Bedrohungswahrnehmung: Wie sicher fühlen wir uns wirklich?

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Von : Larissa Vogler

Ein Gefühl der Bedrohung

Ein Gefühl der Bedrohung

Die Unterstützung von Sponsoren lässt nach, Ungarn macht mobil, und deutsche Politiker geraten aneinander. Der Christopher Street Day (CSD) wurde lange als bloße Mega-Party wahrgenommen, bei der viel Haut gezeigt wird. Jetzt rückt er wieder ins politische Rampenlicht. Doch das ist nicht unbedingt von Nachteil.

Am 26. Juli findet die CSD-Parade in Berlin statt, eine politische Demonstration, die die Rechte und rechtliche Anerkennung von Minderheiten fordert, sowie eine Feier des queeren Lebens darstellt.

Kürzlich gab es Debatten über die Entscheidung, die LGBTQ+-Flagge nicht am Reichstag zu hissen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, dass der Bundestag „kein Zirkuszelt“ sei. Die Flagge werde am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie, gehisst und das sollte ausreichen.

Ich bin schwul und wurde aufgrund meiner sexuellen Orientierung, die ich mir nicht ausgesucht habe und für die ich mich weder schäme noch stolz bin, geschlagen und verspottet. Dennoch kann ich mich nicht über mein Leben in Deutschland beschweren. In vielen anderen Ländern und Kulturen wäre es viel schwieriger für mich. Dennoch ist es dieses Jahr wichtig, sich beim CSD zu zeigen, da ein Gefühl der Bedrohung unserer lange gesicherten Rechte und Freiheiten besteht.

In den USA haben große Unternehmen auf Druck der Regierung ihre Diversitätsinitiativen eingestellt. Unternehmen, die jahrelang die Pride-Paraden unterstützt haben, ziehen sich dieses Jahr zurück. Die „New York Times“ berichtete, dass der „Regenbogen-Kapitalismus“ vorbei sei. Die Ernsthaftigkeit dieser Unterstützung, oft als „Pinkwashing“ kritisiert, stellt sich nun als fragwürdig heraus.

In Ungarn wurden aufgrund des Schutzes von Kindern, die nicht mit alternativen Lebens- und Liebesformen konfrontiert werden sollen, die Grundrechte homosexueller Menschen eingeschränkt. Der Bürgermeister von Budapest, Gergely Karácsony, meldete jedoch die Demonstration als „Tag des Budapester Stolzes“ an, zu dem fast 200.000 Menschen kamen, trotz der Bedrohung durch Gesichtserkennungssoftware und mögliche Repressalien.

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Die Stärke und Schönheit der queeren Kultur entstehen aus ihrer Andersartigkeit und benötigen leider auch Wachsamkeit. Der neue Dior-Designer Jonathan Anderson präsentierte kürzlich ein Sweatshirt mit dem Slogan „Anonymous Faggots“, das an die Zeiten erinnert, in denen wir uns verstecken mussten, um zu überleben.

Politisches Kalkül

Ich denke nicht, dass Friedrich Merz homophob ist, da zwei seiner engsten Mitarbeiter schwul sind. Seine Aussage zeigt jedoch, dass wir ihm eher gleichgültig sind. Politiker sind darauf trainiert, ihre Worte sorgfältig zu wählen, und es ist anzunehmen, dass er seine Worte bewusst so gewählt hat.

Als Angela Merkel politisch die Weichen für die Homo-Ehe stellte, äußerte sie ihr Unbehagen bezüglich des Adoptionsrechts für homosexuelle Paare und stimmte gegen das Gleichstellungsgesetz, vermutlich weil sie darauf spekulierte, dass ihr dies bei den Stammwählern der Union Sympathiepunkte einbringen würde.

Die Berechnung von Merz dürfte ähnlich gewesen sein. Der Zeitgeist hat sich gewendet, und es scheint an der Zeit zu sein, das auszusprechen, was an den CDU-relevanten Stammtischen gefühlt wird: Die LGBTQ+-Community ist lästig und sieht komisch aus.

Im Reichstag werden jetzt Türen und Fenster überwacht und regenbogenfrei gehalten. Die protokollarischen Begründungen dafür sind bekanntlich flexibel. Wenn der Reichstag zu ehrwürdig für uns ist, dann bleiben wir eben die Zirkusdirektoren, Dompteure, Damen mit Bart, Clowns, Artisten, faggots – und hissen unsere Fahnen dort, wo wir geschätzt werden.

P.S.: Unter den Demonstranten in Budapest kam bei den Sparta-Rufen der Gedanke auf: „Und wir sind Athen“. Vor 2500 Jahren ein Ort, an dem die Liebe zwischen Männern kultiviert und gefeiert wurde und die Wiege unserer Zivilisation.

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