In der heutigen Münchner Folge des «Tatort» kehren zwei der bekanntesten Ermittler Deutschlands noch einmal zurück: Ivo Batic und Franz Leitmayr verlassen den Ruhestand, um einen alten Fall neu aufzurollen — mit dramatischen Folgen. Für Fans ist das nicht nur ein Krimi, sondern ein offizieller Abschied eines Duos, das die Reihe über Jahrzehnte geprägt hat.
Bewertung: 4 von 5
Worum geht es?
Nach einem früheren Geständnis und einem folgenden Suizid bleiben Zweifel an einem abgeschlossenen Mordfall. Die Schwester des ursprünglichen Tatverdächtigen, Kara Roth (gespielt von Lara Feith), wendet sich an die Ex-Kommissare und wirft neue Fragen auf. Leitmayr versucht zunächst, seinen ehemaligen Kollegen Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) einzubinden, doch die Dienststelle sieht keinen Anlass zur Wiederaufnahme der Ermittlungen.
Batic, der kürzlich aus Kroatien zurückgekehrt ist, und Leitmayr nehmen die Spur trotzdem wieder auf. Ohne offiziellen Rückhalt müssen sie improvisieren — und geraten dabei an gefährliche Kreise, die den Fall in einen harten Showdown treiben.
Warum die Folge funktioniert
Der Film verknüpft Abschiedsstimmung mit echter Spannung: Rückblenden und bekannte Gesichter sorgen für Gefühlstiefe, ohne die Handlung zu verlangsamen. Kurzauftritte, etwa von Carlo Menziger (Michael Fitz), geben dem Finale ein zusätzliches, persönliches Gewicht.
Die Macher balancieren Nostalgie und treibende Erzählung so, dass Zuschauer bis zur Auflösung mitfiebern. Zugleich bleibt das Tempo hoch — das Ende wirkt dramatisch, aber verdient.
Was stört
Weniger gelungen ist, dass die Episode die Vorstellung eines ruhigen Ruhestands völlig ignoriert. Statt gemütlicher Szenen in Kroatien oder Autofahrten in einem neuen Porsche treiben die Autoren das Duo in handfeste Konfrontationen mit Gangstern; Gewalt und körperliche Auseinandersetzungen sind deutlich präsenter als in vielen früheren Fällen.
Die Ermittler
Ohne Dienstmarke, ohne Zugriff auf forensische Abteilungen und ohne die Routinen des Polizeialltags müssen Batic und Leitmayr auf eigene Faust ermitteln. Das macht die Figuren angreifbarer — und die Entscheidungen moralisch ambivalent. Nicht alles, was sie tun, entspricht rechtlichen oder dienstlichen Standards.
Genau diese Unabhängigkeit erzeugt Drama: Die beiden riskieren nicht nur ihren Ruf, sondern auch ihr Leben.
Für Zuschauer, die das Duo lange begleitet haben, ist das ein starker, wenn auch bittersüßer Schlussakt.
Sollten Sie einschalten?
Wer an der Figurengeschichte und an der historischen Bedeutung des Duos interessiert ist, sollte den Abschluss nicht verpassen. Die Folge bietet sowohl emotionale Momente als auch handfeste Spannung — ein würdiger Abgang für ein prägendes Ermittlerpaar.
Die Doppelfolge, die den letzten Auftritt markiert, ist aktuell im Ersten zu sehen — ein Ereignis für Tatort-Fans und ein Abschlusskapitel für eine lange Fernsehpartnerschaft.
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Jonas Reichert ist ein leidenschaftlicher TV-Kritiker, der die neuesten Shows und Serien analysiert. Mit Fachwissen und Humor bringt er seinen Lesern die faszinierende Welt des Fernsehens näher.
