Die Auseinandersetzung mit der sogenannten Midlife-Crisis hat im Kino und im TV ein neues, sehr nahbares Gesicht bekommen: Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellerromans zeigt, wie Paarbeziehungen in den Vierzigern aus dem Gleichgewicht geraten können – und warum das Thema gerade jetzt viele Zuschauer anspricht. 3sat wiederholt die Komödie, zudem ist der Film in der ZDF-Mediathek verfügbar, was die Diskussion über Lebensumbrüche wieder in die öffentliche Wahrnehmung rückt.
Die Vorlage stammt aus dem Bestseller von Maxim Leo und Jochen‑Martin Gutsch (2018); verfilmt wurde die Geschichte 2021. Im Mittelpunkt stehen das Ehepaar Paul und Emilia: Er ist Schriftsteller, sie erfolgreiche Schauspielerin. In den Hauptrollen überzeugen Christoph Maria Herbst und Christiane Paul mit einer Mischung aus Komik und verletzlicher Authentizität.
Regisseur Florian Gallenberger und Drehbuchautor Malte Welding spielen mit bekannten Motiven – vom balancierenden Familienvater bis zur jugendlichen Sehnsucht nach Neuerfindung. Doch die Komödie bleibt nicht bei flachen Klischees: Zwischendurch nimmt sie sich Zeit für große Gefühle und reale Beziehungskonflikte.
Krisenmodus an
Im Film wird die Lebenskrise der Mittvierziger öfter mit dem Begriff *Alterspubertät* umschrieben: mal als vermeintliche biologische Erklärung, mal als kulturelles Phänomen. Ein Freund reicht dem gestressten Paul eine Reihe drastischer Erklärungen zu Hormonveränderungen – die Pointe sitzt, weil die Szene die Unsicherheit der Figur sichtbar macht.
Die Situationskomik entsteht oft aus kleinen Alltagsbildern. Paul versucht, seine Jugend zurückzuholen, und scheut dabei weder peinliche Experimente noch absurde Rituale; die Szenen sind so zugleich komisch und fremdschämig. Für Emilia entwickelt sich die Lage anders: Eine Affäre bringt sie dazu, die Ehe zu hinterfragen und eine Auszeit zu fordern. Die Folge ist eine emotionale Kluft, die nicht nur die Partner, sondern auch ihre drei Kinder trifft.
Unterstützt wird das Paar von Figuren, die typische Reaktionen auf eine Midlife‑Krise spiegeln: der verführerische Neue, der gut gemeinte Kumpel, die ratlosen Familienmitglieder. Jürgen Vogel und Peter Jordan sind in Nebenrollen zu sehen; Nicola Perot spielt den Fremdgeh‑Gegenpart, der die Spannungen eskalieren lässt.
Humor und Drama wechseln sich ab. Nach der Halbzeit verliert die Komödie stellenweise etwas an Tempo, doch die Mischung aus schrillen Momenten und ehrlichen Passagen gibt dem Film Gewicht über die reinen Gag‑Szenen hinaus.
Warum das jetzt wichtig ist: Viele Menschen in den Vierzigern erleben ähnliche Umbrüche – sei es beruflich, körperlich oder in der Partnerschaft. Filme wie dieser bieten einen Spiegel und eröffnen Gesprächsöffnungen zu einem Lebensabschnitt, der häufig tabuisiert wird.
Es ist nur eine Phase, Hase läuft am Sonntag, 21. Juni, um 21:45 Uhr auf 3sat; außerdem steht der Film in der ZDF‑Mediathek zum Abruf bereit.
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Jonas Reichert ist ein leidenschaftlicher TV-Kritiker, der die neuesten Shows und Serien analysiert. Mit Fachwissen und Humor bringt er seinen Lesern die faszinierende Welt des Fernsehens näher.
