Kalter Wasserstoß: Wie Gegenwartsmüll einfach weggespült wird!

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Von : Larissa Vogler

Das kalte Wasser spült allen Gegenwartsmüll davon

Die erfrischende Kraft des kalten Wassers

Unter einem Wasserfall in den Voralpen lässt unser Kolumnist den täglichen Nachrichtenwahnsinn hinter sich. Ein tiefes Ein- und Ausatmen, umgeben von der Kühle des Wassers – ein wahrer Genuss.

Der Pfad führt entlang eines Flusses durch ein Tal, immer bergauf. Auf der anderen Flussseite klingen die Glocken der unsichtbaren Kühe. In der Jachenau, einer abgeschiedenen Region Bayerns nahe des Walchensees und der österreichischen Grenze, zählt nur der gegenwärtige Augenblick.

Am Glasbach-Wasserfall angekommen, ziehe ich meinen Rucksack aus und lege das T-Shirt beiseite. Die Schuhe stelle ich daneben auf den Boden und steige in das natürliche Becken unter dem Wasserfall. Ich tauche unter, bleibe dort und genieße das kalte, klare Wasser, das leicht schmerzhaft die Schläfen berührt, während es den mentalen Druck nimmt. An der Oberfläche treibe ich regungslos.

Alle Sorgen der Welt scheinen weit entfernt. Berlin, Washington, Brüssel – alles verschwunden. Friedrich, Jette, Bärbel, Karl, Lars, Alice, Frauke, Ursula und Donald – das kalte Wasser hat sie alle fortgespült.

Auftauchen. Einatmen. Ausatmen. Wieder einatmen. Untertauchen. Die Augen bleiben geschlossen.

Nachrichten, Tanzvideos, Instagram Stories, TikToks – alles ist verschwunden. Mein Handy liegt im Rucksack, hier gibt es kein Netz. Das Gerät ist nutzlos geworden. Endlich.

Die Wiedervereinigung von Oasis ist unwichtig. Das Abschiedskonzert von Ozzy Osbourne ist ebenfalls irrelevant. Der Fürst der Finsternis, der am Ende seines Lebens wie Helmut Kohl im Rollstuhl durch die Welt geschoben wird. Heterosexuelle Politiker, die von ihren Mitarbeitern gekaufte, billige Regenbogenhüte tragen, um naiv Vielfalt zu demonstrieren.

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Der Himmel ist blau-weiß. Eine Bremse beißt ein Stück Haut aus meinem Hals, um Blut, Lymphe und Zellflüssigkeit zu saugen. Nur die weiblichen Bremsen ernähren sich von Blut und Fleisch, während die männlichen Nektar und Pollen zu sich nehmen. Ich tauche unter, die Bremse ertrinkt.

In dem Song „Heart In A Cage“ von The Strokes heißt es: „I don’t want what you want, I don’t feel what you feel / See, I’m stuck in a city but I belong in a field“. Als ich 20 war, verstand ich das nicht. Ich wollte in Berlin sein, auf den Partys, unter den Menschen, in den Galerien, in den Clubs. Alles schien „neu und aufregend“, wie es in einem Song der deutschen Band Die Heiterkeit heißt. Am Ende ist alles nur Wiederholung. Die gleichen Menschen konsumieren seit 20 Jahren dieselben Drogen bei den Eröffnungen derselben Galerien und in denselben Clubs. Die Kinder dieser Menschen feiern ihren 16. Geburtstag im „Grill Royal“.

Auf dem Rückweg vom Wasserfall ins Tal mache ich Halt für ein Stück Kuchen in der Sonne auf der Terrasse der Lainlalm. Ein altes Häuschen auf der Wiese, betrieben von zwei Frauen. Ich denke an Astrid Lindgren, Patti Smith und Tove Jansson. Ein Schmetterling landet auf den Krümeln meines Tellers. Gestern noch eine Raupe im Kokon, heute ein Schmetterling bei Kaffee und Kuchen.

Am nächsten Morgen zieht ein kurzes, heftiges Unwetter auf. Am Himmel erscheint ein Regenbogen.

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