Millennial vs. Vergänglichkeit: Eine spannende Auseinandersetzung!

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Von : Larissa Vogler

Eine kleine Konfrontation mit der Vergänglichkeit, gegen die der Millennial anrennt

Der Umgang der Millennials mit ihrer Vergänglichkeit im Marathonlauf

Nicht nur der Sänger Harry Styles, der mit 31 Jahren fast die Ziellinie des Marathons erreicht, zieht es auf die 42 Kilometer lange Strecke, sondern auch viele andere um die 30. Was motiviert sie? Ein Blick auf ein sportliches Ziel, das von der Elite zum Mainstream gewandert ist.

Harry Styles erreicht fast das Ziel des Tokyo Marathons, greift nach der Hand eines Freundes und lässt die körperlichen Strapazen hinter sich. Eine Zeit von 3:24.07 Stunden ist beachtlich für jemanden, dessen Hauptberuf eigentlich die Musik ist.

Der Marathon, einst ein Sport für Hochleistungssportler, erfreut sich zunehmender Beliebtheit in der breiten Masse. Bei 14 der 15 größten Marathons in Deutschland gab es im letzten Jahr einen Anstieg der Teilnehmerzahlen. Besonders Millennials im Alter von 25 bis 40 Jahren sind von diesem Laufevent begeistert. Sie teilen ihre Vorbereitungen und Erfolge fleißig auf Instagram, TikTok und in Strava-Apps und verbergen ihren Stolz nicht.

Auch modisch geben sie alles. Sie informieren sich in Internetblogs über die richtige Gel-Sohle und Thermohosen. Im Vergleich zu jüngeren Läufern können sie sich dies und die hohen Teilnahmegebühren leisten, wie die 200 Euro für den Berlin-Marathon 2025. Laufen hat sich zu einer neuen Religion entwickelt, körperliche Fitness zum Zeichen eines aktiven Lebens.

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Es ist kein Zufall, dass gerade diese Altersgruppe den Marathon für sich entdeckt. Die unsicheren Jahre der Berufsorientierung sind vorbei, man hat sich im Job etabliert. Doch abends im Bett umkreisen quälende Gedanken den Kopf: War das schon alles? Was kommt jetzt? 40 Jahre im Hamsterrad? Schmerzhafte Gedanken.

Der verlockende Reiz der Selbstoptimierung

Eigentlich könnte nun die Familienplanung anstehen, doch sie wird aufgeschoben. Um einer tiefen Sinnkrise zu entgehen, suchen sie nach etwas, das Stimulierung bietet und auch Schmerzen bereiten darf. Lieber Qual als gar nichts fühlen.

Es ist erstaunlich, wie der verlockende Reiz der Selbstoptimierung alle gesellschaftlichen Schichten erfasst hat. Marathonlaufen war lange eine Domäne von Highperformern, die zwischen Terminen hin- und herhetzten – und niemals zur Ruhe kommen durften. Jetzt hat das Laufen, die ökonomischste Form der sportlichen Betätigung, auch den urbanen Mainstream erreicht. Ist es, weil dieser sich auch in der Selbstoptimierung verfängt?

Zunehmend gerät auch der urbane Mainstream in die Spirale der Selbstoptimierung, oft ohne es zu bemerken. In der Hoffnung, immer achtsamer und glücklicher zu werden, strömen junge Städter zu Yoga-Kursen und Meditationssitzungen, werden dabei aber oft nur gestresster und einsamer. An oberster Stelle steht nicht mehr die Begegnung im Kollektiv, sondern die Begegnung mit sich selbst. So könnte auch das Joggen, neben dem Fitnessstudio, nach und nach das Vereinsleben ersetzen.

Kein Spieltrieb mehr, keine Zeit für Tricks auf dem Fußballfeld, wo unklar bleibt, wie viele Kalorien wirklich verbrannt wurden. Sport und Bewegung – eigentlich eine Möglichkeit, sich den Optimierungslogiken des Alltags zu entziehen – wiederholen diese nur noch auf eine abgestumpfte Weise. Einige junge Städter haben erkannt, dass Laufen einsam macht und organisieren deshalb kollektive Lauftreffen. Es gibt sogar Dating-Laufgruppen, denn Sport und Dating müssen in ihrer konsequenten Logik auch zusammenpassen. Zeitökonomie eben.

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Denken wir an den 35-Jährigen, der abends allein und grübelnd im Bett liegt. Es ist kein leichtes Alter. Der Körper ist nicht mehr so fit wie mit 20 Jahren, wo man noch problemlos Tiefkühlpizza essen und Zwei-Liter-Cola-Flaschen trinken konnte. Die ersten Falten und Fettpölsterchen machen sich bemerkbar. Es ist die erste kleine Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit, gegen die auch Millennials anrennen müssen. Es ist der letzte große Wurf im sportlichen Sinne. Der eigene Körper wird nicht leistungsfähiger.

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