Unfreundlichkeit im Trend: Wie rüdes Verhalten Konjunktur hat

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Von : Larissa Vogler

Zur Schau gestellte Unfreundlichkeit hat offenbar Konjunktur

Offen zur Schau gestellte Unfreundlichkeit erlebt einen Aufschwung

Im Düsseldorfer Kunstpalast sorgt der „Grumpy Guide“ für Furore, indem er sein Publikum mit wohlformulierten Beschimpfungen unterhält. Und Sie lesen diesen Text bereits! Also, los geht’s!

Der Mann stellt sich als Joseph Langelinck vor und teilt mit: „Ich warte auf niemanden.“ Eine ungewöhnliche Art, eine Kunstführung zu beginnen. Doch die etwa 20 Personen, die an diesem Nachmittag seine Dienste im Düsseldorfer Kunstpalast in Anspruch nehmen, sind sich dessen bewusst, denn sie haben den „Grumpy Guide“ gebucht – ein frisches Konzept des Museums. „Grumpy“ bedeutet mürrisch oder mürrisch, und Langelinck ist genau das: Er führt seine Gruppe mit schlechter Laune und ohne ein Lächeln durch die Kunstwerke.

Hinter der Figur Langelinck verbirgt sich der 33-jährige Düsseldorfer Performancekünstler Carl Brandi. Laut Angaben des Kunstpalastes ist er der erste und einzige Guide dieser Art weltweit. Die Inspiration für diese Art der Führung bekam Felix Krämer, der Generaldirektor des Museums, durch Erlebnisgastronomie-Konzepte, bei denen das Personal die Gäste absichtlich schlecht behandelt. Ein Beispiel dafür ist das Restaurant „Karen’s Diner“ in Sydney, Australien, dessen Werbeslogan lautet: „We hate good service.“ Die Interaktionen dort sind oft ruppig und direkt, beispielsweise wird einem Gast, der mehr Wein möchte, gesagt: „Du verdammter Alkoholiker!“

Krämer dachte, dass auch der Kunstsektor, der sich oft sehr ernst nimmt, von einer Prise Selbstironie profitieren könnte. So suchte das Museum nach einem Guide, der sowohl kunstgeschichtliches Wissen als auch schauspielerisches Talent besitzt, und fand Carl Brandi.

„Dass diese speziellen Führungen so beliebt sein und innerhalb von Minuten ausgebucht sein würden, damit haben wir nicht gerechnet“, so der Museumsdirektor. Laut Alina Fuchte, einer Mitarbeiterin des Kunstpalastes, wurde bei kaum einer Veranstaltung so viel gelacht wie bei dieser Führung.

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Während der Führung lässt Langelinck kein gutes Haar an den Renaissancekünstlern und kritisiert auch die Anordnung der Kunstwerke im Museum. Vor einem Porträt von Konradin, dem letzten Staufer, bemerkt er spöttisch: „Dieser wilde, verzweifelte Blick in seinen Augen – sieht fast aus wie Ihrer.“ Oft fordert er das Publikum auf, „aufzuwachen!“, und manchmal eilt er davon, während er weiterhin Kommentare von sich gibt.

Trotz der schlechten Laune kann es überraschend unterhaltsam sein, dieser Art der Führung beizuwohnen. Die Führung ist nicht nur Comedy, man lernt auch viel über die Kunstwerke und deren historischen Kontext.

„Es macht großen Spaß, diese Rolle zu spielen“, sagt Brandi später. „Ich spiele gerne den Bösewicht.“ Auf die Frage, wie schwierig es ist, eine Stunde lang nicht zu lächeln, antwortet er: „Bei der ersten Führung ist mir versehentlich ein Lächeln entwischt. Aber jetzt habe ich die Rolle so gut verinnerlicht, dass das nicht mehr passiert.“

Die bewusst zur Schau gestellte Unfreundlichkeit findet auch in anderen Bereichen Anklang, wie bei den Köbessen in rheinländischen Brauhäusern, wo eine knappe und direkte Art der Kommunikation erwartet wird. Obwohl Höflichkeit ein Grundpfeiler im Dienstleistungsgewerbe ist, gibt es dennoch eine gewisse Freude daran, jemanden zu kritisieren oder Zeuge einer solchen Kritik zu sein.

Laut Jens Lönneker, Psychologe und Geschäftsführer des Kölner Marktforschungsinstituts „Rheingold Salon“, liegt der Reiz darin, dass wir uns manchmal von der ständigen Erwartung höflicher Kommunikation überwältigt fühlen. Die Grumpy-Guide-Führungen bieten hier ein Ventil in einem kontrollierten Rahmen.

Die Kunstszene bietet einen idealen Spielplatz, um Erwartungen zu unterlaufen und mit Konventionen zu spielen. Kunstaffine Menschen sind in der Regel gebildet und offen für Neues. Felix Krämer ist überzeugt, dass bald weitere Grumpy Guides folgen werden.

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