Die Verbreitung von Kitsch und Scheinheiligkeit zu Weihnachten
In den Fenstern blinken grelle Lichter, und in den Vorgärten versuchen Plastikschneemänner, winterliches Flair zu verbreiten. Doch die Weihnachtszeit wird von einigen nicht nur als visuelle, sondern auch als thematische Belastung empfunden. Der Vorwurf lautet oft, dass es nur noch um Kommerz und Kitsch gehe. Ein Weihnachtsexperte erklärt die Hintergründe.
Weihnachtsbegeisterte lieben es, Plätzchen zu backen, Geschenke zu verpacken und festlich zu dinieren. Sie können nicht genug bekommen vom Dekorieren und von der Gemütlichkeit, die ein Weihnachtsfilm nach dem anderen bietet. Kritiker hingegen sehen in dem Fest oft nur eine oberflächliche Show und bedauern den Verlust der religiösen Bedeutung. Weihnachten erfordert eine klare Position, erklärt der Historiker und Autor Gregor von Kursell in seinem neuen Buch „Ein Fest mit vielen Gesichtern“. Hier ein Ausschnitt aus dem Kapitel „Aber Heidschi Bumbeidschi bum bum“, in dem von Kursell der Verbreitung von Kitsch und Scheinheiligkeit in der Weihnachtszeit nachgeht.
In den späten 1950er Jahren waren in den USA Christbäume aus Aluminium sehr beliebt. Diese Bäume hatten einen Stamm und Äste aus Metall, während die Nadeln aus Aluminiumfolie bestanden. Sie glitzerten im Licht und wurden oft farbig beleuchtet. Solche Christbäume galten als passend für das beginnende Zeitalter der Raumfahrt. Doch plötzlich verschwanden sie aus den Wohnzimmern, angeblich wegen Charlie Brown.
In einem Peanuts-Zeichentrickfilm von 1965 standen diese Aluminiumbäume für Kitsch und Oberflächlichkeit. Lucy forderte einen modernen Baum, am besten in Rosa. Charlie Brown, der nachdenkliche Charakter, konnte den glitzernden Bäumen nichts abgewinnen und wählte stattdessen einen kleinen, echten Tannenbaum. Zunächst wurde er dafür verspottet, doch im Laufe der Geschichte symbolisierte der echte Baum den wahren Geist von Weihnachten, während Lucys rosa Traum als Fehlgriff dargestellt wurde.
Über Geschmack lässt sich streiten…
Ob etwas als Kitsch oder als stimmungsvoller Schmuck gilt, ist subjektiv. Manche finden die grellbunte, blinkende Plastikdekoration nach US-Art scheußlich, während andere traditionelle Elemente wie Strohsterne oder Nussknacker ablehnen. Jeder kennt vielleicht ein Haus in der Nachbarschaft, das ab Ende November vollständig mit bunten Lichterketten geschmückt ist. Ob dies nun witzig oder geschmacklos ist, liegt im Auge des Betrachters.
Heutzutage können Dekoartikel kostengünstig produziert werden, und es gibt massenhaft Ware aus China, die jeden Geschmack trifft. Die Dekoration beginnt heute früher und ist umfangreicher als noch vor vierzig Jahren.
Geschichten, die zu Tränen rühren
Weihnachten beginnt mit einer Geschichte aus der Bibel, die von Erlösung spricht. Diese Erzählung über das hilflose Kind im Stall, angebetet von den Ärmsten der Armen, war lange Zeit der einzige literarische Bezug zum Fest. Doch 1843 brachte Charles Dickens mit „A Christmas Carol“ eine neue Tradition ins Spiel, die auch soziale Aspekte beleuchtete.
Dickens und später Hans Christian Andersen mit seiner Geschichte vom „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ legten den Grundstein für viele der heute bekannten Weihnachtstraditionen. Was einst ernst gemeint war, wurde jedoch oft zu einem Klischee.
Weihnachtsfilme in Serie
Tragische Schicksale sind nur eines von vielen Themen im Genre der Weihnachtsfilme. In manchen müssen Weihnachten gerettet werden, was besonders für jüngere Kinder eine ernste Angelegenheit ist. Andere Filme setzen auf Slapstick oder romantische Geschichten im Schnee.
Seit Filmen wie „Kevin – Allein zu Haus“ und „Der Grinch“ versuchen Produzenten mit geringem Budget und abgedroschenen Ideen Profit zu schlagen. Was den Geschichten an Logik fehlt, wird durch Sentimentalität und künstlichen Schnee ausgeglichen.
Glühwein für die Seele
Kitsch zu Weihnachten ist mehr als eine Geschmacksfrage; es ist ein Kampf zwischen authentischer Kunst und billiger Massenware. Aber an Weihnachten erlauben sich selbst die strengsten Kritiker eine Pause vom Alltag.
Kritik an der weihnachtlichen Kitschigkeit geht jedoch über Stilfragen hinaus. Es geht darum, dass manche sich eine perfekte Weihnachtswelt erschaffen, um den realen Problemen zu entfliehen. Doch auch kritische Stimmen, wie die von Theologen, die das Fest als zu sentimental verurteilen, können die festliche Stimmung nicht gänzlich dämpfen.
Am Ende ist Weihnachten eine Zeit, in der sich viele Menschen eine kleine Auszeit gönnen, um sich von den Strapazen des Alltags zu erholen. Ob dies verwerflich ist oder eine notwendige Pause darstellt, bleibt eine Frage der Perspektive.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
