Stiller Aufstand der Generation Z gegen das Büro-Diktat
Nach „Rawdogging“ folgt nun „Barebacking“ – aber die digitale Abstinenz bleibt bestehen. Auf dem Weg zur Arbeit verzichten junge Menschen neuerdings bewusst auf Handys und andere Ablenkungen, was auch als stiller Protest gegen unflexible Büroregeln zu verstehen ist.
Eine Busfahrt zur Arbeit kann lang und eintönig sein. Die Landschaft zieht monoton vorbei, und das stetige Brummen des Motors bietet wenig Ablenkung. Dann gesellt sich noch ein gestresster, schwitzender Passagier dazu. Insgesamt eine unangenehme Erfahrung. Normalerweise wäre Musik über Kopfhörer die Rettung, um sich in den Lieblingssong zu vertiefen und gute Laune zu erzeugen.
Doch es scheint, als würde die Generation Z diesen Ausweg zunehmend meiden. Auf dem Weg zur Arbeit verzichten die Angehörigen dieser Generation auf Musik und andere Ablenkungen und starren stattdessen aus dem vergilbten Fenster oder ins Leere. Dieser bewusste Verzicht wird als „Barebacking“ bezeichnet. Der Begriff, der im Englischen eigentlich ungeschützten Sex bedeutet, wird hier irreführend verwendet.
Der vorherige Trend „Rawdogging“, der ebenfalls eine Doppeldeutigkeit aufweist, betonte auch eine Art Verzicht. Junge Männer verzichteten auf Langstreckenflügen demonstrativ auf sämtliche Ablenkungen: keine Filme, keine Musik, kein Essen – nur der starre Blick auf die Notfallkarte war stundenlang erlaubt. Diese Art der Meditation sollte die eigene Widerstandsfähigkeit demonstrieren und Mitreisende beeindrucken.
Heute starrt die Generation Z in Zügen und Bussen gelangweilt in die Ferne. Doch was ist der tieferliegende Grund für diese Selbstkasteiung? Am wahrscheinlichsten ist, dass „Barebacking“ eine Reaktion auf die ständige Reizüberflutung darstellt. TikToks hier, Instagram-Reels dort – die Generation Z ist es leid, ständig von ihrem Smartphone bombardiert zu werden, was offensichtlich zu ihrem Leidensdruck beiträgt.
Das Institut für Generationenforschung hat kürzlich Umfragedaten veröffentlicht, laut denen die Generation Z soziale Medien sogar gefährlicher einschätzt als die Babyboomer. Dies ist bemerkenswert, da Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren im letzten Jahr durchschnittlich zehn Stunden täglich online verbrachten. Laut Studie fördern vor allem eine hohe Bildschirmzeit und das hektische Stadtleben eine sogenannte Quarterlife-Crisis.
Die Generation Z ist gestresst, und seit der Corona-Pandemie kommen noch strengere Arbeitsbedingungen hinzu. Immer mehr Unternehmen führen eine Büropräsenzpflicht wieder ein. Das stößt bei der Generation Z, die großen Wert auf Selbstbestimmung und Autonomie legt, auf wenig Gegenliebe. Doch trotz der oft geäußerten Meinung, die junge Generation sei arbeitsscheu, zeigen die Daten des Instituts für Generationenforschung etwas anderes.
Vielmehr bevorzugt die Generation Z flexiblere Arbeitszeiten. Statt einer festen Tagesarbeitszeit bevorzugt sie ein wöchentliches Stundenvolumen, das sie selbstständig einteilen kann. Wenn der Arbeitsfluss erst abends um 20 Uhr in der eigenen Wohnung beginnt, möchte sie aktiv werden, statt sich morgens mühsam ins Büro zu quälen und dort mit mehreren Tassen Kaffee gegen die eigene Trägheit anzukämpfen.
„Barebacking“ könnte sich daher als stiller Protest gegen starre Bürostrukturen herausstellen. Die junge Generation setzt mit diesem Trend leise, aber bewusst auf das Bremspedal: kein Multitasking auf dem Arbeitsweg, keine digitale Dauerbeschallung, kein Lesen beruflicher E-Mails. Der Arbeitsweg wird zur bewussten Auszeit – ein Moment der Selbstregulation vor dem oft als übergriffig empfundenen Büroalltag.
Angesichts der allgegenwärtigen Bilder von Menschen, die in Bahnen und Bussen auf ihre Smartphones starren, sorgt diese Bewegung für Erstaunen. „Warum sind sie nicht beschäftigt?“, fragt der britische Podcaster Curtis Morton in einem TikTok-Video. „Macht doch einfach irgendwas, statt mich anzustarren!“ Das demonstrative Nichtstun hat sich tatsächlich zu einer der größten Provokationen unserer Zeit entwickelt. Die äußere Leere nach außen zu tragen, stellt eine Herausforderung für uns alle dar.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
