Der Grimme-Preis 2026 hat wieder einmal gezeigt, wie sehr Fernsehformate gesellschaftliche Debatten prägen können: Bei der Gala in Marl wurden Produktionen ausgezeichnet, die Themen wie Rassismus, Rechtsextremismus und die Krise im Gesundheitswesen befragen. Moderatorin Linda Zervakis führte durch den Abend; 3sat sendet eine rund zweistündige Zusammenfassung der Verleihung.
Die Auszeichnungen des 62. Grimme-Preises verteilen sich über die klassischen Kategorien, Sonderpreise und Juryauszeichnungen – und werfen zugleich Fragen auf, welche politischen Themen in diesem Jahr sichtbar geblieben sind und welche auffällig fehlen.
Wer gewann – ein Überblick
In der Sparte Fiktion wurden mehrere Produktionen ausgezeichnet: „Die Affäre Cum-Ex“ und „Tschappel“ (beide ZDF), der ARD-Film „Die Nichte des Polizisten“ sowie der HR-„Tatort: Dunkelheit“. Einen Sonderpreis für die kreative Auseinandersetzung mit historischen Ikonen erhielt der ZDF-Film „Unterwegs im Namen der Kaiserin“, der laut Jury den Sisi-Mythos kritisch aufarbeitet.
Im Bereich Information & Kultur honorierte das Grimme-Institut Reportagen und Dokumentationen wie „Das leere Grab“ (ZDF), „Petra Kelly – Act Now!“ (rbb/BR/RB/ARTE) und „Sudan: Ein Krankenhaus im Schatten des Krieges“ (ARTE/ZDF). Auffällig ist die Auszeichnung der RTLZWEI-Produktion „Hass.Hetze.Hoffnung“, die sich mit dem Mord an einer chinesischen Studentin beschäftigt.
Unterhaltung, Kinder- und Jugendformate
Bei den Unterhaltungspreisen standen Formate im Fokus, die mit unterschiedlicher Tonalität aktuelle Publikumserwartungen bedienen: Mai Thi Nguyen-Kim erhielt eine Auszeichnung für „MaiThink X – Die Show“ (ZDF), Marie Lina Smyrek für „smypathisch – die show“ (ZDF/funk) und die Amazon-Mockumentary „Gerry Star“ wurde ebenfalls geehrt.
Für Kinder und Jugendliche zeichnet das Institut „Grüße vom Mars“, „Ellbogen“ sowie eine Spezialauszeichnung für die Darstellerinnen und Darsteller aus „Der talentierte Mr. F“ aus.
Besondere Ehrungen
Die Jury verlieh mehrere Sonderpreise: Den Preis für Besondere Journalistische Leistung erhielt Golineh Atai für ihre ruhigen, analytischen Berichte aus der arabischen Welt. Die Studentenjury prämierte die Apple-Serie „KRANK Berlin“ als besten Nachwuchs-Titel, das Publikum der Marler Gruppe wählte die ZDF-Animationsserie „Lenas Hof“. Außerdem wurde TV-Legende Frank Elstner mit einer besonderen Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands ausgezeichnet.
Diese Bandbreite zeigt, wie unterschiedlich Fernsehen heute Themen erzählt – von investigativem Journalismus bis zu fiktionalen Reflexionen historischer Figuren.
3sat plant, die Höhepunkte der Verleihung am Abend in einer zweistündigen Zusammenstellung zu zeigen (Fr., 24.04., 22:25 Uhr).
Was fehlt — und warum das wichtig ist
Das Grimme-Institut lobte die Vielfalt der ausgezeichneten Arbeiten, machte aber zugleich auf Lücken in der Themenwahl aufmerksam: Großereignisse wie die Kriege in Europa und im Nahen Osten sowie die Klimakrise seien in diesem Jahr kaum repräsentiert. Die Leitung des Instituts mahnte, dass gerade öffentlich-rechtliches und privates Fernsehen Verantwortung dafür trage, drängende globale Brennpunkte sichtbar zu machen.
Für Zuschauer und Medienmacher hat das Gewicht: Preise wie der Grimme-Preis setzen nicht nur Anerkennung, sie beeinflussen auch, welche Stoffe für Produzenten und Sender in Zukunft attraktiv bleiben.
Die Verleihung des 62. Grimme-Preises fand in Marl statt und bietet einen Stimmungs- und Qualitätscheck für das aktuelle deutsche Fernsehen — zugleich ist sie ein Spiegel dafür, welche gesellschaftlichen Debatten das Medium derzeit besetzt oder ausspart.
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Jonas Reichert ist ein leidenschaftlicher TV-Kritiker, der die neuesten Shows und Serien analysiert. Mit Fachwissen und Humor bringt er seinen Lesern die faszinierende Welt des Fernsehens näher.
