Der Hundeprofi Martin Rütter warnt: Wer seinem Hund aus Emotionen heraus begegnet, macht es oft schlimmer statt besser. In einem aktuellen Gespräch nennt er die drei zentralen Erziehungsfehler, die heute besonders häufig entstehen – und erklärt, warum viele Besitzer nach der Pandemie mit überforderten Tieren dastehen.
Die Zahl der Hunde in deutschen Haushalten ist seit 2020 deutlich gestiegen. Rütter sieht darin den Grund für einen Anstieg an Verhaltensproblemen: Viele Menschen hätten zwar gute Absichten, brächten den Vierbeinern aber nicht die notwendige Struktur bei. „Wenn es um Hunde geht, werden viele Menschen irrational“, sagt er und fordert klarere Regeln statt Gefühlsexzesse.
Was Hundebesitzer jetzt wissen sollten
Rütter betont, dass nicht jeder Fehler gleich dramatisch ist. Drei Muster aber wiederholen sich immer wieder – und sie lassen sich mit einfachen Prinzipien deutlich entschärfen.
1. Inkonsistenz: Die Regeln wechseln täglich
Viele Halter reagieren situativ: Gestattet wird, was im Moment sympathisch oder bequem erscheint. Das vermittelt Hunden Unsicherheit. Ohne vorhersehbare Grenzen kann ein Tier nicht zuverlässig lernen, welches Verhalten erwünscht ist.
Konkreter Rat von Rütter: Feste Abläufe einführen, klare Kommandos nutzen und alle Familienmitglieder auf eine Linie bringen. Kleine Rituale – etwa immer dieselbe Reihenfolge beim Leinenanziehen, Füttern und Spaziergang – helfen dem Hund ebenso wie den Menschen.
2. Vermenschlichung: zu viel Mitleid, zu wenig Führung
Wer einen Hund ständig wie ein Familienmitglied mit menschlichen Motiven behandelt, riskiert, seine natürlichen Bedürfnisse zu ignorieren. Schmuseüberschuss, Belohnung für störendes Verhalten oder das Vermeiden von Korrekturen führen oft zu Stress oder Dominanzproblemen.
Rütter warnt davor, unerwünschtes Verhalten mit Toleranz zu belohnen. Stattdessen plädiert er für konsequentes Belohnungstraining: Lob und Leckerli, wenn der Hund das Richtige macht, verbunden mit klaren Grenzen, wenn er sie überschreitet. Das sei keine Härte, sondern verlässliche Kommunikation.
3. Fehlende Sozialisierung und zu spätes Eingreifen
Zu viele Hunde erleben in wichtigen Lernphasen wenige Reize und Begegnungen – das zeigt sich später an Leinenaggression oder ängstlichem Verhalten. Rückt das Problem erst Jahre später ins Blickfeld, sind die Lösungen aufwändiger.
Praktischer Tipp: Frühzeitig in kontrollierten Situationen Kontakt mit Artgenossen und Alltagssituationen üben. Bei ersten Auffälligkeiten lieber früh einen Profi hinzuziehen als später verzweifelt zu reagieren.
Rütter verweist darauf, dass Training nicht nur aus Übungen besteht, sondern auch aus der Haltung der Besitzer. Wer seine eigene Nervosität abbaut, überträgt Ruhe auf den Hund.
Prominente Hunde als Lehrstück
Als Beispiel für die öffentliche Wahrnehmung nennt Rütter die Beagles des Profifußballers Toni Kroos. Die mediale Aufmerksamkeit für Promi-Hunde schaffe oft unrealistische Erwartungen an das Zusammenleben: „Wenn das Bild vom perfekten Haustier dominierend ist, werden Probleme schnell bagatellisiert oder falsch interpretiert“, so Rütter.
Solche Fälle zeigten auch: Verantwortung für ein Tier ist keine Selbstinszenierung. Gute Haltung bedeutet, Bedürfnisse zu erkennen und konsequent zu handeln – unabhängig davon, wie beliebt das Haustier auf Social Media ist.
Frauen und Männer — gibt es Unterschiede?
Auf die Frage, ob Frauen generell besser mit Hunden umgehen könnten, antwortet Rütter aus seiner Erfahrung: Ja, tendenziell. Er erklärt das nicht biologisch, sondern kulturell: Frauen nähmen Körpersprache und feine Signale oft schneller wahr und zeigten mehr Geduld bei wiederholten Lernschritten.
Wichtig sei jedoch: Geschlecht entscheide nicht über Erfolg. Konsequenz, Empathie und Lernbereitschaft sind die entscheidenden Faktoren, die jede Person erlernen kann.
Für Leserinnen und Leser bedeutet das: Wer Schwierigkeiten mit dem Hund erkennt, sollte nicht warten. Frühe Beratung, regelmäßiges Training und verlässliche Routinen reduzieren Stress für Mensch und Tier – und sparen langfristig Zeit und Geld.
Praktische Checkliste
- Regeln vereinbaren: Familie abstimmen, gleiche Kommandos verwenden.
- Routinen schaffen: feste Fütterungs- und Ausgehzeiten.
- Belohnungsbasiert arbeiten: unerwünschtes Verhalten ignorieren, erwünschtes verstärken.
- Früh sozialisieren: kontrollierte Kontakte und Umweltreize anbieten.
- Bei Problemen einen qualifizierten Trainer konsultieren, statt abzuwarten.
Rütter fasst zusammen: Gute Hundehaltung ist kein Glück, sondern Handwerk. Wer das lernt, sorgt für ein entspannteres Miteinander – und verhindert, dass aus Liebe zu einem Haustier langfristig Frust wird.
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Jonas Reichert ist ein leidenschaftlicher TV-Kritiker, der die neuesten Shows und Serien analysiert. Mit Fachwissen und Humor bringt er seinen Lesern die faszinierende Welt des Fernsehens näher.
