„No-go-Area Ostdeutschland? Eine Lösung sieht anders aus!“

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Von : Larissa Vogler

„Ostdeutschland zu einer No-go-Area zu erklären, ist nicht die Lösung“

„Ostdeutschland als No-go-Zone abzustempeln, ist keine Lösung“

Fast zwei Jahrzehnte lang war Judith Rakers das Gesicht der „Tagesschau“. Heute ist sie mit Homefarming, Podcasts und Buchveröffentlichungen erfolgreich. Im Juli verlässt sie Hamburg und zieht nach Rügen. Ein Dialog über Neustarts, das Glück im Gemüsegarten und das Überwinden mentaler Barrieren.

Judith Rakers verbringt ihre letzten Tage auf ihrem Bauernhof im Norden Hamburgs. Sieben Jahre lang lebte sie dort, umgeben von Katzen, Hühnern, Pferden und anderen Tieren. Sie zog Gemüse und Obst an und wurde zur weitgehend Selbstversorgerin. Gleichzeitig entwickelte sie ihre eigene Marke „Homefarming – Judith Rakers“, die Dutzende nachhaltige landwirtschaftliche Produkte online anbietet. Seit ihrem Ausstieg bei der „Tagesschau“ 2024 widmet sie sich noch intensiver dem Landleben, das sie bald auf Rügen genießen will.

Noch diesen Monat zieht die gebürtige Westfälin auf Deutschlands größte Insel um. Ihr Umzug in eine Region, in der die AfD bei der letzten Bundestagswahl die stärkste Partei wurde, wurde von kritischen Kommentaren begleitet, was sie nicht nachvollziehen kann. Die beliebte Fernsehmoderatorin ist „voller Vorfreude und gespannt, was mich auf Rügen in den nächsten Jahren erwartet“. Während unseres Videogesprächs sitzt die 49-Jährige noch im Wintergarten ihres Hamburger Hauses. Sie spricht auch über ihr neues Kinderbuch „Judiths kleine Farm – Kleine Farm in Gefahr“ (Kosmos), in dem sie beschreibt, wie Eindringlinge alle Bewohner ihres Gartens in Unruhe versetzen.

WELT: Stehen Sie als passionierte Farmerin jeden Morgen mit dem ersten Hahnenschrei auf?

Judith Rakers: (lacht) Um Himmels willen. Wenn ich das erste Krähen höre, denke ich nur, nicht jetzt schon. Denn der erste meiner drei Hähne, die ich inzwischen habe, fängt schon um vier Uhr an, laut zu werden. Mit dem Aufgang der Sonne schreit er dann aber so vehement, dass ich nicht mehr schlafen kann. Also, spätestens um sieben bin ich aus den Federn.

WELT: Und kochen sich dann einen Kaffee, steigen in Ihre Gummistiefel und füttern Ihre Tiere?

Rakers: So ist es. Auch um selbst in Ruhe frühstücken zu können, muss ich vorher die Tiere versorgt haben. Gummistiefel ziehe ich aber nur an, wenn es stark geregnet hat, ansonsten bin ich im Garten barfuß unterwegs und freue mich jeden Morgen aufs Neue, wenn mir mein Pferd entgegenläuft oder die Hühner angaloppiert kommen.

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WELT: Ihre Hühner galoppieren?

Rakers: Es sieht sehr lustig aus, wenn Hühner schnell laufen. Sie schaukeln dann wild von links nach rechts. Man bekommt sofort gute Laune bei diesem Anblick. Dann hole ich die Eier aus dem Nest, die noch warm und schön bunt sind, weil meine Chicken-Gang auch grüne und hellblaue Eier legt. Dazu das Vogelgezwitscher und der Duft von Gras. In diesen Momenten bin ich ganz bei mir.

WELT: Aber es gibt auch Störenfriede wie Fuchs und Habicht, die sich über die Hühner hermachen wollen. In Ihrem Buch wehrt sich das Federvieh mit Katzen und Pferden gegen die Raubtiere. Was wollen Sie Ihren jungen Leserinnen und Lesern damit vermitteln?

Rakers: Dass man stärker ist, wenn man zusammenhält und solidarisch ist. Und dass man über sich hinauswachsen kann, wenn man mutig ist und auch mal ein Risiko eingeht. Die Tiere im Buch sind alle sehr verschieden und haben ganz unterschiedliche Fähigkeiten. Am Ende ist genau das die Stärke der Gruppe. Das Buch lehrt aber auch den Perspektivwechsel. Denn am Ende lernen die Kinder, warum Habicht und Fuchs angreifen. Sie haben gute und nachvollziehbare Gründe dafür. Und das bringt die kleinen Helden im Buch zum Nachdenken. Wichtig ist mir außerdem noch zu zeigen, dass man nur etwas erreichen kann, wenn man dafür etwas tut.

WELT: Legen Sie deshalb auch immer selbst Hand an auf Ihrer Farm, indem Sie um den Hühnerstall einen Elektrozaun bauen, damit der Fuchs nicht eindringen kann, oder ziehen Schutznetze über das Gehege, um den Hühnerstall vor Raubvögeln zu schützen?

Rakers: Ja, die Geschichten haben oft einen realen Hintergrund, denn die tierischen Helden meiner Bücher gibt es ja auch in der Wirklichkeit, was die kleinen Leserinnen und Leser immer besonders beeindruckend finden. Kater Jack erlebt tatsächlich Abenteuer in meinem Garten, und ich schreibe sie für die Kinder auf und vermittle dabei auf unterhaltsame und spannende Art Wissen über die Zusammenhänge in der Natur und das Leben der Tiere im Garten. Auch die Habicht-Angriffe gab es wirklich und ich habe, wie im Buch, immer mehr Sicherheitsmaßnahmen ergreifen müssen, um die Tiere zu beschützen. Am Ende musste mein Vater anrücken, um den Stall zum Hochsicherheitstrakt umzubauen. Es ist viel Realität in meinen Büchern.

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WELT: Auf Ihrer Farm steht Ihnen ansonsten niemand hilfreich zur Seite?

Rakers: Ich habe Hilfe aus der Familie, aber ich beschäftige keinen Gärtner, wenn Sie das meinen. Solange ich hier auf dem Grundstück in Hamburg lebte, kam einmal ein Gärtner für zwei Stunden, um mir zu zeigen, wie ich den Apfelbaum vor meiner Terrasse beschneiden muss. Ich tat das zuvor selbst, hatte mir das Wissen darüber aber nur angelesen und wollte sehen, ob ich es richtig machte, was ich bestätigt bekam. Das war das einzige Mal, dass ein fremder Profi das Gelände betrat. Ich bin jemand, der erst einmal alles selbst versucht, um dann auch stolz sein zu können, es allein hinbekommen zu haben. Das gilt auch fürs Schreiben. Jedes Wort in meinen Büchern kommt von mir, ebenso wie die Ideen für die Inhalte, ich bin da sehr rastlos. Mein drittes Kinderbuch ist auch schon fertig geschrieben.

WELT: Eigene Kinder können Sie damit nicht erfreuen. Macht Sie das nicht traurig?

Rakers: Als Kind war ich eine Leserratte, mein Vater aber hatte selten Zeit, mir etwas vorzulesen. Deshalb wollte ich das später anders machen, dachte immer, wenn ich eigene Kinder habe, werde ich mit denen ganz viel lesen. Es wäre natürlich sehr schön, wenn ich das tun könnte, aber es hat halt nicht sein sollen. Ich bin aber ein sehr optimistischer Mensch, der versucht, immer das Positive zu sehen. Leider habe ich keine eigenen Kinder, aber ich kann Bücher schreiben und lese für andere Kinder, von denen mir viele sehr liebevolle Briefe schreiben. Das bringt mir unheimlich viel Freude, genauso wie mein Homefarming.

WELT: George Washington, der erste US-Präsident, war auch Landwirt und sagte mal: „Ich bin lieber auf meiner Farm als Kaiser der Welt zu sein.“ Können Sie das nachvollziehen?

Rakers: Das Zitat ist interessant. Ich glaube, es tut gut, wenn jemand, der so viel Verantwortung trägt, auch eine Farm hat, denn dadurch hat derjenige automatisch eine gewisse Erdung.

WELT: Wie kamen Sie eigentlich zu Ihrer Leidenschaft des Homefarmings?

Rakers: Es waren mehrere Aspekte. Beginnend damit, dass ich mich gesund ernähren wollte. Wenn man selbst Gemüse anbaut, weiß man, okay, das ist jetzt wirklich Bio. Mein Garten mit all dem Gemüse und Obst ist so etwas wie mein Personal-Trainer. Da ich sehr viel unterwegs bin, hatte ich oft nicht die Zeit, mir etwas Frisches und Gesundes zu kaufen. Die Unabhängigkeit von Ladenöffnungszeiten und die Idee, den eigenen Bio-Supermarkt daheim zu haben, fand ich toll. Als ich noch im Schichtdienst arbeitete, habe ich mir beispielsweise, wenn ich um Mitternacht nach Hause kam, mit der Stirnlampe Kartoffeln aus dem Beet geholt, um sie mir zu kochen. Mein allmähliches Umdenken begann mit dem Kennenlernen von Wolf-Dieter Storl, …

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WELT: … dem inzwischen 84 Jahre alten, deutsch-amerikanischen Kulturanthropologen und Ethnobotaniker, der im Allgäu in einem abgelegenen Einödhof als Selbstversorger lebt.

Rakers: Dort habe ich ihn auch schon besucht. Er war vor Jahren mein Gast in der Talkshow „3nach9“ und inspirierte mich, es auch mit dem Gemüseanbau zu versuchen. Als ich dann ein Haus mit großem Garten fand, startete ich mein eigenes Selbstversorger-Projekt. Allerdings mit anderen Voraussetzungen als Wolf-Dieter Storl. (lacht) Ich hatte keinen grünen Daumen, nicht mal theoretisch Ahnung von Pflanzen – und kochen konnte ich auch nicht. Ich war deshalb sehr überrascht, dass da wirklich etwas wuchs in meinen Beeten und wie einfach alles letztlich ging. Für mich als Berufstätige ergab sich daraus auch eine unerwartete Arbeitserleichterung, da ich mir über Einkaufszeiten keine Gedanken mehr machen musste.

WELT: Wie hat Sie das Homefarming-Leben, an dem Sie Ihre fast 390.000 Follower auf Instagram häufig teilhaben lassen, als Mensch verändert?

Rakers: Ich lebe jetzt so, wie es wahrscheinlich für mich vorgesehen war. Ich bin sehr bei mir, in meiner Mitte, bin nicht mehr auf der Suche. Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein. Was sicher auch mit dem Alter zu tun hat und den gemachten Erfahrungen, sodass ich für mich sagen kann: Ich weiß jetzt genau, was ich will und was ich nicht mehr will.

WELT: Zu Ihrem W

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