James Bonds neuer 835-PS-Roadster: Zu schade nur für die Leinwand
Unwiderstehlich attraktiv: Sobald Agent 007 den neuesten Aston Martin Roadster, den Vanquish Volante, in seine Dienstwagen-Sammlung aufnimmt, könnte er das Filmen vergessen und sich ausschließlich dem Fahren widmen.
In Hollywood nimmt die Spannung zu. Nachdem endlich ein Regisseur für den nächsten Bond-Film feststeht, konzentriert sich nun alles auf die Suche nach einem Nachfolger für Daniel Craig. Während Spekulationen hochkochen, präsentiert Aston Martin, der traditionelle Fahrzeuglieferant von 007, bereits den nächsten Dienstwagen: den Vanquish Volante. Mit der gleichen Eleganz wie das Coupé, aber als rasanter Roadster ideal für Genießer, Selbstdarsteller und natürlich ideal für Kameraleute, trifft er pünktlich zum Open-Air-Sommer ein.
Die Briten erweisen sich einmal mehr als perfekte Wahl für die Fahrzeugflotte des Mi6. Der luxuriöse Volante ist eine Augenweide, die selbst durch den eigenwilligen Entenbürzel am Heck nicht entstellt wird. Der integrierte Spoiler erinnert in Wirklichkeit viel weniger an den Kia EV6 als auf den ersten Bildern. Aus jeder Perspektive betrachtet ist der Aston Martin kraftvoll und potent, und dennoch ist er nicht im Geringsten peinlich oder pubertär, sondern stilvoll und elegant wie Bond selbst, wenn er sich nach einem Kampf um Leben und Tod nonchalant den Staub vom Smoking klopft und an die Bar zum Smalltalk schreitet. Im Vergleich dazu wirken Konkurrenten wie der neue Ferrari Dodici Cilindri fast effekthascherisch und der frisch renovierte Bentley Continental altbacken wie Roger Moore.
Die zeitlose Eleganz und die klassisch gehaltene Kabine, in der nun erstmalig Apple Car Play „Ultra“ integriert ist, sowie vor allem die beeindruckenden Fahrleistungen sind bereits vom Vanquish Coupé bekannt, das noch keine zwölf Monate auf dem Markt ist. Doch wer den relativ bescheidenen Aufpreis von etwas mehr als zehn Prozent bezahlt und am Ende stolze 417.000 Euro für den Volante ausgibt, bekommt deutlich mehr geboten. Mit dem Wind in den Haaren fühlt sich der Vanquish noch schneller an, die Sitze verwandeln sich in eine Sonnenbank, auf der die Haut binnen weniger Meter zu kribbeln beginnt, und statt nur durch das Blech hört man den V12 jetzt direkt und ungefiltert.
Um diese Freiheit zu genießen, muss man sich lediglich 14 Sekunden gedulden und die Geschwindigkeit unter 50 km/h halten. So lange dauert es, bis der Volante seine Insassen in die frische Luft entlässt und sie dabei regelrecht zur Schau stellt.
Diese 14 Sekunden können allerdings eine echte Geduldsprobe darstellen. Unter der langen Motorhaube schnurrt ein 5,2 Liter großer V12-Motor, der nur darauf wartet, entfesselt zu werden und mit seinen 835 PS zu brüllen. Kein Wunder, dass er der stärkste Motor ist, der derzeit in einem Sportwagen verbaut wird.
Bis zu 1000 Nm Drehmoment zerren an der Hinterachse. Geschickt von einer manchmal etwas übereifrigen Achtgang-Automatik serviert, katapultieren sie das 1,8 Tonnen schwere Cabrio in nur 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von 345 km/h. Vielleicht sollte der nächste Bond-Darsteller sich vor der ersten Fahrt noch schnell die Haare schneiden lassen.
Obwohl gewaltige Kräfte wirken, ist der Vanquish kein roher Bolide, der seine Überlegenheit wie mit einem Vorschlaghammer demonstriert. Zwar kann er auch die brutale Gangart annehmen, wenn man durch das Menü navigiert, alle Beschränkungen aufhebt und sämtliche elektronischen Helfer deaktiviert. Dann prescht der Aston Martin wild über die Landstraßen wie Bond im Finale jedes Films. Wer es jedoch etwas gesitteter angehen lässt, erlebt das Fahrzeug ohne Luftfederung oder Hinterachslenkung als filigranes Präzisionswerkzeug, das sich elegant und feinfühlig steuern lässt – und das unglaublich schnell. Und beim kultivierten Klang des V12 benötigt man kein Hybridmodul, um Frieden mit den Nachbarn zu schließen. Mehr als ein sonores Säuseln ist kaum zu hören, wenn man den Vanquish behutsam aus der Garage lenkt.
Obwohl der edle Roadster die Vorfreude auf den nächsten Bond-Film noch steigert, weil man den britischen Beau nur zu gerne über die Traumstraßen ferner Länder fahren sehen möchte, schürt er auch die Befürchtung, dass es so schnell nichts wird mit einem neuen Kinoabenteuer. Denn sollte irgendwann tatsächlich ein Hauptdarsteller als Nachfolger für Daniel Craig gefunden werden, der hinter dem Steuer des Vanquish Volante sitzt, dann wird dieser vermutlich lieber fahren als filmen. Er könnte sich entschuldigen mit einer freien Adaption eines berühmten Titels aus früheren 007-Zeiten: „Dreh an einem anderen Tag.“
Thomas Geiger sah seinen ersten Aston Martin im Kino. Doch nach 30 Jahren als Autotester verbindet er mit der Marke viel mehr als nur James Bond. Für ihn sind die Sportwagen aus England die elegantesten Autos auf der Überholspur.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.