Elternmuster durchbrechen: Expertin warnt vor Denkfallen

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Von : Johanna Feldner

Wie werde ich nicht wie meine Eltern? Expertin entlarvt Denkfehler

Viele Eltern setzen sich heute bewusst das Ziel, Erlebtes nicht an die eigenen Kinder weiterzugeben. Die Familientherapeutin Carina Thiemann erklärt, wie sich übernommene, teils unbewusste Verhaltensmuster identifizieren lassen und warum es gerade jetzt entscheidend ist, diese Kreisläufe zu durchbrechen.

Thiemann begleitet Familien in der Therapie und hat ihre Erfahrungen in dem Buch „Kindheit ohne Gepäck“ zusammengefasst. Sie beschreibt, wie früh erlernte Reaktionen – etwa auf Stress, Ablehnung oder Konflikte – oft automatisch an die nächste Generation weitergegeben werden, wenn Eltern nicht reflektieren.

Warum das Thema heute Relevanz hat

Die Belastungen des Alltags, veränderte Arbeitszeiten und die stärkere Betonung auf Leistung verstärken den Druck in vielen Familien. Wer unter Stress in alte Muster zurückfällt, überträgt nicht nur Verhaltensweisen, sondern auch emotionale Belastungen auf Kinder.

Das bedeutet: Nicht nur Eltern leiden, sondern auch Kinder, die so weniger stabile Voraussetzungen für ihre eigene Entwicklung bekommen. Deshalb geht es nicht allein um gute Absichten, sondern um konkrete Änderungen im Umgang miteinander.

Häufige Prägungen, die Therapeuten sehen

Thiemann beobachtet in vielen Beratungen wiederkehrende Themen: von starker Leistungsorientierung über Konfliktvermeidung bis hin zu emotionaler Distanz. Diese Prägungen wirken oft subtil – etwa in Form von fehlender Gesprächskultur oder unklaren Grenzen.

Solche Muster sind oft generationsübergreifend: Wenn Probleme nie ausgesprochen oder immer mit Härte beantwortet wurden, lernen Kinder dieses Verhalten als Normalität.

Vier Fragen, die Eltern im Alltag helfen

  • Was habe ich selbst als Kind gebraucht, das ich nicht bekommen habe?
    Die Antwort zeigt, welche Bedürfnisse heute möglicherweise unbeachtet bleiben.
  • Welches Verhalten meiner Eltern will ich bewusst nicht wiederholen?
    Klare Gegenbeispiele machen es leichter, Alternativen zu finden.
  • Wie reagiere ich unter Druck – und was löst diese Reaktion aus?
    Erkennen Sie Stressmuster, lassen sich gezielte Strategien einbauen, um anders zu handeln.
  • Wer kann mich unterstützen, wenn ich an meine Grenzen stoße?
    Netzwerke, Paar- oder Familientherapie reduzieren die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme auf die Kinder übergehen.

Diese Fragen sind bewusst praktisch: Sie sollen keine Schuldgefühle erzeugen, sondern Orientierung bieten und konkrete Änderungswege sichtbar machen.

Praktische Schritte für zu Hause

Kleine Routinen verändern oft mehr als große Vorsätze. Beispiele, die Thiemann empfiehlt:

  • Vor dem Konflikt kurz innehalten und atmen, statt sofort zu reagieren.
  • Gefühle benennen – auch die eigenen – um Kindern ein Gefühl für Emotionen zu vermitteln.
  • Klare, aber liebevolle Grenzen setzen; Konsistenz ist wichtiger als Perfektion.
  • Professionelle Hilfe suchen, wenn alte Muster stark und wiederkehrend sind.

Solche Schritte stärken nicht nur das Familienklima, sondern auch die langfristige emotionale Sicherheit der Kinder – ein Ergebnis, das sich über Jahre auszahlt.

Wer tiefer einsteigen möchte, findet in Thiemanns Buch konkrete Übungen und Begleitfragen; in der Praxis genügt oft schon, regelmäßig innezuhalten und die vier Leitfragen als kleine Checkliste zu nutzen.

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