In seinem neuen Film schickt Charly Hübner einen einfachen DDR-Bürger auf eine überraschende Flucht nach Italien – und hat dafür selbst eine neue Fähigkeit gelernt. Der Film „Spaziergang nach Syrakus“, der nächste Woche in die Kinos kommt, verknüpft persönliche Erinnerungen an die DDR mit aktuellen Themen wie Flucht und Entscheidung unter Druck.
Hübner, zuletzt im Kinofilm über einen DDR-Bahnangestellten zu sehen und kürzlich als Stimme in einer Dokumentation über die Fischereiflotte der DDR aktiv, spielt dieses Mal einen Mann mit der Sehnsucht nach Sizilien. Für die Dreharbeiten brachte er sich das Segeln bei – eine Fertigkeit, die ihm nun offenbares Vergnügen bereitet.
Das Lernen auf dem Wasser war kein reines Filmtraining: Hübner berichtet, dass ihn Produktionsleiter und Regisseur mit praktischem Unterricht versorgten, ehe er im ersten Take eine Szene im Stehen fahren musste. Die Erfahrung habe ihn überrascht: Aus einer Drehanforderung sei ein echtes Interesse geworden.

Segeln werde er nun weiterverfolgen, sagt Hübner, jedoch stehen in Deutschland formale Prüfungen an, wenn das Hobby tiefer betrieben werden soll. Für die Filmarbeit habe die Abhängigkeit vom Wind und das ständige Treffen von Entscheidungen eine besondere Faszination eröffnet.
Hübners Verbindung zur Vorlage geht zurück: Er hatte den Roman von Christian Friedrich Delius bereits in den 1990er-Jahren gelesen, ergänzte die Vorbereitung aber durch das historische Reisebuch von Johann Gottfried Seume. Entscheidend für die Verfilmung sei jedoch ein anderes Moment gewesen: die Bilder und Debatten rund um die Flüchtlingskrise von 2015, die Fragen nach Flucht, Bleiben und den Folgen persönlicher Entscheidungen neu aufgeworfen hätten.
„Spaziergang nach Syrakus“ ist damit kein reines Historienstück, sondern eine Reflexion darüber, wie Flucht und Reiseerfahrung subjektiv wahrgenommen werden – damals wie heute. Hübner beschreibt, dass er das Buch als einen Anlass sah, das Thema filmisch zu bearbeiten, nicht als biografische Abbildung einer realen Person.
Die Produktion hat lange gebraucht: Finanzierungsideen reichten von Serie bis zu aufwendigem Kinofilm, ehe das Projekt realisiert werden konnte. Die Verzögerung habe dem Stoff aber nicht geschadet, betont Hübner.
Persönliche Erinnerungen mischen sich in die Arbeit. Geboren im Nordosten Deutschlands, kann Hübner sich an die Beschränkungen der DDR-Reisepolitik erinnern – und an frühe Sehnsüchte nach Orten wie Taormina. Solche Erlebnisse flossen in die Auseinandersetzung mit der Figur ein, die zwar an reale Fluchten angelehnt ist, in der Verfilmung aber als fiktive Gestalt erscheint.
Die Ausstattung des Films legte großen Wert auf Detailtreue. Hübner lobt das Szenenbildteam für die Rekonstruktion alltäglicher Gegenstände, die für ehemalige DDR-Bewohner vertraut, für Jüngere aber ungewohnt wirken: vom einfachen Besteck bis zur spezifischen Mode der Zeit. Diese Materialität trägt laut ihm stark zur Authentizität bei – ohne nostalgische Verklärung.

Zur Frage, ob das Thema DDR „auserzählt“ sei, antwortet Hübner, dass es zahlreiche noch unerzählte Schicksale gebe. Er verweist exemplarisch auf Schicksale wie das des Schriftstellers Jürgen Fuchs und betont, dass historische Epochen laufend neue filmische Perspektiven bieten.
Interessant ist auch, dass Hübner und seine Ehefrau Lina Beckmann im Film ein Paar spielen, dessen Beziehung auseinandergeht. Für beide war die gemeinsame Arbeit ein vertrautes Terrain: Das Paar hat beruflich viel miteinander zu tun, und Hübner beschreibt die Zusammenarbeit als „Geschenk“, weil beide sofort in der Rolle ankommen konnten. Logistische Engpässe durch parallele Projekte führten allerdings zu knappen Zeitplänen.
Zum Umgang mit der literarischen Vorlage erklärt Hübner, dass er bewusst Abstand zur faktischen Biografie suchte. Die erste Ebene sei das Thema selbst gewesen – Flucht, Leben im Ungewissen, Reise als Akt der Entscheidung – nicht die exakte Nachzeichnung einer historischen Person.
Zur Debatte, wer über die DDR schreiben darf, hält Hübner fest, dass kritische Distanz und Neugier wichtiger seien als Herkunftszugehörigkeit: Ein Autor oder Filmemacher aus dem Westen könne mit offenem Blick Zugang zu bestimmten Phänomenen gewinnen, so seine Einschätzung.
- Was Zuschauer erwarten können: authentische Alltagsdetails der DDR, reale Segelszenen mit handwerklicher Vorbereitung, und ein Beziehungsdrama, das politische und persönliche Entscheidungen verknüpft.
- Warum das jetzt relevant ist: Der Film verknüpft historische Fluchtgeschichten mit aktuellen Debatten über Migration, Erinnerung und individuelle Freiheit.
- Besondere Aufmerksamkeit lohnt: das Zusammenspiel von Hübner und Lina Beckmann sowie das Szenenbild, das Alltägliches wieder fühlbar macht.
Mit dem Kinostart in der kommenden Woche betritt der Film ein aktuelles Diskussionsfeld: Wie erinnern und erzählen wir Vergangenheit, und welche Parallelen lassen sich zu heutigen Fluchtbewegungen ziehen? Hübner selbst sieht im Projekt eine Verbindung von persönlicher Erinnerung und gesellschaftlicher Relevanz – eine Kombination, die das Publikum abseits von nostalgischen Klischees ansprechen soll.
Für Hübner hat die Arbeit auch eine private Seite: Aus einer filmischen Anforderung wurde eine neue Freizeitbeschäftigung, und die Zusammenarbeit mit seiner Frau erwies sich erneut als künstlerisch fruchtbar. Ob Segeln künftig nur ein Begleitfaktor des Films bleibt oder zu einem dauerhaften Hobby wird, das dürfte das kommende Jahr zeigen.
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Johanna Feldner ist Paartherapeutin und bietet praktische Ratschläge, um Beziehungen stark und harmonisch zu halten. Sie glaubt, dass Kommunikation der Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft ist.
