Gehhilfen müssen nicht nur praktisch, sondern können auch schön sein
Junge Designer widmen sich den Herausforderungen einer stetig alternden Bevölkerung. Sie kreieren ästhetisch ansprechende Krücken und Gehhilfen sowie Navigationsgeräte für Senioren. Zudem entwerfen sie kühne Kappen mit Aufschriften wie „Endstation“.
Manchmal beginnt Innovation mit einem Missgeschick oder sogar einem Fehlschlag. Dies war der Fall bei der Einführung der Mercedes A-Klasse im Jahr 1997, deren Markteinführung durch das Scheitern im sogenannten „Elchtest“ beeinträchtigt wurde. Dies lag daran, dass der hohe Schwerpunkt des kompakten Fahrzeugs unterschätzt wurde. Ursprünglich als trendiges Auto für eine moderne Familie beworben, stellte sich heraus, dass die tatsächliche Zielgruppe vor allem aus älteren Menschen bestand. Fahrzeuge wie die A- und später die B-Klasse wurden zu Pionieren bezüglich der Sitzhöhe, die auch älteren Personen das Einsteigen erleichtert. Heute ist dies eine gängige Praxis.
Die Überalterung der Gesellschaft führt nicht nur zu finanziellen Herausforderungen – es werden beispielsweise binnen der nächsten 25 Jahre 280.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt – sondern auch zu neuen Aufgaben in der Gestaltung des Alltags. Hier setzen junge Designer an, indem sie sich mit der Entwicklung von Produkten und Möbeln für ältere und kranke Menschen beschäftigen.
Bei den Finalisten des Rimowa-Design Awards im Berliner Gropiusbau standen drei von sieben Projekten im Zeichen von Alter, Krankheit und Tod. Zu den ausgezeichneten Arbeiten gehörten eine selbststehende, stilvolle Krücke, ein Notfallknopf für Menschen mit Demenz und ein Gerät, mit dem Sterbende ihren digitalen Nachlass für Angehörige ordnen können.
Wissenstransfer neben dem Preisgeld
Die Übernahme von Rimowa durch den französischen Luxuskonzern LVMH im Jahr 2016 macht den Designwettbewerb, den das Unternehmen ausrichtet, besonders sinnvoll. Die Jury ist hochkarätig besetzt und bietet den Finalisten neben Preisgeldern auch die Möglichkeit, von erfahrenen Mentoren zu lernen und direkt von deren Kompetenzen zu profitieren.
Jonas Crämer spricht über seine Erfahrungen mit seiner Mentorin Mahret Ifeoma Kupka, die als Kuratorin am Museum für angewandte Kunst in Frankfurt tätig ist. Crämers Projekt „Compath“, eine Navigationshilfe für Menschen mit Demenz, beeindruckte durch seinen einfühlsamen Ansatz und das Ziel, die Krankheit zu entstigmatisieren.
Gehhilfen im Stil von „Paris“ und „Mailand“
Trotz guter Absichten kann das Design von Produkten für ältere oder kranke Menschen diese unfreiwillig stigmatisieren. Die Designerin Elke Jensen bietet jedoch luxuriöse Einkaufs- und Gehhilfen für 1650 Euro an, die in den Modestädten „Mailand“ und „Paris“ erhältlich sind. Sie verkaufen sich über die Schweizer Plattform Finally, die das Lebensende in das Leben integriert und dabei Empathie und Humor betont.
Die demografische Entwicklung ist seit Langem bekannt und wurde bereits vor über zwei Jahrzehnten in dem Buch „Das Methusalem-Komplott“ thematisiert. Die Anpassung an die Bedürfnisse älterer, kranker und behinderter Menschen zeigt sich in Produkten wie den Fly Ease Sneakers von Nike und einer Rollstuhlfahrer-kompatiblen Kollektion von Tommy Hilfiger. Auch Ikea hat spezielle Möbelstücke entwickelt, die den Alltag erleichtern sollen.
Sophie Ludwig, eine weitere Finalistin des Rimowa-Preises, hat ein elegantes Projektionsobjekt für die digitale Nachlassplanung entworfen. Ludwig betont die Bedeutung von Verantwortung über Selbstinszenierung hinaus und vergleicht ihr Projekt mit einem Bilderbuch, das man mit der Familie teilt.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
