„In Tokio ein makelloses Taxi, in New York ein Durcheinander, in Deutschland …“
Der Fotograf Klaus Maria Einwanger hat die Welt bereist, um das Leben und die Geschichten von Taxifahrern einzufangen. Ein Dialog über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Berufsgruppe sowie deren Umgang mit der Konkurrenz durch Dienste wie Uber.
Wenn Klaus Maria Einwanger über Taxifahrer spricht, tut er dies mit großer Zuneigung und Wärme. Seine Reisen von New York bis Tokio, bei denen er Taxifahrer fotografierte, haben ihn tief beeindruckt. Er tauchte immer wieder in die Welt der Taxis ein, um den Mythos „Taxi“ auch visuell festzuhalten. Das Ergebnis ist das Fotobuch „Taxi Drivers“, das mit persönlichen Geschichten und kulturellen Reflexionen angereichert ist.
WELT: Herr Einwanger, welche Farbe kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an „Taxi“ denken?
Einwanger: Früher hätte ich ohne Zögern Gelb gesagt.
WELT: Das liegt wohl an den ikonischen gelben Taxis in New York, die in vielen Filmen zu sehen sind.
Einwanger: Genau, Filme wie „Taxi Driver“ und „Night on Earth“ haben auch mich inspiriert, mich diesem Thema fotografisch zu widmen. Diese Filme haben einen künstlerischen Grundstein für das Thema gelegt.
WELT: Und welche Farbe assoziieren Sie heute mit Taxis?
Einwanger: Heute denke ich eher an Schwarz. Insbesondere die „Black Cabs“ in London sind legendär, aber auch in Tokio sieht man immer mehr schwarze Taxis. Sie wirken seriöser und neutraler, vielleicht auch professioneller. Die Fahrer in Tokio tragen schwarze Anzüge und weiße Handschuhe, außer wenn es regnet. In New York sind die Taxis zwar weiterhin gelb, aber es gibt zunehmend mehr „Private Hire“-Fahrzeuge, die auch oft schwarz sind.
WELT: Was fasziniert Sie so an Taxifahrern?
Einwanger: Taxifahrer sind wie Botschafter ihrer Städte und fungieren als Reiseführer. Sie kennen die besten Orte und sind zuverlässige Begleiter zu unseren Zielen. Leider nutzen viele Kunden das Taxi nur als Telefonzelle und erfahren so nichts über die besten Orte der Stadt. Dabei könnte man in einer kurzen Fahrt oft mehr erfahren als in langen Gesprächen mit Freunden. Daher ist die Ausbildung von Taxifahrern in London auch sehr anspruchsvoll und beinhaltet psychologische Schulungen.
WELT: Dennoch wird der Beruf des Taxifahrers oft herabgewürdigt. Manche sagen über Studiengänge wie Soziologie: Damit endest du höchstens als Taxifahrer…
Einwanger: Das Image von Taxifahrern ist ähnlich schlecht wie das von Gastwirten, über die man sagt: Wer nichts wird, wird Wirt. Das finde ich bedauerlich. Viele Taxifahrer werden von Kunden herablassend und respektlos behandelt. Doch ein Taxifahrer ist keine Maschine, sondern eine Persönlichkeit, die uns in seinen Raum einlädt. Durch meine fotografische Arbeit mit ihnen habe ich eine tiefe Wertschätzung für diesen Beruf entwickelt.
WELT: Die deutsche Schauspielerin Ute Lemper, die in New York lebt, beschreibt Taxifahrer in ihrem Buch als „Spiegel der Arbeiterklasse“…
Einwanger: Viele Taxifahrer gehören zur Arbeiterschicht. Für einige ist das Taxifahren eine „zweite Karriere“, weil sie ihren ersten Beruf nicht mehr ausüben können oder wollen. In Deutschland und New York haben viele Taxifahrer einen Migrationshintergrund, während in Singapur nur Einheimische Taxi fahren dürfen.
WELT: Taxifahren scheint auch ein sehr männlich dominierter Beruf zu sein.
Einwanger: Das könnte am Sicherheitsgefühl liegen, besonders in New York und Deutschland. In einem Taxi ist man auf engem Raum unter Umständen auch ausgeliefert. In Tokio und Singapur sind die Sicherheitsmaßnahmen der Städte jedoch so hoch, dass dort auch viele Frauen Taxi fahren.
WELT: Wie gehen Taxifahrer mit Leerlaufzeiten um? Sie müssen oft lange warten.
Einwanger: Am Flughafen London Heathrow oder John F. Kennedy in New York warten Taxifahrer manchmal Stunden auf einen nächsten Fahrgast. Manche nutzen diese Zeit, um eine Sprache zu lernen, andere studieren für die Universität. Manche schlafen, während andere Sport treiben. Eine Taxifahrerin in Singapur nutzt diese Zeit, um die Bedürfnisse und Schulaufgaben ihrer Kinder zu organisieren.
WELT: Was macht einen guten Taxifahrer aus Ihrer Sicht aus?
Einwanger: Er muss ein gutes Gespür dafür haben, ob der Gast auf ein Gespräch Lust hat oder seine Ruhe möchte. Taxifahrer sind jeden Tag mit 30-40 fremden Menschen auf engem Raum. Sie entwickeln daher meist ein gutes Gespür dafür. Als ich in Hamburg war und etwas erschöpft aussah, schaute mich mein Taxifahrer im Rückspiegel an und sagte: Du siehst aus, als könntest du einen Kaffee gebrauchen. Dann hielt er bei einem Café und besorgte mir einen. Das fand ich großartig.
WELT: Taxifahrer müssen auch gut weghören können, oder? Sie bekommen doch alle möglichen Geheimnisse mit: Affären am Telefon, Betrug, Lästereien über Kollegen.
Einwanger: Ja, sie besitzen die Fähigkeit, zu ignorieren. Sie müssen sich unsichtbar machen können, wenn es erforderlich ist.
WELT: Was unterscheidet den Taxifahrer in Tokio vom Taxifahrer in New York vom Taxifahrer in Berlin?
Einwanger: Es gibt einige Unterschiede. In Tokio und Singapur ist Taxifahren ein Dienstleistungsberuf par excellence. Ihr Auftrag ist es, dem Kunden zu dienen, und das bereitet ihnen keinerlei Probleme. Ein Taxi in Tokio und Singapur ist makellos sauber. Ein Taxi in New York hingegen ist oft eine Ramschbude, in der manchmal noch Reste eines Burgers auf dem Beifahrersitz liegen. Das Taxi ist dort das Wohnzimmer des Fahrers, und als Gast sollte man dankbar sein, eingeladen zu werden. In Deutschland habe ich beides erlebt.
WELT: Die Herausforderungen für die Taxi-Branche haben in den letzten Jahren zugenommen, vor allem durch die Konkurrenz von Unternehmen wie Uber. Wie groß ist die Sorge der Taxifahrer?
Einwanger: Die Taxifahrer fürchten sich nicht primär vor der Konkurrenz, aber sie fordern gerechte Wettbewerbsbedingungen. Wenn Uber-Fahrer ebenfalls eine Ausbildung absolvieren, Versicherungen abschließen und alle Abgaben entrichten müssten, dann wäre das in Ordnung. Es geht um gleiche Spielregeln für alle.
WELT: Aber hat die Taxibranche es nicht versäumt, selbst so attraktiv zu sein wie Uber? Warum sollte ich als Gast ein Taxi nehmen, wenn es viel teurer ist?
Einwanger: Ich sehe eine große Mitverantwortung bei den Konsumenten, eine moralische Entscheidung zu treffen und nicht immer nur das billigste Angebot zu wählen. Das gilt für viele Bereiche des Lebens. Wir als Konsumenten haben die größte Marktmacht und jeder sollte sich überlegen, ob er unter diesen teils ausbeuterischen Bedingungen arbeiten möchte.
WELT: Fraglich, ob Moral da wirklich hilft. Was würde der Welt ohne Taxifahrer fehlen?
Einwanger: Taxifahrer halten unsere Mobilität am Laufen. Sie führen uns möglicherweise in eine Welt ein, die uns noch unbekannt ist. Deshalb gehören Taxifahrer für mich zur „Ausstattung“ einer Stadt. Ich freue mich immer – egal wo auf der Welt – in ein Taxi zu steigen und den Fahrer zu fragen: Wie war dein Tag? Was ist gerade los in der Stadt?
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.