Alles Käse? Revolution in der Architektur: Wie Hans Hollein den Beruf neu definierte!

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Von : Larissa Vogler

Alles Käse? Wie Hans Hollein den Beruf des Architekten abschaffte

Alles Käse? Hans Hollein und die Neuerfindung des Architektenberufs

Der österreichische Architekt Hans Hollein, eine Schlüsselfigur der postmodernen Architektur, wird in einer faszinierenden und leicht skurrilen Ausstellung im Centre Pompidou in Paris dargestellt. Diese zeigt ihn nicht nur als begabten Architekten, sondern auch als meisterhaften Entertainer der Baubranche.

Wo soll man beginnen, wenn jedes Ausstellungsstück – sei es eine Skizze, eine Collage oder ein Objekt – zum Schmunzeln anregt? Vielleicht bei den spektakulären Ladenfronten, die Hollein für den Wiener Juwelier Schullin entworfen hat? Diese würden selbst in den exklusivsten Einkaufsstraßen von Mailand oder Tokio noch heute Staunen erregen.

Oder sollte man lieber mit dem in den Berg integrierten Guggenheim Museum in Salzburg starten? Oder mit der aufblasbaren Kunststoffröhre, die Hollein entwarf, um sich darin von der Außenwelt abzuschirmen, sichtbar für alle, doch in seiner eigenen Welt? Nein, das würde dieser einzigartigen Ausstellung nicht gerecht werden.

Wie die Ausstellung „transForms“ im Centre Pompidou, die kurz vor einer umfangreichen Renovierung stattfindet und bis zum 2. Juni 2025 zu sehen ist, verdeutlicht: Je kühner die Geste, desto schärfer die Ironie des jungen Hans Hollein. Seine Selbstwahrnehmung als Genie wird durch zwei schmale, markante Blätter illustriert, die in Paris ausgestellt sind. Eines zeigt das Cover der Zeitschrift „Bau“, auf dem über einer traditionellen Stadtansicht ein riesiger, in blaue Punkte aufgelöster Himmel prangt, mit der Aufschrift „Alles ist Architektur“.

Ein anderer Blickfang ist ein Stück Emmentaler Käse, das groß im Vordergrund steht und das Stadtbild dominiert und gleichzeitig metaphorisch verarbeitet. Eine weitere Seite zeigt eine Skizze, die Hollein über einen Text zum Thema Fotografie gezeichnet hat: ein zackiges, vertikales Gebilde, das zu 40 Prozent an einen Wolkenkratzer und zu 60 Prozent an eine phantastische Skulptur erinnert.

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In der Architektur des 20. Jahrhunderts herrscht oft der Verdacht der Megalomanie, und Hollein, wie viele seiner Zeitgenossen in den 1960er Jahren, praktizierte einen radikalen Ikonoklasmus. Er verspottete den Ernst und die Allmachtsfantasien seiner Berufskollegen und begann gleichzeitig, an seinem eigenen Denkmal zu bauen. Ein weiteres Bild in der Ausstellung zeigt ihn 1972 in Venedig mit seinem Sohn Max, wie sie auf einem mit Fliesen beklebten Stuhl sitzen, der auf ein primitives Floß montiert ist, und durch einen Kanal gleiten.

Die Ausstellung zeugt von Holleins unbändigem Spieltrieb und von dem Glauben, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eins sind, ebenso wie Funktion und Form, Nutzen und Wahnsinn. Hollein studierte in Wien und später in den USA, beeinflusst von der Weite und Zukunftsorientiertheit des Landes sowie von der „Pueblo-Architektur“, die seine offen gestalteten Raumkonzepte sichtlich prägte.

Hans Hollein hat einige kontrovers diskutierte Gebäude entworfen, wie das Museum für moderne Kunst in Frankfurt oder das Haas-Haus in Wien. Doch er erkannte früh, dass Architektur mehr als nur Schutz und Repräsentation bieten musste. Er verstand Architektur als „Konditionierung eines psychologischen Zustands“, eine Aussage, die er 1967 machte.

In Holleins Arbeit ging es nicht nur um Architektur im herkömmlichen Sinne, sondern auch um Entertainment, Popkultur und sogar Psychoanalyse. Er kreierte Objekte wie eine goldene Streckbank, die an Sigmund Freuds berühmte Patientencouch erinnert, oder einen Schminkspiegel, den er mit Pfauenfedern schmückte und in Barbie-Pink anmalte. 1985 wurde ihm der renommierte Pritzker-Preis verliehen.

Die kleine, doch beeindruckende Ausstellung in Paris demonstriert, dass die wilden Anfänge eines großen Lebenswerks oft dessen Höhepunkte darstellen.

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