„Die Qualität des Grundrisses entscheidet, nicht die Farbe der Wände“
In Berlin kreiert der Innenarchitekt Gisbert Pöppler Wohnräume und Möbel, die zugleich unaufdringlich und selbstbewusst wirken. Sein Fokus liegt auf handwerklicher Finesse und subtiler Perfektion. Kürzlich besuchte Angela Merkel seinen Showroom.
Ein entscheidender Faktor für Gisbert Pöpplers Erfolg ist seine ausgeprägte Fähigkeit zuzuhören. Ein Kunde erwähnte beispielsweise, dass er oft auf dem Boden liegt, um Musik zu hören. Daraufhin gestaltete Pöppler einen Tisch so, dass auch die Unterseite ästhetisch ansprechend ist, mit zwei Holzringen, die die Tischplatte stützen. Die Detailgenauigkeit zeigt sich auch darin, dass er für die maßgefertigten Schubladen in einer Küche die vorhandenen Küchenutensilien ausmaß, um sicherzustellen, dass alles perfekt passt.
Pöppler, der zu den führenden deutschen Innenarchitekten zählt und vom Magazin „AD“ 2025 erneut unter die Top 100 Kreativen weltweit gewählt wurde, entwirft hauptsächlich in Deutschland Wohnräume und seit einigen Jahren auch Möbel, vornehmlich für den amerikanischen Markt. 2004 übernahm sein Büro die Neugestaltung des Studiensaals der Grafischen Sammlung im Städel-Museum in Frankfurt.
Der Beginn eines jeden Projekts ist geprägt von intensiven Gesprächen. „Je mehr wir darüber erfahren, wie die Kunden einen Raum nutzen, desto besser“, sagt Pöppler. Oft wissen die Kunden selbst nicht genau, was sie wollen, weshalb Pöpplers Team immer mindestens zu zweit zu solchen Gesprächen geht. Jeder Mitarbeiter nimmt unterschiedliche Details wahr, die wichtig sein können.
Die Räumlichkeiten seines Studios und Showrooms in der ehemaligen Ost-Berliner Karl-Marx-Buchhandlung sind herausfordernd zu nutzen, aufgrund ihrer prägnanten architektonischen Merkmale wie Säulen und Rundbögen. Pöppler hat das Problem gelöst, indem er den vorderen Teil als Büro und den hinteren als Showroom für seine Möbelkollektion nutzt. Dabei hilft ein organisch geformtes Podest mit violettem Teppich, den Raum zu strukturieren.
Vor zwei Monaten saß die prominente Besucherin Angela Merkel in seinem Showroom, um von der Comedienne Hazel Brugger über ihre Memoiren befragt zu werden. Der Verlag hatte Pöpplers Showroom für die Aufnahme ausgewählt, ohne dass Pöppler zunächst wusste, wer kommen würde. Normalerweise lehnt er Filmaufnahmen ab, doch diese Gelegenheit ließ er sich nicht entgehen.
Pöpplers Möbel, die nahe am Collectible-Design stehen, werden einzeln von Manufakturen und erfahrenen Handwerkern in Deutschland, Italien, Frankreich und den USA hergestellt. Die Qualität seiner Arbeit spiegelt sich auch in den Preisen wider; ein Sessel kostet mindestens 12.000 Euro. Trotz Ratschlägen, kostengünstiger zu produzieren, bleibt Pöppler seiner Leidenschaft für das Handwerk treu.
Pöppler ist bekannt für seinen kreativen Umgang mit Farben, doch er möchte nicht auf diesen Aspekt seiner Arbeit reduziert werden. Ein Beispiel hierfür ist das Penthouse-Projekt „The Village“ in Berlin, bei dem er die Bauherren überzeugte, die Decke in einem dunklen Blau-Violett zu streichen, was zusammen mit dem Eichenparkett hervorragend funktioniert.
Ein weiteres Projekt in Hagen zeigt die Tiefe seiner Arbeit. Ursprünglich sollte er nur die Farben und Möblierung einer Villa aus den 1920ern wählen, am Ende überwachte er jedoch eine dreijährige Komplettsanierung inklusive Gartengestaltung.
Pöppler kritisiert, dass Innenarchitektur oft nur auf die Oberfläche reduziert wird. Für ihn ist der Grundriss essentiell, denn ein guter Grundriss macht die Farbe der Wände nebensächlich.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
