Prostatakrebs: Hormonbehandlung drohte Hans-Joachims Ehe zu zerstören

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Von : Johanna Feldner

Prostatakrebs: Hans-Joachims Ehe scheiterte fast an „chemischer Kastration“

Viele Männer überstehen eine Krebserkrankung – doch oft beginnt danach ein leiser, belastender Alltag: die sexuelle Lust lässt nach, Erektionsprobleme treten auf und intime Nähe wird zur Belastungsprobe. Für Hans‑Joachim Schaele und seine Frau Bärbel veränderte sich die Partnerschaft nach der Therapie grundlegend; ihr Weg zeigt, warum das Thema jetzt stärker in die Nachsorge gehört.

In Deutschland ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern: Rund 79.600 Diagnosen pro Jahr werden registriert. Dank frühzeitiger Erkennung liegt die 5‑Jahres‑Überlebensrate bei etwa 91 Prozent. Diese Zahlen bedeuten, dass deutlich mehr Männer heute langfristig leben – und damit die Folgen von Behandlung und Operationen für Sexualität und Beziehung an Bedeutung gewinnen.

Hans‑Joachim, Mitte 60, zählt zu den Überlebenden. Die medizinische Seite war erfolgreich, doch die Behandlung zog Nebenwirkungen nach sich, mit denen er und seine Frau nicht gerechnet hatten. Plötzlich standen beide vor Fragen, die selten offen diskutiert werden: Wie sprechen wir über das Verlorene? Wie finden wir wieder Nähe?

Was Betroffene am häufigsten erleben

Nach Prostataoperationen oder Strahlentherapie sind Probleme wie Erektionsstörung und Libidoverlust häufig. Neben körperlichen Folgen spielen psychische Faktoren eine große Rolle: Angst vor Versagen, verändertes Körpergefühl und Scham verschärfen die Situation. Psychologen und Sexualtherapeuten berichten, dass viele Paare erst spät professionelle Hilfe suchen – oft aus Unsicherheit oder Scham.

  • Erektionsstörungen: Häufigste Folge nach Eingriffen an der Prostata.
  • Libido‑Verlust: Nicht nur physisch, sondern auch psychisch bedingt.
  • Belastete Partnerschaft: Missverständnisse und Abstand statt Nähe.

Wie Paare einen neuen Umgang finden

Für Hans‑Joachim und Bärbel war der erste Schritt, offen über die Ängste zu sprechen – mit- und außerhalb der ärztlichen Termine. Sie suchten Beratung, probierten verschiedene medizinische Optionen und ließen sich auf Paar‑ und Sexualtherapie ein. Diese Kombination half ihnen, neue Formen von Intimität zu entwickeln, jenseits alter Routinen.

Ärzte empfehlen, sexuelle Folgen frühzeitig anzusprechen. Das erhöht die Chancen, geeignete Therapien zu finden – sei es medikamentös, durch Hilfsgeräte oder durch rehabilitative Maßnahmen. Wichtig ist auch, hormonelle Ursachen auszuschließen und psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Typische Probleme und mögliche Hilfen
Problem Mögliche Unterstützung
Erektionsstörung Medikamente, Vakuumpumpe, Injektionen, bei Bedarf Penisimplantat; urologische Nachsorge
Libidoverlust Abklärung des Hormonstatus, Sexualtherapie, psychotherapeutische Begleitung
Scham und Distanz Paartherapie, Selbsthilfegruppen, Aufklärung und Kommunikationstraining

Konkrete Schritte, die Betroffenen helfen können:

  • Sprechen Sie das Thema frühzeitig im Behandlungsteam an; Sexualgesundheit gehört zur Nachsorge.
  • Nutzen Sie spezialisierte Angebote – Urologen, Sexualmediziner, Psychotherapeuten.
  • Holen Sie sich Unterstützung als Paar: gemeinsame Therapie oder Moderation kann Streit verhindern.
  • Informieren Sie sich bei Patientenvereinigungen und Selbsthilfegruppen über Erfahrungen und praktische Tipps.

Für die Gesundheitsversorgung bedeutet das: Nachsorge darf nicht nur auf Tumorkontrollen beschränkt bleiben. Je mehr Männer überleben, desto dringlicher wird die Integration von sexualmedizinischer und psychosozialer Betreuung in die Routineuntersuchungen.

Hans‑Joachim und Bärbel berichten, dass die Arbeit an ihrer Beziehung Zeit und Geduld verlangte – und dass das gemeinsame Aushandeln neuer Intimität möglich ist. Ihr Fall macht deutlich: Überlebensraten sind nur eine Seite der Rechnung; die Lebensqualität nach der Therapie gehört genauso in den Mittelpunkt der Versorgung.

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