2000 PS stark: Der Lotus Evija, Ihr Tor zu neuen Dimensionen!

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Von : Larissa Vogler

Mit 2000 PS wird der Lotus Evija zum Raum-Zeit-Transformator

Mit 2000 PS verwandelt der Lotus Evija die Raum-Zeit

Der Lotus Evija besitzt eine solche Kraft, dass er nahezu die physikalischen Gesetze außer Kraft setzt. Auf der Rennstrecke sprintet dieses elektrische Hypercar in unter zehn Sekunden auf 300 km/h, eine Geschwindigkeit, bei der das menschliche Gehirn kaum noch hinterherkommt.

Albert Einstein und vielleicht auch Dr. Emmett Brown aus „Zurück in die Zukunft“ hätten an diesem Fahrzeug ihre helle Freude gehabt. Sowohl der reale Physiker als auch der fiktive Erfinder wären von dem Lotus Evija fasziniert, der die physikalischen Grenzen zu sprengen scheint. Wie könnte es auch anders sein, wenn dieses neue Hypercar aus Hethel, England, in so vielen Bereichen das bisher Vorstellbare übertrifft?

Angefangen beim Design: Dieses hat nichts mehr gemein mit dem, was wir bisher von Lotus kannten, sei es die zierliche Elise oder die neueren Elektromodelle wie Eletre oder Emeya. Diese Modelle sind Teil der Strategie der neuen chinesischen Eigentümer, die Marke neu zu positionieren und profitabel zu machen. Die Ingenieure erinnerten sich offenbar an die Zeiten, als das Lotus-Team unter Firmenchef Colin Chapman sechsmal den Formel-1-Weltmeistertitel gewann und echte Rennwagen für die Straßenzulassung entwickelte. Nur dass der Evija nun elektrisch und nicht mit einem hochgezüchteten Verbrennungsmotor angetrieben wird. Er ist mit einem zweisitzigen Chassis aus Kohlefaser, das in einem Windkanal optimiert wurde und gewaltige aerodynamische Features wie zwei große Lufteinlässe über den Hinterrädern und einen riesigen Spoiler besitzt.

Obwohl der Evija mit seinen 1.689 Kilogramm für einen Lotus fast als schwer gilt, ist er im Vergleich zu anderen Supersportwagen geradezu leicht. Die Batterie allein wiegt zwar 750 Kilogramm – mehr als eine ganze Elise – doch der Evija ist dennoch leichter als ein Rimac Nevera oder ein Bugatti Chiron. Das spürt man in jeder Kurve und besonders beim Bremsen. Doch was wirklich überwältigt, ist die Motorleistung. Die vier Elektromotoren an den Achsen leisten zusammen 2.000 PS und entwickeln ein Drehmoment von 1.700 Nm. Um diese Kraft voll auszuschöpfen, benötigt man nicht nur zwei Millionen Euro für den Kauf, Nerven aus Stahl und eine freie Strecke, sondern auch ein wenig Werkzeug. Erst wenn das hintere Kennzeichen entfernt ist, lässt sich der Track-Mode aktivieren, und der Evija verwandelt sich von einem Prachtexemplar für den Boulevard in ein wahres Biest, das alle anderen Sportwagen in den Schatten stellt.

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Ein letzter Dreh am roten Regler, und dann …

Mit jedem Wechsel vom Range- über den City- bis zum Tour-Modus gibt die Elektronik dem Fahrer mehr Freiheiten, schaltet mehr Leistung und Geschwindigkeit frei und nimmt schrittweise die Regelsysteme zurück, wodurch der Fahrspaß mit jedem Dreh am Lenkradschalter – inspiriert von Ferrari – wächst. Doch eigentlich fährt sich der Evija noch nicht viel anders als ein Lucid Air Sapphire oder andere leistungsstarke Elektroautos – nur sitzt man etwas tiefer in einer Karbonschale, es geht etwas spartanischer zu und man sollte außer seinem Portemonnaie und seinem Telefon nicht viel dabei haben.

Abgesehen von einem kleinen Staufach hinter der steil ansteigenden Mittelkonsole bietet der Evija nicht viel Platz für Gepäck. Aber wer braucht schon Urlaubsgepäck auf der Rennstrecke? Ein Handtuch für danach sollte genügen, und das gibt es notfalls auch an der Box.

Ein letzter Dreh am roten Regler, und der Lotus schaltet alle Vorsichtsmaßnahmen ab und wird zum Teilchenbeschleuniger, der die physikalischen Gesetze mit einem einzigen Stromstoß aus den Angeln hebt. Die Eckdaten klingen auf dem Papier noch relativ unspektakulär: Weder die 2,9 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h noch die Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h sind Rekordwerte. Doch in der Praxis sprengt der Evija alle Grenzen. Er klingt ohne Sound-Generator lebendiger als jedes andere Elektroauto und beschleunigt auf eine ganz andere Art.

In den ersten Metern fühlt sich das Beschleunigen vielleicht noch ähnlich an wie bei Hochkarätern wie einem Bugatti, einem AMG One oder einem Lamborghini Revuelto. Doch wo bei diesen irgendwann die Kraft nachlässt, fängt der Spaß beim Evija erst richtig an. Das ausgeklügelte Aerodynamik-Konzept des Wagens, das das Gewicht bei voller Fahrt fast verdoppelt, baut die notwendige Bodenhaftung auf und ermöglicht eine Beschleunigung von 150 auf 300 km/h schneller als von 0 auf 150, was ein unvergleichliches Fahrerlebnis liefert.

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Am Ende dauert es weniger als zehn Sekunden, bis der digitale Tacho 300 km/h anzeigt – das Gehirn des Fahrers kann da längst nicht mehr mithalten. Kurz zuvor fragte er sich vielleicht noch, ob er sich wegen des eckigen Lenkrads mit den vielen Schaltern wie ein Formel-1-Fahrer fühlen soll oder wegen des Panoramablicks durch die gewölbte Scheibe wie ein Kampfpilot. Plötzlich wundert er sich nur noch, wo Zeit und Raum geblieben sind. Die Sekunden verdichten sich ins Unmessbare, und die Entfernungen werden egalisiert, fast geräuschlos, ähnlich einem Urknall.

Erst wenn der 90-kWh-Akku leer ist, wird man wieder in die Realität zurückgeholt. Dann stellt sich die Frage, warum bei einem so spektakulären Auto wie dem Lotus Evija nicht schon längst alle 130 geplanten Exemplare einen glücklichen Abnehmer gefunden haben.

Thomas Geiger ist seit 30 Jahren ein Lotus-Enthusiast und denkt bei der Marke zuerst an die Elise und zuletzt an ein Elektroauto. Die Fahrt mit dem Evija war für ihn ein wahres Erweckungserlebnis.

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