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Ein Ort, wo man weder Bill Kaulitz noch Boris Becker trifft
In der malerischen Fränkischen Schweiz, genauer im idyllischen Luftkurort Muggendorf, findet jährlich ein ganz besonderes Fest statt: das Muggendorfer Kürbisfest. Hier genießen die Besucher Blasmusik, Trachtentänze und natürlich das beliebte Bier. Doch dieses Fest unterscheidet sich grundlegend vom Oktoberfest.
Die zunehmende Aufmerksamkeit westlicher Akademiker für die Anliegen indigener Völker in den letzten Jahren unterstütze ich voll und ganz. Oft können wir viel von den scheinbar archaischen Traditionen und Ritualen anderer Kulturen lernen. Ein Beispiel dafür war die Kunstausstellung Documenta Fifteen in Kassel, wo das indonesische Künstlerkollektiv ruangrupa das „Lumbung“-Prinzip anwandte. Lumbung bezeichnet eine Reisscheune in Indonesien, wo überschüssiger Reis gesammelt und später zum Wohl der Gemeinschaft verteilt wird. Allerdings bleibt die Frage, warum Antisemitismus ein Teil der Veranstaltung war, was allerdings ein anderes Thema ist.
Aber mein Lieblingsvolk in Bezug auf indigene Kulturen sind die Einwohner von Muggendorf, einem kleinen Luftkurort in der Fränkischen Schweiz. Dort findet dieses Wochenende ihr traditionelles Kürbisfest statt, welches eng mit dem Erntedankfest verbunden ist. Die Gemeinde versammelt sich auf dem alten Sportplatz, umgeben von Blasmusik und Trachtentänzen, und natürlich darf auch das traditionelle Bier nicht fehlen. Wenn es dunkel wird, bringen die Ortskinder ihre traditionell geschnitzten Kürbisse mit.
Im Gegensatz zu Halloween in Irland, wo man üblicherweise grobe Gesichter in Kürbisse schnitzt, nutzen die Kinder in Muggendorf feine Linolschnittwerkzeuge, um nur die obere Schicht der Schale zu entfernen, wodurch feinere und detailreichere Bilder entstehen. Die Kürbisse werden ausgehöhlt, und elektrische Lichter oder Kerzen setzen die Kunstwerke in ein leuchtendes Orange.
Ich durfte als Kind selbst an diesem Spektakel teilnehmen. 1996 kam ich im Alter von acht Jahren nach Muggendorf und wurde dort in der Volksschule Wiesenttal von meinem Lehrer Manfred Weigelt in die Kunst des Kürbisschnitzens eingeweiht. Noch heute denke ich gerne an ihn zurück. Er trank ständig Kaffee aus seiner blauen Thermoskanne und rauchte Gauloises.
Für mich bleibt das Kürbisfest in Muggendorf einer der schönsten Bräuche der Welt. Im Gegensatz zum Oktoberfest besteht hier keine Gefahr, bekannten Persönlichkeiten wie Bill Kaulitz oder Boris Becker zu begegnen.
Ich freue mich schon darauf, zu sehen, wie die Kinder ihre Kürbisse auf Bollerwagen zum alten Sportplatz bringen. Wie es langsam dunkel wird, wie der Pfarrer den Erntedank-Gottesdienst hält, wie die Luft kälter und feuchter wird, wie schließlich das große Erntefeuer entzündet wird und Funken durch den Abendhimmel fliegen, während man die wärmende Hitze aus den guten Herzen der Muggendorfer spürt, auch wenn sie teilweise vom Festbier und den Obstlern herrührt. Doch das macht es nicht weniger schön.
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Larissa Vogler ist Kulturjournalistin mit einer Leidenschaft für Filme, Serien und Shows. Sie liebt es, unentdeckte Perlen aufzuspüren und ihre Leser mit neuen Ideen zu begeistern.