Extreme dominieren die Diskussion: Das Verschwinden der Schönheit aus unserem Gespräch!

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Von : Larissa Vogler

„Niemand spricht mehr über Schönheit, es geht nur noch um Extreme“

„Heutzutage wird Schönheit durch Extreme verdrängt“

Kris Van Assche, ein namhafter Modedesigner, kreiert nicht nur Mode, sondern auch Vasen. Ein Dialog über die Ästhetik von Gegensätzen und die Lieblingsblumen seiner Großmutter.

Mimosen, Hortensien, Nelken und vor allem Tulpen: Kris Van Assche, der belgische Modedesigner und ehemalige Kreativdirektor von Dior Homme, hat eine tiefe Liebe zu Blumen. Auf seinem Instagram teilt er oft Bilder von sich und den Blumen, die er am Wochenende kauft. Diese Passion führte zur Schaffung einer Vasenkollektion aus Glas, Porzellan, Marmor und Beton für das belgische Unternehmen Serax, benannt „Josephine“ zu Ehren seiner Großmutter.

In seiner Pariser Wohnung, vor einem weißen Kamin, jedoch ohne sichtbare Blumen, spricht Kris Van Assche über seine Leidenschaft.

WELT: Sie haben einmal gesagt, dass Sie, wenn Sie kein Modedesigner geworden wären, Florist hätten werden wollen. Was fasziniert Sie so an Blumen?

Kris Van Assche: Mode und Blumen teilen eine Gemeinsamkeit: Sie sind nicht essenziell, aber sie verschönern den Alltag. Meine Großmutter brachte mir bei, wie man Kleider näht und den Tisch für das Essen schön dekoriert. Diese ästhetischen Momente prägten meine Kindheit und mein Verständnis von Schönheit.

WELT: Ist Ihre Faszination auch damit verbunden, wie Blumen ihre Form und Farbe während des Blühens und Verwelkens ändern?

Van Assche: Genau das liebe ich an Tulpen, meine Lieblingsblumen. Ich gebe ihnen immer viel Wasser, damit sie sich frei entfalten können. Mein Instagram ist voll von Bildern dieser Blumen – es ist eine echte Obsession für mich.

WELT: Sie haben einmal für einen Tag als Florist gearbeitet: Für ein Dinner der chinesischen Ausgabe des „W Magazine“ im Januar 2024 gestalteten Sie Blumenarrangements.

Van Assche: Das war eine natürliche Entwicklung meiner Modeschauen. Bei Dior hatten wir einmal ein Feld aus Rosen, bei Berluti spektakuläre Bouquets. Die Idee, die Blumen in Boxen zu arrangieren, sodass jeder Gast sie mitnehmen konnte, erwies sich als sehr erfolgreich.

WELT: Sie sagten, dass Tulpen Ihre Lieblingsblumen sind. Sie haben sogar ein Tulpen-Tattoo.

Van Assche (zeigt seinen Arm in die Kamera): Ja, hier. Ein Werk von Robert Mapplethorpe. Und auf dem anderen Arm habe ich zwei Orchideen, die Lieblingsblumen meiner Mutter.

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WELT: Was bedeuten Ihnen die Fotografien von Robert Mapplethorpe?

Van Assche: In meiner Arbeit beziehe ich mich oft auf die Schönheit der Alten Welt. Mapplethorpe konzentrierte sich auch auf dieses klassische Schönheitsideal, fügte seinen Bildern jedoch immer eine Spannung hinzu. Dies inspirierte mich bei meinen Entwürfen für die Vasenkollektion. Mein erstes Gehalt bei Dior investierte ich in eine seiner Fotografien.

WELT: Ein Blumenbild?

Van Assche: Nein, das Bild trägt den Titel „White Gauze“. Es zeigt zwei Silhouetten, eingehüllt in weiße Gaze.

WELT: Sind Ihre Vasen eher für einzelne Stiele oder ganze Bouquets gedacht?

Van Assche: Es geht darum, verschiedene Optionen zu bieten. Ich ziehe immer Parallelen zur Mode, weil das 25 Jahre lang mein Leben war. Wenn man eine Jacke oder ein Paar Turnschuhe entwirft, stellt man sich immer verschiedene Situationen vor, in denen das Kleidungsstück getragen werden kann. Mit den Vasen ist es das Gleiche.

WELT: Ich nehme an, Sie besitzen eine umfangreiche Vasensammlung.

Van Assche: Überraschenderweise habe ich gar nicht so viele schöne Vasen. Einige habe ich von meiner Großmutter geerbt. Aber die Kollektion ist tatsächlich so etwas wie die Erfüllung meiner persönlichen Wunschliste. Ich kaufe seit 30 Jahren regelmäßig Blumen. Nach einer Woche sind die meisten welk, aber es gibt stets diese eine, die zum Wegwerfen noch zu schön ist. Diese Blüte endete dann üblicherweise in einer Bierflasche. So entstand etwa die Idee, eine elegante, mundgeblasene Bierflasche zu entwerfen, in der ein einzelner Stiel ein paar Tage weiterleben kann.

WELT: Teil der Kollektion ist auch die Beton-Replik eines Erbstückes, dann wiederum gibt es Glas, Porzellan und versilbertes Porzellan, außerdem Marmor. Welche Idee hält die Kollektion zusammen?

Van Assche: Mein Ursprungskonzept waren Vasen aus verschiedenen Materialien, jeweils kombiniert mit einer Blume aus demselben Material. An einem Punkt des Entwicklungsprozesses musste ich akzeptieren, dass meine Idee der Marmor-Blume nicht funktionieren würde. Es wurde dann eine Blume aus mundgeblasenem Glas – und was kann es Schöneres geben? Porzellan, mundgeblasenes Glas, Marmor: Diese traditionellen Materialien sind eng mit dem Konzept der Schönheit der Alten Welt verbunden. Und dazu wollte ich einen Kontrast finden. In meiner Arbeit geht es immer um Kontraste. Ich mag perfekt geschneiderte Anzüge, aber ich versehe sie immer mit einem Twist, denn Anzüge gibt es schließlich genug. So kam Beton ins Spiel, um das Ganze zu kontrastieren. Die Idee mit der Marmor-Blume hat mich allerdings nicht losgelassen. Ich dachte an meine Kindheit zurück. Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, kaufte ich meiner Mutter von meinem Taschengeld eine Orchideenblüte, die in einem kleinen Karton verpackt war und in einem Plastikröhrchen mit Wasser steckte. Die lange Phiole aus metallisiertem Glas ist eine Referenz an diese billigen Röhrchen. Ich mag den Kontrast mit Beton und Marmor. So hat sich das Zusammenspiel von Form und Material über ein Jahr hin entwickelt. Manches ist großartig, bei manchem musst du akzeptieren, dass es nicht umsetzbar ist – und das wiederum bringt dich auf neue Ideen.

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WELT: Die Bonbonniere ist eine Art Chimäre zwischen Vase und Geschirr. Soll man sie mit Blüten befüllen oder doch eher mit Pralinen?

Van Assche: Die Bonbonniere ist das wohl altmodischste Objekt, das ich je entworfen habe. Es steht für Stil und Eleganz, nichts verkörpert die Idee der Schönheit der Alten Welt so sehr wie sie. Ich habe ihr in Beton ein ganz neues Leben gegeben. Sie ist eines der Stücke, die ich von meiner Großmutter geerbt habe. Und das ist für mich eine Art, sie zu ehren. Es ist nicht an mir zu entscheiden, ob die Menschen sie mit Pralinen oder etwas anderem befüllen. Man muss loslassen. Man kann sich seine Kunden und wie sie mit deinen Entwürfen umgehen, nicht aussuchen. Aber ich fände es großartig, wenn wer immer meine Vasen kauft, zu Hause ein Bild macht, es auf Instagram postet und mit meinem Namen tagt. So kann ich verfolgen, wie meine Ideen dort weiterleben. Das wäre für mich die ultimative Belohnung.

WELT: Welchen Einfluss hatte Ihre Großmutter Josephine auf Sie?

Van Assche: Meine Großmutter verkörperte wie niemand sonst die Schönheit der Alten Welt: Sie hätte niemals das Haus verlassen, ohne perfekt gekleidet zu sein, mit Hut und Handschuhen. Egal, ob Mittagessen oder Dinner, der Tisch war immer schön gedeckt. Diese Haltung war für sie eine Lebensentscheidung. Und diese Haltung hat sie mir nahe gebracht, als ich noch ein Kind war. Ich erinnere mich an diese großen Familien-Dinner mit üppigem Blumenschmuck, Kerzenständern, dem ganzen Programm. Sie ließ mich die Blumen arrangieren. Sie forderte und förderte mich. Meine Großmutter half mir, meine Entwürfe zu nähen, als ich Student war. Später kam sie immer nach Paris, um meine Shows zu sehen, selbst als sie schon 90 war.

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WELT: Was waren die Lieblingsblumen Ihrer Großmutter?

Van Assche: Da hatte sie keine besonderen Vorlieben, Hauptsache üppig und farbenfroh. Meine Großmutter war keine Minimalistin. Was natürlich etwas in Widerspruch zu dieser Kollektion steht. Ich spiele gern mit Widersprüchen. Sie war stolz auf mich bei allem, was ich tat, auch wenn sie diese Vasen nicht unbedingt gekauft hätte. Aber darum geht es auch nicht, sondern darum, dass sie mir den Sinn für Ästhetik, diese geistige Haltung vermittelt hat.

WELT: Und Sie selbst? Haben Sie eine Lieblingsfarbe, was Blumen angeht?

Van Assche: In den vergangenen 30 Jahren habe ich viele unterschiedliche Phasen durchlaufen. Heute will ich einfach nur überrascht werden – was wirklich schwer ist. Hier in Paris gibt es einen großartigen Floristen, Castor, der sehr gut darin ist, Harmonien voller Widersprüche zu kreieren. Und Mark Colle, der belgischen Blumenkünstler, der die Arrangements für die Bilder der Vasen gemacht hat, hat diese magische Gabe, Chaos und Harmonie zu verbinden. Manchmal kaufe ich schicke Bouquets, wenn ich mir etwas gönnen möchte, aber normalerweise belohne ich mich jede Woche nach dem Lebensmitteleinkauf, den ich wirklich hasse, auf dem Markt mit drei Bündeln Blumen, die nicht wirklich zusammenpassen. Aber ich mag diesen Konflikt. Das ist etwas, das ich auch in der Mode angewandt habe. Wenn sich kontrastierende Ideen gegenüberstehen, nimmt man jede für sich besser wahr. Wenn alles zu süß und couturig ist, dann schaltet man ab. Mit Blumen ist das ähnlich. Kontraste führen dazu, dass man die Blumen anders wahrnimmt. Ansonsten sieht man nur ein Bündel Farbe.

WELT: Auch Blumen durchlaufen modische Phasen. Eine Zeit lang waren Orchideen ein Sinnbild für Eleganz, dann wurden sie zu Bau- und Supermarktware, später zum Inbegriff von Sterilität. Welche ist die Blume der Stunde?

Van Assche: He

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