„Laterne Laufen“: Schrecklich schön & rührend erleben!

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Von : Larissa Vogler

„Laterne laufen“ – schrecklich, schön und rührend zugleich

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„Laternenumzug“ – eine emotionale Achterbahn

Normalerweise hat unser Kolumnist nichts für Fackelzüge übrig – doch der Anblick der Jugendfeuerwehr, die mit Fackeln beim Sankt-Martins-Umzug voranschreitet, berührt ihn zutiefst, auch wenn die Liedtexte nur noch stammelnd mitgesungen werden.

Dichter Nebel wabert durch das nächtliche Dorf von Remshalden in Baden-Württemberg. Es ist 18:30 Uhr und Kinder mit leuchtenden Laternen strömen zum Feuerwehrhaus. Der Spielmannszug positioniert sich. Die Blasmusiker beginnen ihre Melodien und einige Kinder stimmen leise ein. „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ hallt es durch die Luft, doch die Textsicherheit lässt zu wünschen übrig. Selbst „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“ wird mehr gemurmelt als gesungen. Die Kapelle spielt nur wenige Strophen eines Liedes, bevor sie zum nächsten wechselt.

Mindestens 100, vielleicht sogar 200 Menschen haben sich aufgemacht, um am Laternenlauf teilzunehmen. Angeführt wird der Zug von Kindern der Jugendfeuerwehr, die Fackeln tragen. Gelegentlich fallen glühende Stücke von den Fackeln, Funken sprühen und Sicherheitsschuhe treten sie aus. Die Jugendlichen tragen orangefarbene und blaue Uniformen und rote Helme mit ihren Namen darauf. Für die kleineren Kinder, die ihre Laternen schwingen, wirken diese Jugendlichen riesig.

Fackelzüge sind aus historischen Gründen nicht mein Fall, aber dieser Anblick der Jugendfeuerwehr lässt mich das vergessen. Es ist einfach wunderbar und ergreifend zugleich. Die Dorfkinder tragen selbstgebastelte Laternen in Formen von Einhörnern, Giraffen, Polizeiautos und Fußbällen. Eltern begleiten ihre Sprösslinge, heben heruntergefallene Laternen auf und versuchen, die Wackelkontakte der modernen, aber fehleranfälligen LED-Lampen zu korrigieren.

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Der Zug schlängelt sich vorbei an wohlhabenden Einfamilienhäusern mit verrottenden Kürbissen in den Vorgärten. Ein Nebenerwerbslandwirt bietet Äpfel zum Verkauf an. Vor den Häusern parken Autos von Porsche, Volkswagen und Mercedes. Trotz der täglichen schlechten Nachrichten aus der Automobilbranche stehen diese deutschen Autos immer noch da – eine Mischung aus altem Stolz und Trotz. Ich denke an Lutz Meschke, das ehemalige Vorstandsmitglied von Porsche, der im Februar vorzeitig ausschied und eine Abfindung von 11,6 Millionen Euro erhielt. Ich gönne es ihm, obwohl bei Porsche die Stimmung eher getrübt ist. Der Aktienwert von Porsche hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als halbiert, und ich frage mich, wie jemand, der seine Arbeit vielleicht nicht optimal erledigt hat, eine so hohe Abfindung erhalten kann.

Der Laternenlauf endet schließlich vor dem Feuerwehrhaus. Die großen roten Türen öffnen sich und einige Feuerwehrmänner sitzen bereits bei einem Bier. Kostenlose Brezeln werden verteilt und eine Big Band spielt beschwingten Hotel-Jazz. Meine Tochter beißt in eine Brezel und schwärmt: „Hmm, die schmeckt lecker.“ Ich blicke in den Sternenhimmel und dann wieder auf meine Tochter und ihre Laterne. Oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir.

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