Die Rückkehr der greifbaren Knöpfe: Ein neuer Trend?
In einer Welt, die von Touchscreens dominiert wird, entsteht im Silicon Valley und unter Designern eine Bewegung, die sich nach klassischen, fühlbaren Knöpfen sehnt.
Selbst 20 Kilometer von Braunschweig entfernt macht sich die Zukunft breit, die möglicherweise schon der Vergangenheit angehört. An der Autobahnraststätte Königslutter neben einem McDonalds: Es sind noch einige Stunden Fahrt vor einem, also warum nicht einen Kaffee nehmen? Bestellautomaten dominieren den Eingangsbereich. Doch der Bildschirm reagiert träge, die Berührungen werden zunehmend frustrierter, bis der Bildschirm schließlich einfriert. Die Lust auf einen Kaffee – oder überhaupt eine Pause – schwindet. Das Fehlen jeglichen Feedbacks vom Touchscreen hinterlässt ein Gefühl der Leere, keine Verbindung zur Außenwelt.
Die Technologieindustrie überdenkt momentan, ob sie eine ihrer größten Innovationen rückgängig machen sollte. Ist das Zeitalter der Touchscreens vielleicht vorbei? Das „Wall Street Journal“ hat bereits die „Rebuttonization“, also die Rückkehr der haptischen Knöpfe, ausgerufen. Auch die bekannte Tech-Bloggerin Taylor Lorenz sieht eine Rückkehr zu physischen Bedienelementen voraus.
Im Silicon Valley zeigen sich erste zarte Anzeichen dieser Gegenbewegung. Einige E-Reader sind wieder mit Blätterknöpfen ausgestattet, das iPhone 16 besitzt erneut einen physischen Auslöser für die Kamera. Auch die Automobilindustrie strebt nach weniger Bildschirmen im Cockpit. Volkswagen kündigte an, vermehrt Knöpfe einzubauen, und die EU-Sicherheitsorganisation NCAP warnt Hersteller sogar davor, ihre Fahrzeuge schlechter einzustufen, wenn sie zu viele Touchscreens verwenden. Der Grund: Sicherheitsbedenken. Das Wischen und Tippen während der Fahrt lenkt ab. Haptisch spürbare Knöpfe an gewohnten Stellen bieten in kritischen Momenten Ruhe und Sicherheit.
Was treibt die neue Begeisterung für Knöpfe an? Medienwissenschaftlerin Rachel Plotnick führt dies auf eine „Bildschirmmüdigkeit“ zurück, die sich über Jahre hinweg entwickelt hat. Wir starren täglich auf grelle Bildschirme, wodurch ein Hunger nach physischen Knöpfen entstanden ist. Der Knopf ermöglicht es uns, unsere tägliche Existenz teilweise zu enttechnologisieren. In einer komplexen Welt, die unzählige Möglichkeiten bietet, stellt der Knopf eine Reduktion dieser Komplexität dar. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: drücken oder nicht drücken.
Kinder lieben es, Knöpfe zu drücken. Sie streiten sich sogar darum, wer den Knopf drücken darf. Im Aufzug, im Bus, an der Waschmaschine – jedes Gerät mit Knöpfen ist ein großes Abenteuer, und jeder Druck eine tiefgreifende Erfahrung. So lernt das Kleinkind: Wenn ich dies tue, passiert das. Eine sich verändernde Außenwelt (der Aufzug setzt sich in Bewegung, der Bus hält an, die Waschmaschine startet) ist das direkte Ergebnis der eigenen Handlung. Welch ein schönes, ermächtigendes Gefühl!
Vielleicht drückt auch der US-Präsident Donald Trump deshalb so gerne den Knopf. Mit seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus ließ er wieder einen roten Knopf installieren, auch bekannt als der „Diet Coke-Knopf“. Ein Druck darauf, und ein Bediensteter bringt binnen Sekunden ein gekühltes Glas Cola Light. Müsste er dafür auf einem Touchscreen herumtippen, wäre es nur halb so amüsant.
In einer hochtechnisierten Welt wird alles Haptische wieder wertvoll, weil es selten geworden ist. Touchscreens, die mittlerweile allgegenwärtig sind, wirken billig, so der Autor Christopher Mims im „Wall Street Journal“. Sie erfüllen nicht das menschliche Bedürfnis nach einer resonanzerfahrenden Interaktion, wie es der Soziologe Hartmut Rosa beschreiben würde. Kleine Bildschirme lösen die Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt nicht auf, sondern verstärken sie sogar. Daher formieren sich im Alltag kleine Gegenbewegungen, die gegen diese Leere ankämpfen. Urban Gardening und Keramikworkshops sind wohl das Ergebnis der Frustration, mit den Händen in der modernen Welt nichts Greifbares mehr erschaffen zu können. Der Kontakt zum Materiellen wird gesucht, um sich selbst wieder zu spüren. Auch in der Psychotherapie gehört taktile Stimulation zum festen Bestandteil.
Der Kaffee in Königslutter wurde dann doch irgendwie bestellt, also kann es zurück auf die Autobahn gehen. Die Straße ist frei, der Nachthimmel klar. Im Radio läuft „Joanna“ von Omah Lay. Nur zu leise. Zum Glück gibt es im Mini Cooper noch einen Lautstärkeregler. Es ist ein Knopf.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
