Bologna Kinderraub: Mutmaßliche Täter berufen sich auf den Papst

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Von : Jonas Reichert

Die Bologna-Entführung

                    Kinderraub "im Namen des Papstes"

Ein Film über Macht und Moral wird erstmals im Free-TV gezeigt: ARTE bringt das Historiendrama Die Bologna-Entführung – Geraubt im Namen des Papstes ins Programm und rückt einen kaum bekannten Skandal des 19. Jahrhunderts wieder ins öffentliche Bewusstsein. Warum das heute noch wichtig ist: Der Fall berührt Fragen staatlicher Gewalt, religiöser Autorität und der Stellung jüdischer Bürger im aufbrechenden Italien der Risorgimento-Zeit.

Ein Junge zwischen Glaubensanspruch und Elternliebe

Im Zentrum steht die Familie Mortara aus Bologna. Soldaten, die im Auftrag des Papstes handeln, holen den siebenjährigen Edgardo aus seinem Elternhaus und bringen ihn nach Rom. Der Grund: Eine früher erfolgte, heimliche Taufe durch die Amme habe den Jungen zu einem Christen gemacht, weshalb das Kirchenoberhaupt nun seine Obhut fordert.

Die Eltern, gespielt von Barbara Ronchi und Fausto Russi Alesi, wehren sich verzweifelt. Unterstützung erhalten sie von der liberalen Presse und der lokalen jüdischen Gemeinschaft — doch der Papst, dargestellt von Paolo Pierobon, bleibt unbeirrt. Die dargestellte Auseinandersetzung ist weniger ein Hörensagen als ein dokumentierter Konflikt, der zu einer tiefen moralischen und politischen Debatte führte.

Historischer True-Crime in filmischer Form

Regisseur Marco Bellocchio, inzwischen 86, verfilmt die Geschichte 2023 als opulentes Drama, das mehr als nur ein Gerichtsstück ist: Es ist ein Blick auf die Selbstherrlichkeit kirchlicher Macht und auf die politischen Spannungen jener Jahre. Die Handlung spielt in der Zeit des Risorgimento, als Italien sich von Kleinstaaterei und kirchlicher Dominanz befreien wollte — ein Umbruch, der den Fall Mortara zusätzlich auflud.

Bellocchio kombiniert akribische Ausstattung mit einem stringenten Erzähltempo. Visuell setzt der Film auf detailreiche, oft prächtig komponierte Szenen, die den Kontrast zwischen privatem Leid und institutioneller Autorität betonen. Kritiker lobten die Inszenierung; das Werk sammelte mehrere Auszeichnungen ein.

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Die Rolle des jungen Edgardo spielt Enea Sala. Sein Schicksal wird nicht nur als juristischer Konflikt gezeigt, sondern als menschliche Tragödie, die Familienbanden, Glaubensfragen und gesellschaftliche Machtverhältnisse aufeinanderprallen lässt.

Besonders aktuell wirkt der Film durch seine thematische Nähe zu heutigen Debatten über institutionelles Versagen und den Schutz von Minderheiten. Dass die Geschichte einer jüdischen Familie im Mittelpunkt steht, verleiht ihr zusätzliches Gewicht vor dem Hintergrund wieder aufflammender antisemitischer Vorfälle in Europa.

Die Bologna-Entführung – Geraubt im Namen des Papstes läuft als Free-TV-Premiere bei ARTE: So., 10.05., 20.15 Uhr.

Wer den Film sieht, bekommt keinen aufgesetzten Historienstreifen, sondern ein politisches Drama, das Fragen danach stellt, wem der Staat und wem die Kirche die Sorge um Kinder zuschreiben dürfen — und wie weit religiöser Anspruch gehen kann, wenn er auf Kosten von Familien und Grundrechten durchgesetzt wird.

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