Mit 16 verlor Anna bei einem schweren Unfall ein Bein – fünf Jahre später bestimmt anhaltender Schmerz ihren Alltag. Der Fall zeigt zwei drängende Probleme zugleich: wie belastend chronische Phantomschmerzen sein können und wie viel Alltagshürden Menschen mit Amputation noch überwinden müssen.
Anna Heß ist 21 und spricht nur sparsam über den Unfall. Sie lag zwei Wochen im Koma; währenddessen wurde das verletzte Bein amputiert. Ärztinnen und Ärzte erklärten ihr später, dass ihr Zustand zeitweise lebensbedrohlich gewesen sei.
Medikamente helfen – und belasten
Seit der Operation nimmt Anna verschiedene Präparate: starke Schmerzmittel, darunter Opiate, und Medikamente gegen Krämpfe im Stumpf. Diese Kombination reduziert die akuten Schmerzen nur teilweise.

Die Nebenwirkungen sind jedoch deutlich: Anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und ein Gefühl wie in einer dauerhaften Dämmerung. „So viel Kaffee ich auch trinke – richtig wach werde ich nicht“, sagt sie.
Therapieversuche und ihre Grenzen
In der Reha probierte Anna unter anderem die Spiegeltherapie aus, die bei einigen Betroffenen Linderung bringt. Bei ihr blieb der Effekt aus; die Empfindung, dass der Fuß noch vorhanden sei, blieb bestehen.
Ärzte sehen kaum Hoffnung auf vollständiges Verschwinden der Schmerzen: Für viele Menschen mit ihrem Schadensbild sind die Beschwerden chronisch.
| Aspekt | Status |
|---|---|
| Unfall und Behandlung | Mit 16 Unfall, zwei Wochen Koma, Amputation während der Klinikphase |
| Beschwerden | Phantomschmerzen, Stumpfkrämpfe, dauerhaftes Jucken |
| Medizinische Maßnahmen | Opiate, krampflösende Medikamente, Spiegeltherapie (ohne Erfolg) |
| Mobilität | Krücken; Prothese wegen Krämpfen nicht dauerhaft nutzbar |
| Soziales | Seit März 2024 in neuer Beziehung; Partner unterstützt sie aktiv |
Anna verzichtet größtenteils auf eine ständige Prothese. Wegen wiederkehrender Krämpfe und Unbehagens kam die Anpassung für sie nicht infrage; stattdessen bewegt sie sich mit Krücken und nutzt zum Entlasten gelegentlich einen Rollstuhl.
Alltag zwischen Barrieren und Selbstständigkeit
Zu Hause meistert Anna viele Dinge allein und hat einen Rollstuhl, um das intakte Bein zu entlasten. Nach draußen aber treten die Probleme stärker zutage: Kopfsteinpflaster, enge Laden-Eingänge und schlechte Zugsteige erschweren ihr die Mobilität.

In Erfurt, wo sie eine Ausbildung zur Medienkauffrau macht, funktioniert der Nahverkehr vergleichsweise gut. Auf Reisen zu ihrer Familie in Hessen merkt sie jedoch, wie groß die Unterschiede sind: hohe Bahnsteige, ungünstige Abstände und runde Geländer, an denen sie sich nicht leicht hochziehen kann.
- Hindernisse im öffentlichen Raum: Kopfsteinpflaster, Stufen, enge Türen
- Mobilitätsbedarf: Wunsch nach Führerschein und behindertengerechtem Auto – bisher finanzielle Hürde
- Assistenz: Kämpfen um Unterstützung; sie musste anderthalb Jahre um Assistenzleistungen streiten
Beziehung und Alltag
Die Beziehung zu ihrem Freund Max ist ein zentraler Rückhalt. Er kennt Anna ausschließlich so, wie sie jetzt ist – für ihn steht sie als Person im Vordergrund. Vor seinem Eltern stellte er sie absichtlich nicht mit der Amputation vor, weil er wollte, dass sie zunächst ohne Etikett wahrgenommen wird.
Gemeinsam unternehmen sie auch sportliche Aktivitäten; Anna war vor dem Unfall sehr aktiv (Fußball, Volleyball, Joggen) und hat Wege gefunden, körperlich tätig zu bleiben. Schwimmen hilft ihr körperlich am meisten, weil es den Stumpf entlastet.
Perspektiven und Ratschläge
Anna beschreibt, wie wichtig ein stabiles soziales Netz ist. Ihr Rat an andere in ähnlicher Lage: Sucht Menschen, die Energie geben statt nehmen – und mit denen man auch über die eigene Behinderung lachen kann.
Sie betont die Bedeutung von Barrierefreiheit im Alltag: Nicht nur große bauliche Veränderungen sind gefragt, sondern auch das Bewusstsein für die vielen kleinen Hindernisse, die Betroffene täglich überwinden müssen.
Für Leserinnen und Leser, die sich mit dem Thema beschäftigen möchten, hier kurz zusammengefasst, was jetzt zählt:
- Schmerzmanagement und Nebenwirkungsmanagement sind zentrale medizinische Herausforderungen.
- Reha-Maßnahmen und alternative Therapien helfen nicht immer – individualisierte Ansätze sind nötig.
- Barrierefreiheit im Verkehr und in Geschäften ist entscheidend für Teilhabe.
- Soziale Unterstützung (Partner, Freunde, Assistenz) beeinflusst Lebensqualität maßgeblich.
Annähernd fünf Jahre nach dem Unfall bleibt Anna aktiv: Sie kocht, zeichnet, näht, trifft Freunde und verfolgt Sportereignisse – oft zusammen mit Max. Trotz chronischer Symptome zeigt ihr Alltag, wie viel Eigenständigkeit und Normalität auch nach einer Amputation möglich sind.
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Johanna Feldner ist Paartherapeutin und bietet praktische Ratschläge, um Beziehungen stark und harmonisch zu halten. Sie glaubt, dass Kommunikation der Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft ist.
