Doechii prägt Gen Z: Entdecken Sie den Soundtrack einer Generation!

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Von : Larissa Vogler

Doechii liefert den Soundtrack für die Gen Z

Doechii prägt die musikalische Welt der Generation Z

Die Rapperin Doechii erobert mit großem Erfolg die Popkultur und könnte bald als neue Ikone an die Stelle von Taylor Swift treten. Ihr neuester Hit „Anxiety“ fängt das Lebensgefühl einer Generation ein, die ihre Ängste durch Tanz ausdrücken möchte.

Ist es möglich, dem Tod mit Lachen und Tanzen zu begegnen? Sicher, würde Doechii antworten, oder besser gesagt singen: „Anxiety, keep on tryin′ me, I feel it quietly“. Diese Melodie, die sich durch ihre Leichtigkeit auszeichnet, bleibt im Gedächtnis haften. Derzeit teilen Millionen junger Menschen auf TikTok und Instagram Videoclips, in denen sie fiktive Panikdialoge nachstellen. Die Angst schleicht sich langsam an, doch der Tanz muss weitergehen, lautet die Botschaft der Selbstbefähigung.

Eine ganze Generation findet in Doechiis Musik einen Ausdruck ihrer neurotischen Stimmungen. Angststörungen und Panikattacken nehmen zu. Die modernen Herausforderungen mit ihren Schreckensszenarien und echten Katastrophen haben junge Menschen verunsichert, sodass kaum etwas noch echten Halt bietet. Die Flucht in die Innerlichkeit bleibt als einziger Ausweg, der intensiv gelebt werden muss.

Es ist kein Zufall, dass gerade Doechii diese Hymne liefert. Erst kürzlich wurde sie vom Musikmagazin Billboard zur Frau des Jahres 2025 ernannt. Anfang des Jahres gewann sie bei den Grammys die Auszeichnung für das beste Rap-Album – als dritte Frau nach Cardi B und Lauryn Hill. Sie repräsentiert eine neue Generation im Rap, die weitgehend ohne Skandale auskommt und durch ihre Offenheit inspiriert. Ihre offen gelebte Bisexualität und ihre spirituellen Überzeugungen treffen den Nerv der Zeit, der alte Grenzen überwinden möchte. Dass Doechii seit einigen Monaten komplett auf Alkohol und Nikotin verzichtet, verstärkt ihr Image einer integren Künstlerin, die dennoch alles andere als langweilig ist. Ihre Themen umfassen das Patriarchat, Rassismus und mentale Gesundheit.

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Mit dem Thema mentale Gesundheit spricht Doechii besonders die Generation Z an, die ein entspannteres Verhältnis zu psychischen Problemen hat als ältere Generationen. Das alte Stigma, psychische Leiden als „verrückt“ zu betrachten, ist verblasst. Es scheint, als seien psychische Erkrankungen in der urbanen Mittelschicht zum neuen Statussymbol geworden. Nur wer leidet, scheint sich selbst und die gesellschaftlichen Zustände wirklich verstanden zu haben. Anders lässt sich die Aufwertung psychischen Leids kaum erklären.

Die „Therapeutisierung der Gesellschaft“, wie die Soziologin Eva Illouz es nennt, nimmt zu. In ihrem Buch „Die Errettung der modernen Seele“ beschreibt sie bereits 2009, wie therapeutisches Sprechen zur dominierenden Kommunikationsform unserer Zeit geworden ist. Fast 15 Jahre später erscheint ihre Vision fast prophetisch, als sie einen gesellschaftlichen Wendepunkt vorhersah, an dem die Revolution ihre eigenen Kinder verschlingt. Therapeutisches Wissen, das in der 68er-Bewegung noch genutzt wurde, um sich gegen die sexuelle Repression der Elterngeneration zu wehren, wird nun verwendet, um sich selbst zu reflektieren. Dies fördert einen Hyperindividualismus, der strukturelle Probleme wie schlechte Arbeitsbedingungen, unsichere Renten und die Klimakrise verschleiert. Mit anderen Worten: Man fokussiert sich lieber auf seine Ängste, statt politisch aktiv zu werden.

„Somebody’s watchin‘ me. And my anxiety, yeah“: Doch die jungen Menschen sehen glücklich aus, während sie die Lasten des modernen Alltags durch Tanz abschütteln. Das Gespenst der Angst wirkt klein, wenn man ihm lachend entgegentanzt. Der Spuk scheint vorbei. Diese Form der Selbstironie verdient Anerkennung, trotz aller Kritik.

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Der virale TikTok-Trend ist auch deshalb so zeitgemäß, weil er in den Therapiediskurs auch die Körperlichkeit einbezieht. In sozialen Medien wird oft das „Nervensystem“ zitiert, das sich in einer Dysbalance befindet. Das Nervensystem, das Reize verarbeitet und weiterleitet, ist neben dem Immunsystem eines der komplexesten im menschlichen Körper – und dennoch wird versucht, es zu verstehen. Da Angst eine körperliche, archaische Reaktion ist, haben Betroffene längst erkannt, dass sie diese nicht nur kognitiv und sprachlich auflösen können. Sie tanzen ihre Neurosen lieber aus und finden so ganz nebenbei den Übergang in einen lebensbejahenden Frühling, der ein neues, gesundes Ich verspricht.

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