Duftjäger auf der Spur: Die kostbarsten Rohstoffe der Parfumwelt entdeckt!

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Von : Larissa Vogler

Der Duftjäger spürt die teuersten Rohstoffe der Parfumwelt auf

Der Parfüm-Scout und die Jagd nach seltenen Duftstoffen

Patchouli aus Indonesien, Vetiver aus Haiti und Weihrauch aus Somaliland: Der französische Duftstoff-Experte Dominique Roques bereist seit vielen Jahren die entlegensten Orte der Welt, um seltene und kostbare Duftstoffe zu beschaffen. Dabei hat er auch die zerstörerischen Effekte menschlicher Habgier erlebt.

Ein plötzlicher Hitzeschwall empfängt jeden, der die kühlenden Schatten der Pariser Métro verlässt und ins Tageslicht tritt. Über der Opéra Garnier, bewacht von einer goldenen Engelskulptur – einem Symbol für Harmonie, Pracht und Schönheit –, breitet sich ein stahlblauer Himmel aus. Dies steht im starken Kontrast zum hektischen Treiben auf dem Place de l’Opéra, einem zentralen Knotenpunkt im Herzen von Paris.

Ein chaotischer Duftcocktail wabert durch die Straßen, süßlich-chemische Benzindämpfe steigen in die Nase; ein auf Sauberkeit bedachter Geschäftsinhaber kippt einen Eimer chlorhaltiges Wasser auf den Gehweg und zündet sich eine Zigarette an. Touristen, eingehüllt in dichte Parfümwolken, schieben sich durch die Menschenmassen, während andere ihre verschwitzten Körper hastig mit Eau de Cologne besprühen. Dem Geruchssinn in Paris zu folgen, ist oft ein fragwürdiges Vergnügen.

Es überrascht daher nicht, dass Dominique Roques, einer der führenden Parfüm-Scouts und erfolgreicher Autor über die Welt der Düfte, zum Gespräch in das „Café de la Paix“ einlädt. Seit über 150 Jahren ist das Restaurant mit seinem prächtigen Napoleon-III-Dekor eine legendäre Anlaufstelle für Paris-Liebhaber, die sich eine Auszeit gönnen möchten.

Der Spürhund für Düfte sitzt nicht auf der lärmenden Terrasse, sondern wählt eine ruhige Ecke im Inneren des Lokals. Hier, weit entfernt vom urbanen Chaos und den olfaktorischen Störungen der Straße, genießt Dominique Roques die Stille.

Kürzlich ist er aus Oman zurückgekehrt, wo er die Parfümmarke Amouage berät, ein Unternehmen, das sich auf luxuriöse Düfte spezialisiert, die auf traditionellen Essenzen wie Weihrauch oder Oud basieren. Letzterer ist ein teurer und begehrter Duftstoff, der im Holz des Adlerbaums entsteht, wenn dieser von einem speziellen Pilz befallen wird. Begeistert erzählt er von der jahrtausendealten Technik, Harz aus den empfindlichen Weihrauchbäumen zu gewinnen, ohne sie zu schädigen. „Die Natur“, betont er, „ist heilig.“

Ein Kilo exzellentes Oud kostet 50.000 Dollar

Dominique Roques,Experte

Roques hat wenig für den Hype um synthetische Duftstoffe übrig. „Die Natur ruft die stärksten Emotionen hervor“, daran zweifelt er nicht. Doch Natur hat ihren Preis: „Ein Kilo exzellentes Oud kostet 50.000 Dollar.“ Dies spiegelt sich auch in den Kosten für Parfüms wider. Doch Roques ist überzeugt, dass auch die Verbraucher diese Sehnsucht nach dem Ursprünglichen haben.

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Gegeben die Wahl zwischen einem Parfüm, das mit wertvollen natürlichen Essenzen komponiert wurde, und einem rein synthetischen, entscheiden sich viele für die natürliche Variante. Dem urbanen Pariser Sommer, geprägt von einem Gemisch aus Asphalt, Mensch und Technik, kann der Weltreisende wenig abgewinnen.

Sein Fachwissen macht ihn zum gefragten Experten

Obwohl auch die Natur nicht so paradiesisch und unberührt ist, wie es scheint, ist dies für den über 70-jährigen Betriebswirt kein Geheimnis. In enger Zusammenarbeit mit den „Nasen“ der großen Marken, also den Duftkompositeuren, sucht er seit mehr als drei Jahrzehnten in den entlegensten Gegenden der Welt nach Rohstoffen, die selbst die ungewöhnlichsten Wünsche seiner Kunden befriedigen können.

Auf allen Kontinenten entdeckt er olfaktorische Schätze: Bergamotte in Italien, Weihrauch in Somaliland, Patchouli in Indonesien und Vetiver auf Haiti. Sein Wissen über Produktionsprozesse und die Qualität der Rohstoffe machen ihn zu einem begehrten Experten in der Parfümindustrie.

Für die Schweizer Firma Firmenich kümmerte er sich jahrelang um den weltweiten Einkauf wertvoller natürlicher Essenzen. Zu seinen Hauptaufgaben gehörte auch die Koordination zwischen lokalen Landwirten und den Parfümeuren globaler Luxusmarken.

Doch seine Leidenschaft geht weit über die eines Einkäufers und gefragten Experten hinaus. Bereits in den 1980er Jahren wurde er selbst als Unternehmer aktiv und gründete eine Destillerie für Zistrosen in Andalusien.

Schon als Kind war er mit dem Geschäft mit der Natur vertraut: Sein Vater hatte als gewiefter Holzfäller die Kettensäge aus Amerika importiert und in Frankreich mit viel Geduld und Überzeugungskraft zu einem Verkaufsschlager gemacht. Der harzige Geruch von Sägemehl gehörte genauso zu Dominique Roques’ Kindheit wie das schrille Sirren der Motorsäge.

Vor allem im Sommer entflieht er noch heute dem Pariser Dunst in die Bretagne oder in den Wald, der ihm seine Kindheit in der Forêt de Rambouillet in Erinnerung ruft: „Der Wald verströmt für mich den Duft der Kindheit. Humus und Pilze, aber auch Holzkohle und Maiglöckchen verbinde ich mit meinen ersten Geruchseindrücken.“

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Gerüche sind emotionale Reize

Der Wald lässt uns in Kindheitserinnerungen schwelgen. Manche erschaudern vor seiner Dunkelheit, andere träumen von einem irdischen Eden, in dem der Mensch noch eins war mit der Natur. Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies und die Notwendigkeit vernunftgesteuerter Bändigung der Natur versetzt den Menschen in einen Zwiespalt, den Roques in seinem neuen Buch „Der Duft der Wälder“ beleuchtet: Wahrung des Ursprünglichen und zivilisatorischer Fortschritt befinden sich miteinander im Widerstreit.

Auch die Parfümindustrie strebt oft nach einem goldenen Mittelweg, um Kunden je nach Zeitgeschmack anzusprechen, denn Gerüche sind schließlich emotionale Reize – und ein großer Markt. Das Umweltbewusstsein der Verbraucher ist heute hoch, also bestimmen Kohorten von Spezialisten, von Trendforschern bis zu Controllern, was in den Flakons landen und unseren Riechsinn beglücken soll.

Schon früh war sich Roques der zerstörerischen Auswirkungen der menschlichen Gier auf die Natur bewusst. Der nachhaltige Anbau von Rohstoffen und die Entwicklung eines gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstseins in der Parfümindustrie liegen ihm von Anfang an besonders am Herzen.

Zum ökologischen und sozialen Wandel der Branche trug Roques selbst bei durch die Förderung nachhaltiger Produzenten. Es genügt ihm nicht, die Produktionsprozesse in den Fabriken zu kontrollieren, er geht zu den Zistrosenpflückern auf das Feld hinaus und legt selbst Hand an; schließlich trat er nach seinem Wirtschaftsstudium als Holzfäller erst einmal in des Vaters Fußstapfen, bevor er sich dem „Global Sourcing“ von Rohstoffen widmete.

Für sein Metier benötigt er auch eine abenteuerliche Ader, da er Duftstoffe manchmal nur mit schwer bewaffneten Bodyguards und Mauleseln, vollbepackt mit Satteltaschen voller Bargeld, erlangen kann. Die Vanille-Krise in Madagaskar und die Gangs in Haiti, einem wichtigen Vetiver-Produzenten, stellten große Herausforderungen dar. Den Nervenkitzel genießt Dominique Roques literarisch, wenn er seine Geschichten niederschreibt.

In „Der Duft der Wälder“ stellt er der Ausbeutung der Natur eine versöhnliche Vision entgegen: Die Parfümindustrie könnte zur Avantgarde einer behutsamen Nutzbarmachung der Natur werden. Beispiele einer olfaktorischen Graswurzel-Revolution gibt es inzwischen zur Genüge, wie er im Buch erklärt: Im Libanon werden wieder Zedern angepflanzt, die Nationalheiligtümer des Landes, die verbliebenen Sequoias in Amerika stehen längst unter Schutz, und auch der Gaiacbaum, dessen Holz sich nach dem Fällen im Kontakt mit Sauerstoff wundersam bläulich verfärbt, hat in Paraguay seine Protektoren gefunden.

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Die Kettensäge kommt immer noch zum Einsatz

Dominique Roques versteht sich als Gralshüter des Waldes, als Glaneur, als Sammler von Düften und Nachleser des Vergessenen. Die Kettensäge kommt bei seinen Explorationen in die Welt der Düfte zwar immer noch zum Einsatz, doch er bevorzugt es, mit jahrtausendealten Techniken behutsam das Harz aus Weihrauchbäumen zu ziehen, als dem Wald mit dem Caterpillar den Kampf anzusagen.

Ein Faible für Poesie und Literaturgeschichte hat er noch dazu: „Auf einem Hügel in Somaliland“, erzählt er, „sah ich vor meinem geistigen Auge Arthur Rimbaud vorbeiziehen, ganz in der Nähe, auf einer Trage liegend, schwer erkrankt bereits, umwölkt von Weihrauch aus Ägypten.“ Ein Abenteurer, ein Dichter und Geschäftsmann. Rimbaud statt Rambo, eine Devise ganz nach seinem Geschmack.

Die Eiswürfel klirren im Glas, als er sein Sprudelwasser an die Lippen führt. Roques ist zurück von seiner Wanderung durch innere Duftlandschaften. In wenigen Tagen bricht er auf in die Bretagne, wo, wie er schwärmt, „der Duft von Kiefernadeln über die sonnengewärmten Wipfel weht und die Hitze das Harz der Tannen und Lärchen über die warme Rinde fließen lässt – „ça, c’est l’été! Das ist mein Duft des Sommers!“

Dominique Roques: Der Duft der Wälder. Von Menschen und Bäumen, HarperCollins, 22 Euro

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