Der Vorwurf gegen Christian Ulmen, den seine Ex-Frau Collien Fernandes kürzlich angezeigt hat, macht ein aktuelles Problem sichtbar: Wenn intime Grenzen in Partnerschaften digital verletzt werden, betrifft das nicht nur das Privatleben, sondern auch Recht und Sicherheit. Warum das jetzt relevant ist: Solche Fälle zeigen, wie schnell Vertrauen untergraben wird und wie wenig vorbereitet Betroffene oft auf digitale Übergriffe sind.
Fernandes berichtet nach Medienangaben, es habe über längere Zeit manipulierte Profile und gefälschte Nacktbilder gegeben, mit denen Dritte kontaktiert wurden. Der Beschuldigte hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert; rechtlich gilt die Unschuldsvermutung.
Vertrauen ist in engen Bindungen die Grundlage für Alltagsplanung, Intimität und Sicherheit. Psychologe Christian Hemschemeier sagt, solche Verletzungen würden bei vielen Betroffenen als Angriff auf die eigene Identität empfunden. Die Erfahrung, dass intime Bilder oder Nachrichten ohne Einverständnis verbreitet werden, zerstöre häufig das Gefühl eines sicheren Rückzugsraums.
Warum diese Form der Gewalt anders wirkt
Expertinnen und Experten ordnen die Verbreitung intimer Inhalte ohne Zustimmung unter die Kategorie sexualisierte Gewalt ein. Nina Jares, Paartherapeutin aus Düsseldorf, betont, dass hinter solchen Taten meist Macht- und Kontrollmotive stehen: Es geht weniger um Sexualität denn um Instrumentalisierung der betroffenen Person.
Viele Fälle bleiben verborgen, weil Betroffene sich schämen oder Angst vor Stigmatisierung haben. Das führt laut Fachleuten zu einer hohen Dunkelziffer: Nicht immer suchen Opfer Hilfe – weder bei Freundinnen und Freunden noch bei Beratungsstellen.
Kann eine Beziehung das überstehen?
Ob eine Partnerschaft nach einem solchen Vertrauensbruch reparabel ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Hemschemeier ist in besonders schweren Fällen skeptisch: Wenn Grenzen bewusst und nachhaltig missachtet wurden, bleibe das Risiko eines Wiederholungsfalls hoch.
Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen professionelle Unterstützung helfen kann – etwa wenn der Täter Verantwortung übernimmt, Einsicht zeigt und langfristig sein Verhalten ändert. Doch bei massiven Übergriffen rät der Experte eher zu einem klaren Schnitt als zu einem erzwungenen Aufarbeitungsprozess.
- Rechtliche Schritte: Strafanzeige, Sammlung von Beweisen (Screenshots, Nachrichten, Metadaten) und Beratung durch eine Opferberatungsstelle oder Anwältin bzw. Anwalt.
- Technische Sofortmaßnahmen: Zugangsdaten ändern, betroffene Accounts sperren, Bilder entfernen lassen (bei Plattformen Meldeverfahren nutzen).
- Emotionale Unterstützung: Vertrauenspersonen informieren, professionelle Traumaberatung oder Sprechstunden bei spezialisierten Beratungsstellen aufsuchen.
- Soziales Umfeld: Klare Positionierung von Freundeskreis und Familie stärkt Betroffene und signalisiert, dass Übergriffe nicht bagatellisiert werden dürfen.
- Langfristige Sicherheit: Prüfen, welche digitalen Spuren bestehen, und gegebenenfalls rechtliche Schritte zur Entfernung oder Unterlassung einleiten.
Neben kurzfristigem Schutz raten Therapeutinnen dazu, die eigene Partnerwahl zu reflektieren. Viele Menschen bemerken problematische Muster erst spät – frühere Erfahrungen in der Herkunftsfamilie oder ein wiederkehrendes „Beuteschema“ können dazu beitragen, dass Warnsignale übersehen werden.
Für Freunde und Angehörige ist die Rolle klar: Unterstützung anbieten, nicht entwerten und Betroffene ermutigen, Hilfe anzunehmen. Eine eindeutige Haltung gegen grenzverletzendes Verhalten ist wichtig, weil sie Betroffenen Rückhalt und Orientierung gibt.
Abschließend rät Jares, sich zentrale Fragen zu stellen: Kann ich mich wieder sicher fühlen? Ist Vertrauen aufbau- und erhaltbar? Beide Antworten sind legitim – entweder die Entscheidung für eine Trennung oder der langsame, behutsame Weg zurück ins Vertrauen. Wichtig ist, dass Betroffene selbst das Tempo bestimmen und Schutz Priorität hat.
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Johanna Feldner ist Paartherapeutin und bietet praktische Ratschläge, um Beziehungen stark und harmonisch zu halten. Sie glaubt, dass Kommunikation der Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft ist.
