ChatGPT als Therapeut: Kann künstliche Intelligenz bei Problemen helfen?

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Von : Larissa Vogler

„Hey ChatGPT, mir geht es nicht gut – kannst du helfen?“

„Hey ChatGPT, ich fühle mich schlecht – kannst du mir helfen?“

In der jüngeren Generation wird es immer üblicher, Künstliche Intelligenz als therapeutisches Mittel zu nutzen und ihr tiefste Geheimnisse anzuvertrauen. Eine aktuelle Untersuchung deutet darauf hin, dass Dienste wie ChatGPT in manchen Fällen mehr Einfühlungsvermögen zeigen als menschliche Therapeuten. Wie beeinflusst das den Markt der Psychotherapie?

Andreas ist verärgert. Seine Vorgesetzte an der Universität wirkt auf ihn neurotisch und etwas pedantisch. Sie überträgt selten Aufgaben, kontrolliert dafür umso mehr. Das stört ihn gewaltig, aber sie ist nun mal seine Chefin. Direkte Konfrontation scheint keine Option, also wendet er sich an ChatGPT.

„Das klingt wirklich stressig“, beginnt die KI empathisch: „Wenn deine Chefin so stark kontrolliert und wenig vertraut, kann das sehr belastend sein.“ ChatGPT scheint bereit, Andreas zu trösten und bietet ihm zunächst Verständnis. Doch die KI ist auch klug genug, um praktische Lösungsvorschläge zu machen: „Es könnte hilfreich sein, sie regelmäßig über deine Fortschritte zu informieren, bevor sie danach fragt.“

Neben dem emotionalen Beistand gibt ChatGPT Andreas auch Formulierungen an die Hand, wie er seine Chefin zum Nachdenken anregen könnte. ChatGPT schlägt vor: „Ich glaube, dass ich effizienter arbeiten könnte, wenn ich etwas selbstständiger wäre. Wäre es in Ordnung, wenn ich dich einmal pro Woche über meine Fortschritte informiere?“

Was früher nur im engsten Freundeskreis oder mit einem Therapeuten besprochen wurde, teilen Menschen nun mit einer KI. Diese Technologie hat die Fähigkeit, menschliches Denken und Empathie so gut zu simulieren, dass sie sogar bei zwischenmenschlichen Problemen um Rat gefragt wird.

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Der Rat der KI ist zudem sofort verfügbar, ohne die mühsame und oft kräftezehrende Suche nach einem passenden Therapeuten: „Die Anonymität und die niedrige Hemmschwelle bieten viele Vorteile, die wir als Psychotherapeuten oft übersehen“, erklärt Johanna Löchner, Professorin für Psychologie an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg. „Wir haben lange Wartelisten und es gibt nach wie vor große Vorbehalte gegenüber der Psychotherapie.“

Insbesondere bei Beziehungsproblemen zeigt ChatGPT keine schlechteren Leistungen als ausgebildete Therapeuten. Teilweise wird der Chatbot sogar als empathischer und hilfreicher wahrgenommen, wie Ergebnisse einer Studie im Fachjournal „Plos Mental Health“ zeigen. Viele Studienteilnehmer konnten oft nicht unterscheiden, ob eine Antwort von einem Menschen oder einer Maschine stammte. Die Antworten von ChatGPT wurden als einfühlsamer und nützlicher bewertet.

Bedingt dies eine Veränderung in der Psychotherapie? Löchner bleibt skeptisch. Die größte Stärke von ChatGPT – ihre uneingeschränkte Freundlichkeit – ist gleichzeitig ihre größte Schwäche. Sicher, die KI ist niemals gereizt, übermüdet oder destruktiv. Aber entspricht das der Realität? Viele Konflikte müssen in echten zwischenmenschlichen Beziehungen ausgetragen werden, betont die Psychotherapeutin. Dabei sei es notwendig, Patienten emotional herauszufordern und mit ihrem destruktiven Verhalten zu konfrontieren. Dies sei besonders bei sozialen Ängsten der Fall, die nicht mit einem Chatbot gelöst werden könnten, sondern nur im menschlichen Kontakt bearbeitet werden sollten: „Mit einem Menschen zu sprechen, birgt ganz andere Risiken. Ein Therapeut im realen Leben mit all seinen Stärken und Schwächen stellt eine größere Herausforderung dar als eine perfekt antwortende Maschine.“

Hinzu kommt das Problem des Datenschutzes. Sobald sich Patienten öffnen, werden in einer Psychotherapie sensible Daten und Gespräche vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Wenn Nutzer ihre intimsten Gedanken, einschließlich Gedanken über Suizid, einer abstrakten Maschine anvertrauen, sind diese Informationen unwiderruflich im Netz.

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Trotzdem ist für viele Therapeuten klar, dass KI den Markt der Psychotherapie verändern wird. Johanna Löchner erforscht selbst therapeutische Chatbots in der Hoffnung, diese sicher in das deutsche Gesundheitssystem integrieren zu können. Sie ist sich bewusst, dass die Effektivität der klassischen Psychotherapie in den letzten Jahren stagniert hat: „Wir als Psychotherapeuten müssen besser und vor allem schneller auf akut Erkrankte zugreifen können, um zu verhindern, dass sich ihr Zustand chronifiziert.“ Künstliche Intelligenz könnte hier eine wichtige Brücke schlagen.

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