Sicherheit oder Rausch? Warum ständige Vorsicht nicht glücklich macht!

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Von : Larissa Vogler

Immer Nummer sicher macht nicht high


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Sicherheit als Lebensmotto?

Einige Menschen sind ständig auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Unsere Schreiberin gehört nicht dazu. Abenteuer erfordern das Vertrauen darauf, dass alles gut ausgeht. Ihre Annahme ist, dass wahrscheinlich alles schiefgehen wird. Doch auch sie kann nicht jedes Lebensrisiko vermeiden. Und das ist auch gut so!

Unser Tourguide trägt ein Hemd, das mit Palmen und orangefarbenen Autos bedruckt ist. In seiner Sonnenbrille spiegeln sich die steinigen, grauen omanischen Berge, und metallisch glänzende Karabinerhaken hängen an den vielen Gurten und Schlaufen, die er trägt. Ich stehe an einer Klippe, unter mir ein 19 Meter tiefer Abgrund, und unter meinen Turnschuhen rauscht ein Wasserfall. Mit routinierten Bewegungen befestigt der Tourguide Seile und Karabinerhaken an meinem Sicherheitsgurt und reicht mir ein Seil, das an einem Felsen fixiert ist. „Dies ist dein Leben. Was auch immer passiert, lass es nicht los“, mahnt er mit tiefer, ruhiger Stimme, die mich an einen Soulsänger erinnert.

Ich soll mich entlang der Wand des Wasserfalls abseilen, eine Erfahrung, die mir völlig neu ist. Ich bin im Oman, und das Hotel Jumeirah Muscat Bay hat diese Wadi-Tour organisiert. Ein Wadi ist ein Flussbett in der Wüste, das sich je nach Wetter in ein türkisfarbenes Badeparadies oder eine schlammige Lache verwandeln kann. In diesem Wadi, dem Wadi Mibam, sprudelt das Wasser die Klippe hinunter. Obwohl dies ein Touristenort ist, klingt es abenteuerlich. Alternativ könnte man auch einfach einige Treppen hinuntergehen und sich in den ruhigen Naturpool am Fuß der Klippe gleiten lassen. Doch ich habe mich für das Abseilen entschieden. Füße flach an die Wand, Gewicht nach hinten verlagern, den Körper zum Abgrund neigen und dann Schritt für Schritt absteigen.

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Es überrascht mich selbst, dass ich hier bin. Viele Menschen suchen das Abenteuer, ich normalerweise nicht. Abenteuer erfordern ein Vertrauen darauf, dass alles gut gehen wird, ein Vertrauen, das ich nicht habe. Ich gehe meist davon aus, dass etwas schiefgehen wird, sodass ich erleichtert bin, wenn es anders kommt. Diese Einstellung bringt einen durchs Leben, aber sie macht einen nicht unbedingt glücklicher. Vorsicht macht nicht high. Doch viele Menschen wollen dieses Hochgefühl erleben. Deshalb stürzen sie sich in Abenteuer, nehmen Drogen oder betreiben extremen Bergsport, auch ohne viel Erfahrung. 2025 starben in den österreichischen Bergen 309 Menschen, 2023 waren es 271. Der Alpinsport erlebt einen Boom, was man an den Unfallzahlen erkennen kann, so das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit. Vor einigen Wochen kamen bei einem Lawinenunglück in Südtirol fünf Deutsche ums Leben.

Das Risiko ist immer präsent, für Experten ebenso wie für Anfänger wie mich. Aber man kann es nicht immer vermeiden. Und manchmal muss man dem System vertrauen, und vor allem sich selbst. Ich habe mich mit meinem ganzen Gewicht nach hinten gelehnt, das Seil festgehalten und mich mit meinen nassen Turnschuhen an den Unebenheiten des Gesteins entlanggetastet. An einer Stelle gab die Wand nach, ich trat ins Leere, fiel, spürte den Wasserfall im Gesicht. Doch das Seil hielt, ebenso die Karabiner, und schließlich landete ich, pitschnass – und ein bisschen high.

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