Stillentscheidung: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen?
Viele Mütter stellen sich die Frage, wie lange das Stillen medizinisch ratsam ist. Der ideale Zeitpunkt zum Abstillen kann durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden, die sowohl freiwillig als auch unfreiwillig sein können. Das Thema Stillen ist für viele Mütter emotional beladen und oft fühlen sie sich bei dieser Entscheidung unter Druck.
Daher ist es essenziell, alle relevanten Informationen zu kennen, um den passenden Zeitpunkt für das Abstillen individuell bestimmen zu können.
Expertenempfehlungen: Wie lange sollte gestillt werden?
Eltern möchten grundsätzlich das Beste für ihr Kind und suchen deshalb oft Rat bei Experten zur Frage der optimalen Stilldauer.
Fachärzte für Gynäkologie und erfahrene Hebammen sind hierbei wertvolle Ansprechpartner. Doch auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit dieser Frage.
Ein maßgeblicher Ratgeber in dieser Angelegenheit ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch nationale Einrichtungen wie das Robert-Koch-Institut oder die Nationale Stillkommission orientieren sich an den Empfehlungen der WHO.
Stilldauer nach WHO-Empfehlung
Die WHO empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. Nach der Einführung von Beikost sollten Kinder bis zum zweiten Lebensjahr oder länger weiterhin gestillt werden.
Diese Empfehlung berücksichtigt jedoch globale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung. In einigen Teilen der Welt ist eine angemessene Ernährung nach dem Abstillen nicht immer gewährleistet.
In Ländern wie Deutschland, wo eine ausgewogene Ernährung für Babys möglich ist, kann dies den Zeitpunkt des vollständigen Abstillens beeinflussen.
Empfehlungen der deutschen Bundesregierung zum Stillen
In Deutschland wird meist empfohlen, ein Baby sechs Monate voll zu stillen, wobei manchmal auch ein kürzerer Zeitraum genannt wird.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) empfiehlt, Kinder im ersten Lebensjahr zu stillen, davon mindestens vier Monate ausschließlich mit Muttermilch. Die Dauer des Stillens sollte jedoch letztlich von Mutter und Kind bestimmt werden.
Eine Studie der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt ebenfalls, dass Babys mindestens vier Monate voll gestillt werden sollten.
Durchschnittliche Stilldauer
In Deutschland liegt die durchschnittliche Stilldauer laut dem Robert-Koch-Institut bei etwa acht Monaten.
Eine Studie des RKI zeigt, dass zwischen 2014 und 2017 fast neun von zehn Kindern irgendwann gestillt wurden, aber nur jedes achte Kind wurde gemäß der WHO-Empfehlung sechs Monate voll gestillt. Als häufigsten Grund für ein vorzeitiges Abstillen nennt das RKI eine unzureichende Milchproduktion bei der Mutter.
Wer stillen möchte, jedoch auf Schwierigkeiten stößt, findet zahlreiche Beratungs- und Unterstützungsangebote, beispielsweise Still-Sprechstunden in Krankenhäusern oder Beratungen durch Hebammen und kostenfreie Beratungsstellen.
Vorteile des Stillens
Das Stillen bietet viele Vorteile, sowohl für das Kind als auch für die Mutter.
Vorteile des Stillens laut Nationaler Stillkommission:
- Optimale Nahrung: Muttermilch ist die natürliche Nahrung, die ideal auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt ist. Sie liefert alle notwendigen Nährstoffe, Vitamine und Flüssigkeit, die das Baby für seine Entwicklung benötigt.
- Stärkung des Immunsystems: Gestillte Babys sind seltener krank, da die Muttermilch das Immunsystem stärkt.
- Reduziertes Risiko für Übergewicht: Gestillte Babys haben ein geringeres Risiko, später übergewichtig zu werden.
- Natürlicher Schutz: Stillende Mütter haben ein geringeres Risiko für bestimmte Krankheiten wie Diabetes, Brust- und Eierstockkrebs.
- Stoffwechselanregung: Das Stillen kann dazu beitragen, dass Frauen schneller ihr Gewicht vor der Schwangerschaft erreichen, da die Milchproduktion den Stoffwechsel anregt.
- Praktische Handhabung: Muttermilch ist immer in der richtigen Menge und Temperatur verfügbar, hygienisch unbedenklich und jederzeit einsatzbereit.
- Mutter-Kind-Bindung: Stillen fördert die Nähe und stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind.
Stillverzicht: Warum du kein schlechtes Gewissen haben solltest
Viele Mütter entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen gegen das Stillen, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Laut BMEL planen zwar 98 Prozent der Mütter, ihr Baby zu stillen, tatsächlich tun dies dann aber nur 68 Prozent, und die Zahl sinkt weiter.
Stillen ist zwar ein natürlicher Vorgang, aber nicht immer möglich. Verschiedene Faktoren können dazu führen, dass ein Baby nicht gestillt wird, wie zum Beispiel eine nachlassende Milchproduktion, Brustentzündungen oder andere gesundheitliche Probleme der Mutter.
Zudem kann die Mutter durch das Stillen in eine starke Abhängigkeit geraten, was sowohl emotional als auch logistisch ein Grund sein kann, das Baby nicht zu stillen.
Ein Verzicht auf das Stillen sollte kein Grund für ein schlechtes Gewissen sein. Glücklicherweise gibt es heutzutage Pre-Nahrung, die optimal auf die Bedürfnisse von Babys abgestimmt ist und sie gut ernährt. Das Füttern mit der Flasche kann durch engen Körperkontakt ebenfalls die Bindung zwischen Mutter und Kind stärken.
Stilldauer pro Stillmahlzeit
Die Dauer einer Stillmahlzeit lässt sich nicht pauschal festlegen, da jedes Baby anders ist und unterschiedlich lange trinkt. Die Dauer kann zwischen drei Minuten und einer halben Stunde variieren.
Manche Babys verlangen öfter nach der Brust und trinken nur kurz, während andere längere Pausen zwischen den Mahlzeiten machen und dann länger trinken.

