Joggen ohne Kleidung bei frostigen Temperaturen
Das Winter-Joggen ohne Bekleidung ist nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern auch ein Ausdruck von Selbstinszenierung. Was verbindet einen anonymen Berliner Läufer mit der Frisur von Rudi Völler und Pop-Ikone Beyoncé Knowles?
Um es gleich vorwegzunehmen: Der Mann ist nicht gänzlich unbekleidet. An seinem Arm trägt er ein Smartphone, an den Füßen Laufschuhe und -socken, und ein äußerst knappes Unterhöschen. Kennen Sie die Pose, in der Cristiano Ronaldo, der italienische Pop-Rapper Tonyeffebaby und unzählige andere durchtrainierte Männer ihre Shorts zurechtrücken, um ihre muskulösen Oberschenkel bis zum Ansatz zu zeigen? Unser Jogger kommt ohne diese Geste aus – seine Shorts sind ohnehin kurz genug.
Heute Morgen zeigte das Thermometer in Berlin feuchte zwei Grad, ohne eine Spur von Sonnenschein. Ein solcher Tag lädt dazu ein, sich im Bett noch einmal umzudrehen und vielleicht eine Krankheit oder den Besuch eines lang erwarteten Handwerkers vorzutäuschen, nur um nicht das warme Zuhause verlassen zu müssen. Doch was bleibt, ist die Schocktherapie aus kalter Dusche und einem Spaziergang am Morgen. Und dort war er wieder zu sehen. Trotz seiner zur Schau gestellten Körperlichkeit, ist er angenehm durchschnittlich: ein wenig Bauch, kräftige, aber nicht übermäßig definierte Arme, unbehaarte Beine. Dazu trägt er eine halblange Lockenfrisur, die aussieht, als wäre sie eine selbstgemachte Mischung aus Rudi Völler und Benson Boone. Ein Sexsymbol? Vielleicht nicht nach klassischen Maßstäben. Aber wenn man akzeptiert, dass nichts attraktiver ist als das zu tun, wonach einem der Sinn steht, dann schon. Und für ihn bedeutet das: Bei jedem Wetter fast nackt zu laufen.
Mindestens ebenso interessant wie der Anblick des Joggers waren die Reaktionen der anderen Frühaufsteher. Damen im Rentenalter, die ihn komplett ignorierten, und Teenager, die ihm mit einem unergründlichen Blick nachschauten. Niemand zückte sein Handy. Doch mittlerweile ist der Mann wohl ein fester Bestandteil des Berliner Kiezes, ähnlich dem obdachlosen Hundeexperten.
Während ich über den Nacktjogger nachdachte, lauschte ich einem Podcast der „New York Times“ über den zweiten Teil der Musical-Verfilmung „Wicked“. Der erste Teil war ein großer Erfolg, doch der zweite wurde von den Diskutanten kritisch betrachtet. Ihnen fiel besonders eine Liebesszene zwischen Elphaba und Fiyero in einem Baumhaus auf. Elphaba trug dabei ein schäbiges, graues Strickkleid, das locker über ihre Schulter hing – ein Indiz dafür, dass die beiden kurz zuvor Sex gehabt haben müssten, was in einem Film dieser Größenordnung selten vorkommt.
In der Realität sind die Dinge oft weniger prüde als in einem Disney-Film: Als die Sängerin Beyoncé Knowles kürzlich ein Formel-1-Rennen besuchte, trug sie ein Lederensemble von Louis Vuitton, dessen Jacke weit offen war, sodass man kaum etwas anderes betrachten konnte als ihre deutlich sichtbaren Brüste – ein nackter Auftritt in der Boxengasse wäre wohl unauffälliger gewesen.
Das spärlich bekleidete Joggen im Winter ist Teil des wachsenden Phänomens des Eisbadens. Sicherlich gibt es Studien, die die positiven Effekte auf das Immunsystem bestätigen, doch ich vermute ein weiteres Motiv: Aufmerksamkeit zu erregen ist eine Form der Selbstfürsorge. Und der Nacktjogger ist die Beyoncé meiner Nachbarschaft.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.