Im Urwald regiert am dritten Tag nicht die Wiedergeburt, sondern der Niedergang
Kaum haben sie begonnen, schon fehlt es den selbsternannten Prominenten im australischen Exil an Ausdauer, Toilettenpapier und finanziellen Mitteln. Doch es muss ja einen Grund geben, warum sie an dieser Show teilnehmen.
Obwohl auch 2000 Mehlwürmer, mindestens ebenso viele Heuschrecken und einige Kakerlaken am Sonntagabend eine Rolle spielten, galt die eigentliche Aufmerksamkeit indirekt einem Adler. Wegen der Übertragung der National Football League (NFL) – speziell des Spiels zwischen den Philadelphia Eagles (dessen Logo der besagte Vogel ist) und den Washington Commanders – war das Dschungelcamp am dritten Tag nur 40 Minuten lang, inklusive Werbepause. Sam Dylans drohender Untergang konnte jedoch auch durch die außergewöhnlich kurze Sendezeit nicht verhindert werden.
„Ohne Rolle“ zum Ersten Die Frage, warum etablierte Prominente an einem Format wie „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ (kurz: IBES) teilnehmen, lässt sich meist mit der Minus-50-Euro-Frage bei „Wer wird Millionär“ beantworten: Sie brauchen das Geld.
So musste am Sonntagabend auch Pierre Sanoussi-Bliss einräumen, dass die finanziellen Mittel nicht ausreichen, trotz seiner langen Ermittlungen im ZDF bzw. in der Serie „Der Alte“. Mit 62 Jahren erhält er nur 1100 Euro Rente, was nicht einmal für einen Rückflug nach Deutschland ausreichen würde, sollte er sich für einen vorzeitigen Rückzug entscheiden – was beim ZDF wohl umgekehrt geschah, Stichwort Entlassung.
„18 Jahre lang habe ich mit einem Kettenvertrag von Folge zu Folge gearbeitet. Das würde kein Postangestellter zwei Jahre lang tolerieren“, beklagt er sich bei Nina Bott. „Von Diversität“, schimpft er, „kann man im deutschen Fernsehen nicht sprechen, nur in der Werbung. Das ist eine Schande und peinlich.“ Bei RTL, aber das muss er wohl auch sagen, wurde er sehr sorgfältig betreut, „sehr gerne wieder“, sagt er schon am dritten Tag.
Das bedeutet: Wer keine finanziellen Mittel hat, muss sich wohl oder übel mit Maden im Mund abfinden. Pierres Beschwerden gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender wurden abgewiesen, weil „Fernsehproduktionen so etwas dürfen, wegen der künstlerischen Freiheit, die gewahrt werden muss. Die Freiheit, dich jederzeit neu zu besetzen. Also hat man die künstlerische Freiheit über die Menschenwürde gestellt, finde ich.“ An diesem Tag war es auch im Dschungel um die Menschenwürde schlecht bestellt, siehe folgenden Abschnitt.
„Ohne Rolle“ zum Zweiten Selbst wer noch nie von Begriffen wie „Touchdown“, „Interception“ oder Jason Kelce gehört hat, der Schwager in spe von Taylor Swift, der als Center zwar nicht mehr aktiv übers Feld rumpelt, aber zu den Philadelphia Eagles gehört wie Sonja Zietlow zum Dschungel, sehnte sich plötzlich nach dem Start der NFL-Übertragung – oder nach einer Rolle Toilettenpapier, um deren Blätter zu einem Ohrenschutz umzufunktionieren.
Der unangenehme Austausch zwischen Maurice Dziwak und Timur Ülker könnte leicht durch die IBES-Toilette gespült werden – oder braucht jemand auf dem stillen Örtchen wirklich solche Sätze wie „Musst du scheißen?“/ „Ich habe Durchfall“ – „Da musst du jetzt durch“/ „Es ist dünn und ein bisschen hart“? „Lass alles raus, Bruder!“ Der Toilettenpapier-Notstand wurde jedoch durch göttlichen Beistand schnell gelöst, wie durch ein Wunder tauchte sie im Dschungeltelefon auf. Selbst ein Mann, der schon alles gesehen hat, wollte hier wohl die Augen schließen, Amen.
Von der Rolle Bei der täglichen Prüfung, diesmal unter dem vielversprechenden Titel „Murwillumbah Jones – Jäger der verlorenen Sterne“, versprach „dem RTL“, wie Sonja Zietlow nicht müde wird zu betonen, nichts weniger als „Dramatik, Spannung, Nervenkitzel, Grusel und Panik“.
Die größte Spannung bot erneut der NFL-Countdown, der rechts oben auf dem Fernsehbildschirm eingeblendet wurde. Denn Sam Dylan, bereits ein erfahrener Leidtragender, beendete seine Prüfung schneller, als die zuvor erwähnten Mehlwürmer und Heuschrecken krabbeln konnten. In einer Kammer, die bis zum Hals mit Hirse gefüllt war, musste der Reality-TV-Star Sterne mit dem Mund durch einen Glasschacht bugsieren, während besagte Insekten sein Gesicht unsicher machten.
Bei den Kakerlaken wurde aus dem selbst erklärten Phönix aus der Asche einer, der wieder dorthin zurückkehrte: Mit seinem Aufschrei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ endete nicht nur die Prüfung, sondern auch die Aussicht auf eine Essenslieferung. Am Montag darf er es allerdings erneut versuchen und die ursprüngliche Annahme seiner Mitstreiter bestätigen, wonach er sicher viele Sterne holen würde: Er muss in einer weiteren Prüfung antreten, diesmal zusammen mit Alessia Herren.
Vielleicht versucht er es mit dem Adler als alternativem Leitvogel? Die NFL wurde übrigens am Montag auch wieder übertragen. Allerdings schon in der Nacht ab 0.30 Uhr.
Morgen geht es weiter um 20.15 Uhr auf RTL und RTL+
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.
