„Parfums sind die neuen Trendsetter“
Junge Menschen entdecken zunehmend die Welt der Parfums, angetrieben durch Plattformen wie TikTok. Dies hat zu einem signifikanten Anstieg der Verkaufszahlen geführt, insbesondere bei Luxus- und Nischenparfums, die oft für spezielle Anlässe wie Dates oder den Schulalltag ausgewählt werden.
Grace Elizabeth präsentiert stolz ihre Parfumsammlung auf einem großen Glasregal, sortiert nach Kategorien wie Moschus, Holznoten und Rosen. Unter ihren Favoriten ist „Musk Therapy“ von Initio, das sie an Shampoo erinnert und eine cremige Textur hat. „Es ist wie das Auftragen einer Bodylotion“, beschreibt sie. Nach dem Duschen greift sie gerne zu „Fico di Amalfi“ von Acqua di Parma und vor dem Schlafengehen zu „Eau de Gingembre“ von Mizensir.
Die junge Amerikanerin teilt all diese Details in einem TikTok-Video. Obwohl sie nur knapp 70.000 Follower hat, ist das ausreichend, um von Parfummarken regelmäßig neue Düfte zugeschickt zu bekommen, über die sie dann spricht. Für die Generation Z, eine immer wichtigere Zielgruppe, sind solche TikTok-Videos oft ausschlaggebend für Kaufentscheidungen.
In den letzten vier Jahren hat die Generation, die zwischen den späten 1990ern und den 2010ern geboren wurde, den Parfummarkt stark beeinflusst. 2023 erreichte der Umsatz mit Parfums in Deutschland nahezu zwei Milliarden Euro, ein Anstieg von fast 700 Millionen Euro im Vergleich zu 2021. In den USA verwenden 83 Prozent der Gen-Z Parfum, laut dem „Fragrance Consumer Report 2023“.
Im Gegensatz zu manchen Millennials bevorzugen die jungen Duftliebhaber keine Deos von Impulse oder Parfums von Popstars. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich junge Menschen zunehmend für luxuriöse und individuelle Düfte interessieren. Besonders Nischenparfums und exklusive Designer-Düfte sind sehr gefragt“, erklärt eine Sprecherin der Parfümeriekette Douglas. Im Weihnachtsquartal des letzten Jahres verzeichnete man speziell bei den 16- bis 30-Jährigen eine starke Zunahme im Verkauf von Parfums, die über 150 Euro kosten.
Herbert Hofmann, Vizepräsident für Kreativität und Einkauf bei der digitalen Streetwear-Plattform Highsnobiety, bestätigt ebenfalls diesen Trend. „Die jungen Kunden sind so gut informiert, dass bekannte Marken wie Byredo oft als zu allgemein angesehen werden“, sagt er und verweist auf Marken wie Marc Antoine Barrois, Stora Skuggan, Maison Crivelli oder das Berliner Label D.L. Roelen als starke Konkurrenten.
Ein einziger Post auf TikTok kann einen Duft viral machen. Die Community dort wird „Perfume-Tok“ genannt. Düfte wie „Brazilian Crush Cheirosa 62“ von Sol de Janeiro, „Not a perfume“ von Juliette Has A Gun oder „Libre Intense“ von Yves Saint Laurent wurden dort bereits zu Hits. Nicht immer müssen es neue Düfte sein, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die amerikanische Marke Glossier erlebte ein Revival, als 2022 eine TikTok-Nutzerin erzählte, dass jemand auf der Straße ihr Komplimente für ihr Parfum „Glossier You“ gemacht hatte, welches erstmals 2017 erschien.
Obwohl „Glossier You“ mit 99 Euro nicht gerade günstig ist, erscheint es im Vergleich zu Luxustaschen oder Designer-Hoodies als erschwinglicher Luxus. „Heute suchen viele nach bezahlbarem Luxus, der sich in Form von hochwertigen Düften manifestiert“, sagt Elmar Keldenich, Geschäftsführer des Bundesverbands Parfümerien. Hofmann von Highsnobiety bemerkt, dass Parfums eine neue Form sind, Individualität auszudrücken: „Parfums sind die neuen Sneaker“, so seine Worte. Sie werden sogar gezielt für den Alltag, die Schule, zum Ausgehen und für Dates gekauft, oft mit süßen Duftnoten wie Vanille oder Erdbeere.
Es überrascht daher nicht, dass der Markt ständig neue Produkte einführt, um diese Kundengruppe zu gewinnen. Kürzlich wurde auf der Mailänder Fashion Week eine neue Parfummarke namens Réservation vorgestellt, gegründet von Remo Ruffini und Francesco Ragazzi. Bella Hadid lancierte 2024 eine Parfumlinie namens Orebella, die pflegende Inhaltsstoffe enthält.
Parfums, die mehr können als nur gut riechen, sind bei jungen Kunden beliebt. So wurde beispielsweise ein Parfum namens „Pure Instinct“ viral, welches Pheromone enthält, die sexuell anziehend wirken sollen. Wer sich eine Chanel-Tasche nicht leisten kann, findet vielleicht Gefallen an einem „Purse Spray“ von Chanel, das man am Handgelenk trägt.
Nicht jeder ist jedoch von starken Parfums begeistert. Der Berliner Gastronom The Duc Ngo äußerte sich kritisch über zu intensive Düfte in seinen Restaurants und bat um Rücksichtnahme, damit die Gäste die Aromen ihrer Gerichte ungestört genießen können.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
